"Noch keine Gleichstellung erreicht"
Heinz-Friedrich Harre und Reinhard Lüschow haben vor 10 Jahren geheiratet. Noch immer sind heterosexuelle Partner gesetzlich besser gestellt als homosexuelle.
Video starten (03:00 min)Ein Promi-Paar sind sie nicht. Dennoch drängten sich zahlreiche Fotografen, Reporter und Fernsehkameras am 1. August 2001 im hannoverschen Alten Rathaus, um bei dieser Hochzeit dabei zu sein. Denn das Ja-Wort von Heinz-Friedrich Harre und Reinhard Lüschow war eine Premiere. Sie waren das erste homosexuelle Paar, das in Deutschland geheiratet hat. Mittlerweile gibt es bundesweit bereits rund 23.000 sogenannte eingetragene Lebenspartnerschaften, in Niedersachsen sind es 4.000.
Den Bund fürs Leben haben Heinz-Friedrich Harre und Reinhard Lüschow 2001 in Hannover geschlossen - als erstes homosexuelles Paar, das in Deutschland geheiratet hat.
Am 1. August vor zehn Jahren waren sogar Cheerleader bei der Hochzeit von Harre und Lüschow dabei.
Nun sind Harre und Lüschow also seit zehn Jahren - ja, was eigentlich? Verheiratet? Verpartnert? "Jetzt nach zehn Jahren würde ich sagen, ich fühle mich verheiratet", sagt Harre im Gespräch mit dem NDR. "In der Umgangssprache haben wir den Ehejargon drauf: 'Wir haben geheiratet. Das ist unser Hochzeitstag. Das ist mein Mann.' Ich käme nie auf die Idee zu sagen, darf ich Ihnen meinen eingetragenen Lebenspartner vorstellen, oder wir begehen den 10. Jahrestag unserer eingetragenen Lebenspartnerschaft. Da ist 10. Hochzeitstag einfacher."
Allerdings, so Reinhard Lüschow, sei beispielsweise der Begriff "Homo-Ehe" mit Vorsicht zu verwenden. Denn die Lebenspartnerschaft sei der Ehe noch immer nicht gleichgestellt. "Homosexuelle Paare haben zwar alle Pflichten, aber im Gegensatz zu Ehepaaren deutlich weniger Rechte bekommen, auch wenn sich da in den vergangenen zehn Jahren einiges getan hat", sagt Lüschow. So beispielsweise beim Erbschaftsrecht, was im Hinblick auf die gemeinsame Eigentumswohnung sehr wichtig gewesen sei, sagt der 50-Jährige: "Wenn einem von uns etwas passiert, kann jetzt der andere die Wohnung behalten, ohne sich noch mal komplett verschulden zu müssen."
Viele dieser für Ehepaare selbstverständlichen Rechte hätten sich die Homosexuellen allerdings mühsam über Klagen beim Bundesverfassungsgericht erkämpfen müssen, sagt Harre, der sich auch als Vorstandsmitglied der Bundesarbeitsgemeinschaft Schwule und Lesbische Paare für die weitere Gleichstellung einsetzt: "Ich bin immer noch ein wenig sauer, wenn ich heutzutage Minister höre, die dann so etwas hinterher als Beschluss verkünden, als ob sie den Weg freigemacht hätten. Dabei sind sie vom Verfassungsgericht dazu gezwungen worden."
Zwei wesentliche Unterschiede gibt es noch zwischen der Lebenspartnerschaft und der Ehe: Homosexuelle Paare dürfen gemeinsam keine Kinder adoptieren und sie werden bei der Einkommenssteuer noch wie Ledige behandelt. Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichtes dazu stehen noch aus. Zum 10. Jahrestag der eingetragenen Lebenspartnerschaft häufen sich die Stimmen, die eine weitere Gleichstellung mit der Ehe fordern. So mahnt unter anderem die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders, es brauche keine Ehe zweiter Klasse, Deutschland hinke hinterher und sollte sich ein Beispiel an Ländern wie Portugal, Spanien oder den Niederlanden nehmen und die Ehe auch für Schwule und Lesben öffnen.