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Salz stoppt hannoversches Erdwärme-Projekt

von Felix Meschede

Es sind keine einfachen Tage für Johannes Peter Gerling, den Projektleiter auf Hannovers tiefster Baustelle. Im Stadtteil Buchholz wollen Gerling und seine Mitarbeiter mit dem Erdwärme-Projekt GeneSys in vier Kilometer Tiefe Wärmeenergie aus heißem Gestein gewinnen. 20.000 Kubikmeter Wasser aus dem Mittellandkanal haben sie dazu durch ein Bohrloch in die Tiefe gepumpt. Doch nun droht das Projekt zu scheitern, da sich große Mengen Salz aus dem Gestein gelöst haben.

Hat die Politik das Projekt versalzen?

Die Ursachen für die hohe Salzkonzentration sind noch völlig unklar, dennoch haben die Wissenschaftler einen Verdacht. Sie vermuten, dass die verzögerte Rückförderung für die Probleme verantwortlich sein könnte. Grund dafür ist eine Auflage der Niedersächsischen Landesregierung. Sie ließ die Rückförderung kurzfristig stoppen, als im September die Diskussion um Fracking im Zusammenhang mit der Erdgasgewinnung hochkochte. Bei der Geothermie kommen ähnliche Verfahren zum Einsatz. Sollte sich der Verdacht bestätigen, hätte die Politik ihr eigenes Forschungsprojekt buchstäblich versalzen.

Zwei Verfahren zur Erdwärme-Gewinnung

Versuchsaufbau einer Rückförderung im November 2011. © Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe Detailansicht des Bildes Zwei technischen Verfahren zur Gewinnung von Erdwärme werden derzeit genutzt. Dabei ist das Prinzip der Geothermie grundsätzlich vielversprechend. Ist das heiße Gestein im Erdinneren erst einmal angezapft, kann mit der thermalen Energie nicht nur Wärme, sondern auch Strom bereitgestellt werden. Zwei technische Verfahren werden dabei bei der Tiefen-Geothermie angewendet. Das Hydroverfahren fördert heißes Wasser aus mehreren Tausend Metern Tiefe durch eine Bohrung zu Tage. Ein Wärmetauscher gewinnt die thermische Energie, bevor das erkaltete Wasser zurück in den Untergrund gepumpt wird.

Beim Petrothermal-Verfahren wird kaltes Wasser, beispielsweise aus Flüssen, unter hohem Druck in heißes Gestein gepresst, wo dann kleine Risse entstehen. Das Tiefengestein erwärmt das Wasser, bevor es anschließend wieder zu Tage gefördert wird. So sollte es auch in Hannover geschehen. Mit der gewonnenen Wärmeenergie von zwei Megawatt hätte - so die Theorie - die Bundesanstalt für Geowissenschaften beheizt werden sollen.

Günstige Bedingungen in Island

Ein erfolgreiches Vorbild ist Island. Auf der nordatlantischen Vulkaninsel wird mit Erdwärme ein Großteil des Energiebedarfs gedeckt. Von Vorteil ist hier allerdings, dass in 1.000 bis 2.000 Meter Tiefe Temperaturen von über 200°C herrschen. In Deutschland steigen die Temperaturen unter der Erde dagegen nur um durchschnittlich 3°C pro 100 Meter. Johannes Peter Gerling und seine Mitarbeiter staunten daher nicht schlecht, als sie bei ihren Untersuchungen in Hannover in knapp vier Kilometer Tiefe statt der erwarteten 120°C über 160°C heißes Gestein vorfanden - ein für deutsche Verhältnisse sehr gutes Ergebnis. Grund dafür ist die Lage der Landeshauptstadt im Norddeutschen Becken, in dem ein hohes hydrothermales Potenzial nachgewiesen wurde.

Bund fördert Erdwärme-Projekt

In das Geothermie-Projekt in Hannover-Buchholz hat der Bund bereits rund 20 Millionen Euro investiert. Beim Ausbau der Erneuerbaren Energien soll Erdwärme eine immer wichtigere  Rolle spielen. Nach Vorstellung des Bundes sollen in den kommenden zehn Jahren deutschlandweit etwa 50 Kraftwerke ans Netz gehen. Die Gesamtleistung geothermischer Kraftwerke schätzt das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit auf etwa 280 Megawatt. Branchenprognosen gehen von einer noch höheren Leistung für Deutschland aus.

Zweifel nach Zwischenfall in Basel

Die Bevölkerung bleibt jedoch skeptisch. Als 2006 das Baseler Geothermie-Projekt ein Erdbeben der Stärke 3,4 verursachte, das zahlreiche Gebäude beschädigte, war der Schrecken groß. Noch größer als der Sachschaden fiel jedoch der Schaden für das Ansehen der Geothermie aus. Seitdem wurde viel für die Akzeptanz der Technologie getan, viele Kritiker warnen trotzdem vor unkalkulierbaren Gefahren.

Maximale Transparenz in Hannover

Übersicht über den Bohrplatz während der Fracarbeiten im Mai 2011. © Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe Detailansicht des Bildes Der Bereich rund um das Bohrloch in Hannover-Buchholz wird von zahlreichen technischen Geräten überwacht. Das Geozentrum Hannover bemüht sich deshalb um größtmögliche Transparenz. An fünf Standorten im Umfeld des Bohrlochs werden Bodenschwingungen aufgezeichnet, die Wissenschaftlern Hinweise auf Unregelmäßigkeiten geben und im Notfall den sofortigen Stopp der Arbeiten bewirken. Eine Webcam und die mikroseismischen Aufzeichnungen sind auf der Homepage des GeneSys-Projekts einsehbar. Ob sich die Mühe auszahlt, ist derzeit fraglich. Denn erst nach weiteren Messungen und Gutachten wird entschieden, ob und wie das Erdwärmeprojekt fortgesetzt werden kann.

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Zwei Mitarbeiter des Leibniz-Instituts für Angewandte Geophysik bauen ein Thermometer auf einem Bohrplatz in Hannover zusammen. © dpa Bildfunk
 

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