AKTUELLES AUS DER REGION
  • Niedersachsen Regionen Niedersachsen Hannover Heide Osnabrück Oldenburg Harz
    Möglichkeit zur Auswahl der Region
 

Immer mehr Senioren sind suchtkrank

Mann trinkt Alkohol. © dpa Fotograf: Arno Burgi Detailansicht des Bildes Immer mehr ältere Menschen sind suchtkrank. (Archivbild) 400.000 Menschen über 60 Jahren sind alkoholabhängig. Das geht aus einer Studie des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) hervor. Diese und andere Untersuchungen der Europäischen Union belegen, dass es immer mehr ältere Konsumenten von legalen und illegalen Drogen gibt, wie die Paritätische Gesellschaft für Sozialtherapie und Pädagogik (STEP) aus Hannover mitteilte. Zudem zeigten die Studien, dass es für die Betroffenen keine ausreichende Versorgung gibt. Deshalb fordert die Gesellschaft von der Politik, mehr Geld für Therapieprojekte bereitzustellen.

Betreuungsmöglichkeiten reichen nicht aus

Sucht im Alter - die Fakten

  • 400.000 der über 60-Jährigen sind alkoholabhängig;

  • Verdacht des Alkohol- und Medikamentenmissbrauchs bei jedem siebten Pflegebedürftigen;

  • fünf bis zehn Prozent der über 60-Jährigen weisen einen problematischen Konsum psychoaktiver Medikamente und Schmerzmittel auf;

  • rund 80.000 Drogenabhängige werden 2016 älter als 40 Jahre sein.

(Quelle: STEP)

Die Behandlungsmöglichkeiten der hauseigenen Fachambulanz für Alkohol- und Medikamentenabhängige (FAM) reichten nicht aus, um auf die Bedürfnisse der von ihr betreuten Menschen angemessen zu reagieren, so STEP. Im vergangenen Jahr seien 30 Prozent der von der FAM betreuten Menschen älter als 50 Jahre gewesen. Deren Betreuung erfordere neue Konzepte, deshalb wolle man den genauen Bedarf an Angeboten analysieren und auf der Basis dieser Daten ein differenziertes Therapiekonzept und ein Finanzierungsmodell entwickeln. Die spezielle Situation von älter werdenden Drogenabhängigen soll dabei mit berücksichtigt werden.

Demografischer Wandel macht sich bemerkbar

Der demografische Wandel sei eine Ursache für die zunehmende Zahl an Suchtkranken, wie Ulrike Haberer von der FAM NDR.de sagte. Dabei verlaufe die Entwicklung je nach Sucht unterschiedlich. Medikamenten- und Alkoholabhängige könnten noch spät in die Sucht einsteigen, während Drogenabhängige schon in jüngeren Jahren süchtig würden und die Abhängigkeit dann einen chronischen Verlauf nehme. "Durch die medizinisch gute und die psychosoziale Betreuung hat sich die Lebenserwartung Drogenabhängiger verändert, aber nicht ihre soziale Situation, so die Expertin. Viele könnten nicht arbeiten und stünden finanziell schlecht da. Da stelle sich die Frage, wie sie im Alter betreut werden sollen.

Spezielle Fortbildung für Betreuer und Ärzte

Ältere Suchtkranke in Altenheimen zu versorgen, sei schwierig, so Haberer. Die Betroffenen hätten eine eigene Subkultur und für die Altenpfleger sei es vermutlich schwierig auf Drogenabhängige einzugehen, weil es Berührungsängste gebe. Um spezielle Versorgungskonzepte zu entwickeln, hat STEP die Politik um Hilfe gebeten. Unter anderem benötige man Geld für Projekte, zudem müssten Mitarbeiter ausgebildet werden. Einen ersten Schritt hat STEP bereits gemacht: Die Gesellschaft hat eine Therapiegruppe für ältere Suchtkranke eingerichtet.

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/regional/niedersachsen/hannover/sucht125.html
Weitere Informationen
Therapie in einer Suchtklinik © Picture-Alliance Fotograf: Jens Wolf
 

Alkoholsüchtige Eltern: Die Kinder leiden mit

Experten versuchen, Eltern mit neuen Therapie-Ansätzen aus der Sucht zu holen. (29.08.2012) mehr

Visite
Ein gezapftes Bier © dpa - Report Fotograf: Ralf Hirschberger
 

Sucht im Alter

Warum werden Senioren suchtkrank? (15.08.2012) mehr

Links

Die deutsche Hauptstelle für Suchtfragen informiert.

Link in neuem Fenster öffnen