Alkoholsüchtige Eltern: Die Kinder leiden mit
Experten versuchen, Eltern mit neuen Therapie-Ansätzen aus der Sucht zu holen. (29.08.2012) mehr
Immer mehr ältere Menschen sind suchtkrank. (Archivbild)
400.000 Menschen über 60 Jahren sind alkoholabhängig. Das geht aus einer Studie des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) hervor. Diese und andere Untersuchungen der Europäischen Union belegen, dass es immer mehr ältere Konsumenten von legalen und illegalen Drogen gibt, wie die Paritätische Gesellschaft für Sozialtherapie und Pädagogik (STEP) aus Hannover mitteilte. Zudem zeigten die Studien, dass es für die Betroffenen keine ausreichende Versorgung gibt. Deshalb fordert die Gesellschaft von der Politik, mehr Geld für Therapieprojekte bereitzustellen.
Die Behandlungsmöglichkeiten der hauseigenen Fachambulanz für Alkohol- und Medikamentenabhängige (FAM) reichten nicht aus, um auf die Bedürfnisse der von ihr betreuten Menschen angemessen zu reagieren, so STEP. Im vergangenen Jahr seien 30 Prozent der von der FAM betreuten Menschen älter als 50 Jahre gewesen. Deren Betreuung erfordere neue Konzepte, deshalb wolle man den genauen Bedarf an Angeboten analysieren und auf der Basis dieser Daten ein differenziertes Therapiekonzept und ein Finanzierungsmodell entwickeln. Die spezielle Situation von älter werdenden Drogenabhängigen soll dabei mit berücksichtigt werden.
Der demografische Wandel sei eine Ursache für die zunehmende Zahl an Suchtkranken, wie Ulrike Haberer von der FAM NDR.de sagte. Dabei verlaufe die Entwicklung je nach Sucht unterschiedlich. Medikamenten- und Alkoholabhängige könnten noch spät in die Sucht einsteigen, während Drogenabhängige schon in jüngeren Jahren süchtig würden und die Abhängigkeit dann einen chronischen Verlauf nehme. "Durch die medizinisch gute und die psychosoziale Betreuung hat sich die Lebenserwartung Drogenabhängiger verändert, aber nicht ihre soziale Situation, so die Expertin. Viele könnten nicht arbeiten und stünden finanziell schlecht da. Da stelle sich die Frage, wie sie im Alter betreut werden sollen.
Ältere Suchtkranke in Altenheimen zu versorgen, sei schwierig, so Haberer. Die Betroffenen hätten eine eigene Subkultur und für die Altenpfleger sei es vermutlich schwierig auf Drogenabhängige einzugehen, weil es Berührungsängste gebe. Um spezielle Versorgungskonzepte zu entwickeln, hat STEP die Politik um Hilfe gebeten. Unter anderem benötige man Geld für Projekte, zudem müssten Mitarbeiter ausgebildet werden. Einen ersten Schritt hat STEP bereits gemacht: Die Gesellschaft hat eine Therapiegruppe für ältere Suchtkranke eingerichtet.