Kirche wirft Pfeiffer "Triumphgeheul" vor
Nach Angaben des Kriminologen Pfeiffer darf er der katholischen Kirche weiter Zensur einer Missbrauchsstudie vorwerfen. Die Kirche hält den Rechtsstreit aber für nicht beendet. (24.01.2013) mehr
Kriminologe Christian Pfeiffer hat seine Ziele vor Gericht erreicht. (Archivbild)
Das Verhältnis zwischen dem hannoverschen Kriminologen Christian Pfeiffer und der katholischen Kirche ist durch den Streit über ein Forschungsprojekt wohl endgültig zerrüttet. Eine Studie sollte Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche aufarbeiten. Zumindest vor Gericht haben sich beide Seiten nun aber geeinigt. Nach Angaben des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN) ändert die Deutsche Bischofskonferenz auf ihrer Homepage die Darstellung der Auseinandersetzung. Und das KFN bleibt weiterhin bei seinem Vorwurf, die Kirche habe Zensur ausüben wollen.
Die Reaktion des Forschungsinstituts auf den Vergleich führte direkt wieder zu Auseinandersetzungen: Pfeiffer stelle sich fälschlicherweise als Gewinner dar, kritisierte die Bischofskonferenz in einer Pressemitteilung. Sie habe lediglich kleine Änderungen auf ihrer Website vorgenommen. Die Bischöfe könnten derweil weiterhin behaupten, dass der Wissenschaftler sich bei seinen Zensurvorwürfen auf einen veralteten Vertragsentwurf berufe, der längst vom Tisch sei. Pfeiffer betonte hingegen, auf der Internetseite der Kirche befänden sich noch immer diskriminierende Aussagen.
Die Bischofskonferenz hatte auf ihrer Internetseite behauptet, sie habe einvernehmlich mit Pfeiffer für die Vereinbarung zur Missbrauchsstudie "Formulierungen gefunden, die Wissenschafts- und Publikationsfreiheit zweifelsfrei garantierten". Pfeiffer bestreitet dagegen, dass es eine Einigung gegeben hat - genauer: Er bezeichnet dies als "krasse Unwahrheit". Nach dem Vergleich vor Gericht muss die Kirche ihre Formulierung nun ändern: Der kritisierte Satz wird gestrichen und durch die Aussage ersetzt, die Kirche habe "Formulierungen vorgeschlagen, die sie für geeignet hielt, die Wissenschafts- und Publikationsfreiheit zu garantieren".
Seine Erklärung, in der es den Vergleich bekanntgibt, nutzte das KFN am Dienstag, um seiner Kritik an der Bischofskonferenz noch einmal Ausdruck zu verleihen. Die Kirche habe verfügt, dass die Ergebnisse aus der Missbrauchsstudie nur nach ausdrücklicher Genehmigung veröffentlicht werden dürften; sie habe ein bindendes Vetorecht für Presseerklärungen und ein Mitspracherecht bei der Anstellung wissenschaftlicher KFN-Mitarbeiter verlangt - diese und weitere Vorwürfe zählen die Forscher nochmals auf. Auch nach der Beilegung des Streits vor Gericht ist in der Pressemitteilung des Instituts der Ärger auf die katholische Kirche sehr deutlich spürbar.
Das KFN hat seine Studie im Übrigen nicht aufgegeben. Die Kriminologen wollen die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche nach wie vor wissenschaftlich aufarbeiten. Die Deutsche Bischofskonferenz will das Projekt ihrerseits mit einem neuen Partner weiterführen.
Nach dem Missbrauchsskandal, der im Jahr 2010 die katholische Kirche erschüttert hatte, kündigte diese eine umfassende Aufarbeitung der Fälle an. Ein Baustein sollte das Forschungsprojekt mit dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) sein. Dies setzte sich damals das Ziel, das Geschehene aus Sicht der Opfer und das Verhalten der Kirche gegenüber Tätern und Opfern zu untersuchen. Dafür wollten Juristen unter der Leitung von Institutsleiter Christian Pfeiffer Personalakten von Geistlichen in den 27 Bistümern sichten. Zudem sollten Missbrauchsopfer befragt werden.
Ungeeigneter gutachter
Nicht, dass ich etwas für die Kirche übrig hätte. Aber als Fachmann kann ich einschätzen, was Herr Pfeiffer für einer ist. Ständig bemüht, ins Fernsehen zu kommen und dort lässt er dann irgendwelche... [mehr]
Die Bischöfe der römisch-katholischen Kirche Deutschlands wollten offensichtlich das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) und seinen guten Ruf für sich nutzen - das ist gründlich... [mehr]
was war in den Jahrhunderten zuvor ?
es schaudert sich vorzustellen, wieviel Menschen geschichtlich dem priesterlichen Missbrauch zum Opfer fielen, als die Kirche noch die unanfechtbare Position hatte und auch die weltliche Macht... [mehr]
von der Macht besessen
Es ist unbestritten, dass es innerhalb der katholischen Kirche auch gute Menschen gibt, leider ist aber die Mehrheit ihrer Führungskräfte inzwischen so weit abgehoben, dass sie nicht mehr ihren... [mehr]
Hoffentlich hat keine/keiner der Kommentatoren zu diesem Thema (hier wird von "gegen die Kirche kämpfen" gesprochen), kirchlich geheiratet, seine/ihre Kinder taufen lassen, etc. Wer von den Genannten... [mehr]