Gazale Salame bald zurück in Hildesheim?
Im Fall der vor Jahren in die Türkei abgeschobenen Gazale Salame scheint es endlich eine Lösung zu geben. Offenbar kann die Kurdin zu ihrer Familie nach Deutschland zurückkehren. (05.12.2012) mehr
Die Kurdin Gazale Saleme lebte vor ihrer Abschiebung 17 Jahre in Deutschland. (Archivbild)
Ein paar bürokratische Hürden müssen die vor knapp acht Jahren in die Türkei abgeschobene Kurdin Gazala Salame und ihre zwei jüngsten Töchter noch meistern, dann rückt das Happy End für die Familie, die Rückkehr nach Hildesheim, in greifbare Nähe. Änderungen beim Bleiberecht machen die Wiederzusammenführung möglich. Demnach können die beiden in Deutschland lebenden Töchter Amina und Nura eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen, die der Mutter und den beiden jüngsten Geschwister die Rückkehr ermöglicht. Die notwendigen Personaldokumente hierfür befänden sich auf dem Weg aus der Türkei nach Deutschland, teilte der Niedersächsische Flüchtlingsrat am Montag mit. Sobald sie einträfen, werde Familienvater Ahmet Siala bei der türkischen Botschaft die Pässe für Amina und Nura beantragen. Diese würden umgehend an den Landkreis Hildesheim weitergereicht werden, um für beide eine Aufenthaltserlaubnis zu bekommen. Mit dieser Erlaubnis könne Gazale Salame dann ein Visum beim deutschen Konsulat in Izmir beantragen.
Der Niedersächsische Landtag hatte am Freitag den Weg für die Rückkehr der Salames nach Hildesheim freigemacht. Die damals schwangere Frau war 2005 zusammen mit ihrer jüngsten Tochter in die Türkei abgeschoben worden, als ihr Ehemann gerade die älteren beiden Töchter zur Schule brachte. Einstimmig hat das Parlament nun einen Antrag beschlossen, nach dem die Landesregierung die Zusammenführung der Familie ermöglichen soll. Redner mehrerer Fraktionen drückten ihre Hoffnung aus, dass die Kurdin jetzt noch vor Weihnachten nach Hildesheim zurückreisen kann.
Gazale Salames Mann, Ahmet Siala, freute sich über die positiven Nachrichten. "Es ist super! Endlich!", sagte er gegenüber NDR 1 Niedersachsen. Allerdings könne auch die angekündigte Rückkehr seiner Familie das Leid der vergangenen Jahre nicht wieder gutmachen. Die positive Entscheidung des Landtags sei das Mindeste, was die Politik habe tun können. Jetzt will Siala erst einmal abwarten, wie es weitergeht. Nach dem, was er bisher erlebt habe, bleibe immer etwas Skepsis, sagte er.
Der Hamelner Superintendent Philipp Meyer hatte als Mitglied der Härtefallkommission den Fall Salame jahrelang mit betreut. Er sei von Anfang an gegen die Abschiebung gewesen. "Ich bin sehr erleichtert, dass die Menschlichkeit gesiegt hat", sagt er nach dem Antrag im Parlament. Allerdings glaubt er, dass eine derartige Entscheidung die Ausnahme bleibe. Auch Kai Weber vom Hildesheimer Flüchtlingsrat ist erleichtert. "Uns ist nach den jahrelangen Aufs und Abs ein riesiger Felsbrocken vom Herzen gefallen", sagte er. Doch auch er ist überzeugt, dass es sich im Fall Gazale Salame um eine Einzelfallentscheidung handele.
Anfang des Jahres hatte sich der als "harter Hund" geltende Innenminister Uwe Schünemann (CDU) nach großem öffentlichen Druck bereits für die nach Vietnam abgeschobene Familie Nguyen aus Hoya eingesetzt. Die Eltern konnten mit zwei kleinen Kindern drei Monate nach der Abschiebung zu ihrer volljährigen Tochter nach Niedersachsen zurückkehren.