Rente - und dann?
Auf den Spuren von "Silver Workers" in Niedersachsen stellt Unser Thema Menschen vor, die es noch einmal wissen wollen oder die arbeiten müssen, um über die Runde zu kommen. (08.12.2012)
Audiobeitrag starten (46:16 min)Wenn ältere Mitarbeiter in Rente gehen, nehmen Sie nicht nur Erinnerungen an ihr Arbeitsleben mit, sondern auch ihr Fachwissen. Das kann gerade in mittelständischen Betrieben ein Problem werden. Deshalb gibt es Versuche, Fachleute länger im Job zu halten. Wie bei Eggo Schinck aus Hannover. Mit 69 Jahren ist er noch immer täglich in der Produktionshalle der G+F Strate GmbH, seinem ehemaligen Arbeitgeber. Oft kennt nur er, die Kniffe und Tricks der Produktionstechnik im Guss- und Schweißwerk. Und davon profitieren gerade die Nachwuchskräfte.
"Demografischer Wandel": Seniorcoach Eggo Schinck aus Hannover ist ein Ingenieur, der es nicht lassen kann. Er ist 69 Jahre alt und noch immer jeden Tag im Job.
Nur Zeitung lesen und Kaffetrinken - das ist nichts für den 69-jährigen Ingenieur Eggo Schinck. Zwar genießt er das Rentnerleben mit seiner Familie. Aber nach 50 Jahren Arbeitsleben legt er nicht die Hände einfach so in den Schoß. Er braucht seine Firma - und die braucht ihn. "Man bekommt Anerkennung und das braucht der Mensch", beurteilt Schinck seine Tätigkeit als Seniorberater. Für Ingenieure wie Schinck ist es wichtig, gebraucht zu werden. Der Nachwuchs schätzt den fast 70-jährigen.
Wissen vermitteln: Seniorberater geben den Nachwuchkräften Tipps und geben ihren Erfahrungsschatz an die Nachfolger weiter.
Täglich um neun Uhr fängt Eggo Schinck an. Ein Rundgang führt ihn und seinen Nachfolger Kai-Uwe Schaper durch das Werk, seinem zweiten Zuhause. Hier kennt er alles und jeden. Der Bauingeniert ist halb so alt wie Schinck. "Herr Schinck hat einen Erfahrungsschatz, von dem ich unglaublich viel lernen kann. Ich versuche möglichst viel von seinem Wissen aufzunehmen und zu begreifen, um das später dann umzusetzen", erklärt Schaper das Prinzip des Seniorberaters. Weil Schinck fast alle Maschinen konstruiert hat, kennt er auch deren Stärken und Schwächen. Metall bis zu 16 Tonnen Gewicht kann hier geschweißt und aufgepanzert werden. Da ist die 50-jährige Erfahrung Schincks Gold wert. Dass begreifen die jungen, ehrgeizigen Ingenieure schnell.
Das Seniorberater-Projekt ist begehrt und es gibt Mitarbeiter, die ebenfalls als Seniorberater arbeiten wollen. Geschäftsführer Arndt Brinkmann kennt das Bedürfnis vieler Rentner, das alte Tätigkeitsfeld wieder einmal besuchen zu dürfen. "Bei den Pensionären dauert es keine zwei bis drei Jahre, bis die Frage kommt: Darf ich nicht mal wieder reingucken?" Arndt unterstützt diesen Wunsch, damit niemand "seine Berufserfahrung in den Karton packen muss."