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Hanebuth bleibt auf Mallorca hinter Gittern

von Angelika Henkel und Stefan Schölermann

"Hells Angel" Frank Hanebuth muss sich offenkundig auf einen längeren Aufenthalt in staatlichem Gewahrsam einstellen. Zumindest an diesem Wochenende sei nicht damit zu rechnen, dass ihr Mandant auf freien Fuß komme, erklärte Philip Beckmann, Anwalt in der hannoverschen Kanzlei von Hanebuths persönlichem Freund Götz von Fromberg auf Nachfrage des NDR. Zwar kennt das spanische Gesetz das in Deutschland übliche Rechtsinstitut der Untersuchungshaft nicht - die Richter auf Mallorca hätten aber am Donnerstag einen vergleichbaren Beschluss gefasst auf dessen Grundlage Hanebuth jetzt hinter Gittern sitzt.

Anwalt: Hanebuth weiß noch nicht, was ihm zur Last gelegt wird

Über eine mögliche Freilassung auf Kaution sei bisher nicht gesprochen worden, bestätigte die Kanzlei NDR Informationen. Zurzeit wisse ihr Mandant noch nicht einmal, was ihm konkret zur Last gelegt wird. Er kenne weder die einzelnen Taten, noch deren Zeitpunkt: "Das Schreiben der spanischen Justiz enthielt außer dem Geburtsdatum unseres Mandanten keine weiteren Zahlen, sagte Beckmann.

Geldwäsche, Prostitution, Betrug

Unter dem Namen "Operation Casablanca" hatte die Polizei am Dienstag mehrere Gebäude auf Mallorca durchsucht und einen, wie sie es nannte, Schlag gegen die organisierte Kriminalität geführt. Insgesamt 25 Personen wurden festgenommen, darunter auch Hanebuth und andere Mitglieder der "Hells Angels". Bei den ihnen vorgeworfenen Taten geht es um Delikte wie Geldwäsche, ausbeuterische Prostitution und Betrug. Nach Agenturangaben aus Spanien wurden insgesamt 18 Personen in Haft genommen, sechs von ihnen wurden gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt.

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Hat Hanebuth in Spanien die Fäden gezogen?

Hanebuth hatte einen Teil seiner Aktivitäten nach Mallorca verlegt, nachdem er vor einem Jahr seinen "Hells Angels"- Ortsverein in Hannover für aufgelöst erklärt hatte. Auf der Insel wohnt er in einer luxuriösen Villa, die er nach NDR Informationen bereits vor Jahren in schlechtem Zustand erworben und renoviert hatte. In den Büchern sei allerdings nicht der 49-Jährige als Eigentümer des Landsitzes aufgeführt, heißt es in Meldungen aus Spanien. Nach diesen Informationen gilt Hanebuth den Ermittlern als Kopf einer Spitzengruppierung von insgesamt sechs Personen, die bei den Taten die Fäden gezogen haben sollen. Langsam wird deutlich, wen die Ermittlungsbehörden offenbar meinten, als sie am Tag der Razzia davon sprachen, dass man eine Führungspersönlichkeit der "Hells Angels" mit europaweitem Machtanspruch im Visier habe. 

Hanebuth hatte allerdings schon in der Vergangenheit jede Verbindung zu organisierter Kriminalität zurückgewiesen. Über seinen Anwalt lies er erklären, er habe sich nichts vorzuwerfen und vertraue auf die spanische Justiz.

Auch Polizeibeamte in Haft

Neben Hanebuth waren am Donnerstag noch zehn weitere Personen dem Haftrichter vorgeführt worden. Acht von ihnen bleiben wie Hanebuth für Verhöre weiter in Haft. Zwei Verdächtige wurden auf freien Fuß gesetzt, nachdem sie Kautionen von 60.000 und 20.000 Euro gezahlt hatten, wie das Gericht bekannt gab. Am Freitag wurden außerdem drei Mitarbeiter spanischer Behörden dem Richter vorgeführt. Ihnen wird offenbar vorgeworfen, interne Informationen an die "Hells Angels" weitergegeben zu haben. Die spanische Zeitung "Ultima Hora" berichtet, dass ein Polizeibeamter bereits in Haft sitzt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 26.07.2013 | 19:00 Uhr

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