"Punk ist kein Kaffeekränzchen"
Ann Sophie Lindström gewährt spannende Einblicke in eine eigenwillige Szene.
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Wo sollen die Punks aus Hainholz demnächst unterkommen? Diese Frage beschäftigte jetzt den Bezirksrat Ahlem-Badenstedt-Davenstedt. (Archivbild)
Es war einiges los am Donnerstagabend im Bürgergemeinschaftshaus Ahlem. Die Sitzung des Bezirksrates Ahlem-Badenstedt-Davenstedt stand auf dem Programm - normalerweise nicht das, was landläufig als Publikumsmagnet gilt. Doch auf der Tagesordnung stand unter anderem der geplante Umzug der Punks von Hannover-Hainholz nach Hannover-Badenstedt. Und das sorgte für volle Sitzreihen in Ahlem. Fast zwei Stunden drehte sich die Debatte um einen neuen Standort für die Bauwagen der Punks. Am Ende standen zwei Dringlichkeitsanträge von SPD und CDU, einen geeigneteren Platz für die Punks zu finden. Die Stadtverwaltung hofft, mit einem "kurzfristigen Gespräch" zwischen Kleingärtnern und Punks eine Lösung herbeizuführen. "Das könnte eventuell schon nächste Woche passieren", sagte Sprecher Dennis Dix.
Eine Alternative, die von der SPD ins Spiel gebracht worden ist, liegt am Parkplatz Stadionbrücke in Linden-Süd. "Dort hatten früher die Schausteller immer ihr Winterquartier. Dort sollte also ein geeigneter Standort sein", sagte Kerstin Klebe-Politze, Bezirksratsfrau für die Sozialdemokraten. Dazu gäbe es in Linden-Süd kein angrenzendes Wohngebiet, dafür aber einen Stadtbahnanschluss. Die SPD im Bezirksrat hält die Ansiedlung der Punks in Badenstedt aus drei Gründen für unglücklich: Es sei viel zu weit weg, dazu eingezäunt, außerdem würden die Hunde der neuen Nachbarn für Gefahr auf einem viel genutzten Schulweg sorgen.
Momentan leben die zwölf jungen Leute noch auf einem städtischen Gelände in Hannover-Hainholz. Doch das Areal ist ihnen und ihren 16 Hunden zu klein geworden. In Badenstedt glaubt die Stadtverwaltung nun, den neuen Standort gefunden zu haben. Die Sorge um eine erhöhte Lärmbelästigung vor Ort teilt Hans-Peter Richter, der zuständige Stadtbezirksmanager, nicht. In dem Gebiet sei es durch ein Gleisdreieick und eine Hauptverkehrsstraße ohnehin sehr laut. Zudem lägen zwischen einem Kleingärtner-Verein und dem neuen Lebensumfeld der Punks 80 bis 100 Meter.
Anwohner aus dem angrenzenden Stadtteil Bornum fürchten sich den Rad- und Fußgängerweg vor dem neuen Punker-Gelände weiterhin zu nutzen. "Wir haben heutzutage nur noch diese eine Zufahrt nach Hannover. Wenn dort diese Leute wohnen, fühle ich mich gehemmt, da mit dem Rad entlangzufahren", sagte eine Seniorin laut der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (Dienstag-Ausgabe) in der jüngsten Sitzung des Bezirksrats Ricklingen, zu dessen Gebiet auch Bornum gehört. Diese Sorge teilt der Stadtbezirksmanager Nord, Andreas Gebert, nicht. Er betreut das Gebiet, in dem die Punker bislang wohnen. Auch in Badenstedt könne man an den Zäunen einen Sichtschutz anbringen und die Hunde so davon abhalten, die Fußgänger zu belästigen. In Hainholz habe dies auch so funktioniert, sagte Gebert.
Die Bauwagensiedlung soll in direkter Nachbarschaft zu den Kleingärtnern entstehen.
Der Konflikt mit den neuen Nachbarn ist jedoch nicht gelöst. Die Mitglieder des Kleingarten-Vereins "Neues Leben" befürchten, dass sich der Lebensstil ihrer neuen Nachbarn nicht mit dem ihrigen verträgt. Und nicht nur das: Nach Angaben des Justiziars des Verbands, Andreas Hildebrand, fürchten die Kleingärtner zudem, dass sie von den Grundstücken vertrieben werden sollen. Es werde eine Situation provoziert, die "sonst nur durch anderweitige, nicht mögliche Kündigungen geschaffen würde", sagte Hildebrand.
Die Bauwagenbewohner, um deren neue Bleibe es geht, zeigen sich gesprächsbereit. "Niemand muss vor uns Angst haben", sagt der 18-jährige Jamie. Er und die anderen Punks seien einfach nur ganz gesellige Menschen, mit denen man reden könne. "Und man sollte doch in unserer heutigen toleranten Gesellschaft davon ausgehen, dass man nicht voreilige Schlüsse zieht, nach optischen Eindrücken", sagte Jamie.