Erstmals stirbt ein Kind nach EHEC-Infektion
Zum ersten Mal ist in Deutschland ein Kind an dem gefährlichen Darmkeim EHEC gestorben. Ein zweijähriger Junge aus Celle starb an den Folgen des HU-Syndroms. mehr
Die Mitarbeiter des Bienenbütteler Biohofs wurden nach ihrem Sprossenverzehr befragt.
Die Staatsanwaltschaft Oldenburg prüft die Einleitung eines Ermittlungsverfahren gegen Verantwortliche des als EHEC-Quelle geltenden Sprossenerzeugers in Bienenbüttel. An die Oldenburger Zentralstelle für Landwirtschaftsstrafsachen sei ein Strafanzeige wegen fahrlässiger Tötung und gemeingefährlicher Vergiftung weitergeleitet worden, sagte ein Sprecher der Ermittlungsbehörde in Oldenburg. Die Anzeige werde zunächst geprüft. Danach entscheide man über die eventuelle Aufnahme von Ermittlungen.
Ein Mann aus Münster hatte die Betreiber angezeigt. Er wolle damit erreichen, dass die Angelegenheit strafrechtlich überprüft wird, erklärt sein Anwalt, Hendrik Schnelle, NDR 1 Niedersachsen. Sein Mandant habe sich gewundert, dass bislang noch keine entsprechenden Ermittlungen aufgenommen wurden. Die Strafanzeige basiere vor allem auf Presseberichten, sagte ein Justizsprecher. Persönlich sei der Anzeigeerstatter nicht von der EHEC-Epidemie betroffen.
Bei der Suche nach der Ursache der gefährlichen EHEC-Bakterien hatten die Behörden in Niedersachsen die verdächtigen Sprossen weiter eingegrenzt. Neun Mitarbeiterinnen des Betriebes in Bienenbüttel seien gezielt nach ihrem Sprossenverzehr befragt worden, teilte Gesundheitsministerin Aygül Özkan (CDU) am Montag mit.
Demnach hätten fünf erkrankte oder positiv getestete Mitarbeiterinnen bevorzugt die Sprossenarten Brokkoli, Knoblauch und Bockshornklee gegessen. Vier gesunde Beschäftigte hätten bevorzugt die Sorten Alfalfa und Würzige Mischung verzehrt. Dies könne ein Hinweis auf bestimmte Sprossenarten und damit auf den Ursprung der Infektion durch das Saatgut sein, sagte Özkan.
Weiter unklar ist, wie die EHEC-Erreger in den Biobetrieb gelangen konnten. Haben Mitarbeiter die Keime eingeschleppt, ist infiziertes Saatgut verantwortlich oder gibt es sogar noch andere Quellen? Die Suche nach Antworten geht unverändert weiter. Die Aufklärung sei wichtig, um Vorsorgesysteme zu entwickeln, damit solche Ereignisse in Zukunft verhindert werden könnten, sagte Landwirtschaftsminister Gert Lindemann (CDU) am Sonntag.
Bisher wurden in Niedersachsen rund 1.000 Proben auf den EHEC-Keim untersucht, darunter auch 290 Proben vom Gärtnerhof Bienenbüttel. Alle lieferten ein negatives Ergebnis.