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Theater für Niedersachsen fürchtet das Aus

Weltkulturerbe Michaeliskirche in Hildesheim. Ein Bild von Dietlinde Bamberger aus Hannover.  Fotograf: Dietlinde Bamberger, Hannover Detailansicht des Bildes Die Stadt Hildesheim muss dringend sparen - dann erlässt das Land einen Teil der vielen Schulden. Die Lage ist ernst. Und so hat das Land Niedersachsen der Stadt Hildesheim vor Kurzem einen Zukunftsvertrag angeboten. Darin steht: Wenn Hildesheim drastische Kürzungen beschließt, will Niedersachsen der Stadt fast die Hälfte ihrer insgesamt 300 Millionen Euro Schulden erlassen. Klingt doch gut! Heißt aber auch: An den Stellen, an denen gekürzt werden soll, kommt dieser Plan alles andere als gut an. Zum Beispiel beim Theater für Niedersachsen (TfN) - die Kultureinrichtung träfen die Einsparungen besonders hart.

Intendant befürchtet weitere Kürzungen

TfN-Intendant Jörg Gade geht von Kürzungen in Höhe von 500.000 Euro aus. Diesen Betrag habe die Hildesheimer Stadtkämmerin ihm bereits bestätigt, so Gade. Doch damit nicht genug: Setzt die Stadt tatsächlich den Rotstift an, könnten die anderen TfN-Träger nachziehen, befürchtet Gade: "Wir haben eine Trägerstruktur aus den drei Gesellschaftern Stadt, Landkreis Hildesheim und Zweckverband Landesbühne Hannover - dazu das Land als Zuschussgeber. Diese Trägerstruktur würde dazu führen, dass wir letztlich eine Kürzung von 2,1 Millionen hätten." Konsequenz laut Gade: Das Theater für Niedersachsen in seiner jetzigen Form würde es dann nicht mehr geben.

Kein eigenes Ensemble, keine eigenen Produktionen

Ein Sommernachtstraum in Hannover © picture-alliance/dpa Detailansicht des Bildes Eigene TfN-Produktionen wie der "Sommernachtstraum" wären künftig nicht mehr möglich, befürchtet Intendant Gade. Die eigenen Produktionen und das eigene Ensemble würden dann der Vergangenheit angehören. Es gebe keine Tourneen durch Theaterhäuser in Niedersachsen mehr. "Wir müssten prüfen, ob wir das Haus in ein reines Gastspielhaus umwandeln", sagt Gade. Ein Theater also, dass nur noch Gastspiele von Tournee-Unternehmen einkauft, wie es mittlerweile in vielen niedersächsischen Städten üblich ist.

Bereits vor vier Jahren massive Einsparungen

Dementsprechend ist die Stimmung unter den Mitarbeitern, erzählt Gade. "Sie sind ganz schön aufgebracht, und haben unter anderem eine Unterschriften-Aktion gestartet." Schließlich habe man bereits vor vier Jahren einen beträchtlichen Spar-Beitrag geleistet - durch die Fusion der Landesbühne Hannover und dem Stadttheater Hildesheim zum TfN. "Wir haben damals schon massiv Personal reduziert", sagt Gade. "Das war auch für mich persönlich eine unglaubliche Belastung, weil ich den Mitarbeitern einiges abverlangt habe. Und immer habe ich gesagt: Ihr macht das für die Zukunft dieses Hauses. Wenn das jetzt alles umsonst war, ist das wirklich bitter!"

Auch Museen und Bibliotheken von Sparplänen betroffen

Das Roemer- und Pelizaeus-Museum in Hildesheim. © NDR Fotograf: Thomas Christes Detailansicht des Bildes Auch andere kulturelle Einrichtungen, darunter das Roemer- und Pelizaeus-Museum, sollen von den Hildesheimer Sparplänen betroffen sein. Neben dem TfN wären offenbar auch noch weitere Hildesheimer Einrichtungen von den Sparmaßnahmen der Stadt betroffen: Darunter das Roemer- und Pelizaeus-Museum, verschiedene Bibliotheken, sowie das Stadtmarketing. Sollte es wirklich kommen wie geplant, wäre das nach Ansicht von TfN-Intendant Gade das Aus für den Kulturstandort Hildesheim: "In der Stadt herrscht eine Stimmung nach dem Motto: Der Letzte macht das Licht aus!" Eine Stadtsprecherin versichert hingegen, dass die endgültige Entscheidung über die Kürzungs-Pläne noch nicht gefallen sei. Diese würden derzeit in den einzelnen Fach-Ausschussen diskutiert - Ende Juni wird sich dann der Rat der Stadt abschließend mit dem Thema befassen.

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