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Ohne Angst in die Zukunft

von Vanessa Meyer
Eröffnungsveranstaltung des ConventionCamp 2011. © pr-dienst Fotograf: Handout

In die Zukunft zu sehen, ist ein Menschheitstraum. Propheten waren dementsprechend zu jeder Zeit gefragt. Doch wehe, sie liegen mit ihren Vorhersagen daneben. Trotz dieses Risikos haben sich am Dienstag in Hannover zahlreiche mit ihren Prognosen vorgewagt. In unsere digitale Zukunft blickten sie beim ConventionCamp.

In Jeans und Turnschuhen zur Un-Konferenz

Teilnehmer des ConventionCamp auf der Messe Hannover vor einer Tafel mit dem Ablaufplan. © NDR Fotograf: Eric Klitzke Detailansicht des Bildes Orientierung am Time-Table: Welche Session findet wo statt? 1.500 Menschen strömen ins Convention Center zur vierten Auflage der Internet-Konferenz, die sich damit offenbar etabliert hat. Sie selbst nennt sich Un-Konferenz, eine Mischung aus konventionell steifer Fachtagung und lässigem Zusammenkommen soll es sein. Anzug ja, aber viel öfter trägt der Teilnehmer Jeans und Turnschuhe plus Rucksack für das Laptop. Rund 300 Euro haben die meisten von ihnen für den Eintritt zahlen müssen. Und was erwarten sie dafür? "Ich will wissen, was die Massen bewegt", bringt es eine Besucherin auf den Punkt.

Therapiesitzung bei Frank Schätzing

Die Massen beim ConventionCamp bewegen sich zum Stargast, Science-Fiction- und Bestseller-Autor Frank Schätzing. Auf großer Bühne, vor großer Leinwand startet Schätzing seinen multimedialen Vortrag, eine Therapie für Zukunftspessimisten. Seine Diagnose: Wir haben ein Problem im Umgang mit der Zukunft. Wir sind süchtig nach Prognosen, grübeln aber alles kaputt und sind "vernarrt ins Desaster". Ist die Zukunft wirklich so schlimm? Natürlich nicht, sagt Schätzing. Wir würden sie nur mit Science-Fiction verwechseln. Die Zukunft sollte als großer leerer Raum betrachtet werden - frei nach unseren Vorstellungen zu gestalten. Alles, was es braucht, ist eine Vision.

Gleich zwei Visionen hat Schätzing parat. Wie wäre es mit einem Raumfahrt-Fahrstuhl - eine Kabine bringt den All-Touristen an einem Seil senkrecht 36.000 Kilometer Richtung Sternenhimmel. Gar nicht so unwahrscheinlich, so Schätzing. Alle großen Raumfahrtbehörden würden zurzeit daran forschen. Und wenn wir dann oben sind: Was macht man dort so im Urlaub, allein zu zweit? Sex in der Schwerelosigkeit kann sich der Autor gut vorstellen. Probleme mit Abstoßungseffekten und Erektionsverzögerungen seien nicht unüberwindbar. "Wir sollten uns weniger fragen, was die Zukunft bringt, sondern wie wir sie gern hätten."

Das Internet macht keine Revolutionen

Andrang beim ConventionCamp © ndr.de Fotograf: Vanessa Meyer Detailansicht des Bildes Beim Thema Internet und politische Bewegungen war der Andrang so groß, dass nicht alle in den Saal passten. Manche hätten es wohl gerne, dass das Internet an Macht gewinnt. Sie sehen hier ein großes Revolutions-Potential und verweisen auf die Umsturz-Bewegung im arabischen Raum, aber auch auf Proteste wie "Stuttgart 21" und "Occupy Wall Street". Die Experten, die sich zu diesem Thema beim ConventionCamp zusammenfanden, sind da mehr als skeptisch. "Das Netz lässt keine sozialen Bewegungen entstehen, es kann sie aber fördern und verstärken", sagt der hannoversche Kommunikationsforscher Helmut Scherer. Das Internet mache aus niemandem einen politischen Menschen. Das sieht auch Sebastian Heinel, Pressesprecher von "Stuttgart 21" so. Er prognostiziert "diffusen" Bewegungen wie "Occupy" ohne Programmatik sogar ein jähes Ende. Politiker Malte Spitz von den Grünen ist um Differenzierung bemüht: "Beim arabischen Frühling waren Facebook und Co. nicht der Auslöser, sie spielten aber eine zentrale Rolle." Dort, wo die Not existentiell groß ist, könne es funktionieren. "Wegen Guttenberg würde ich auch nicht protestieren wollen", so Spitz.

Vernetzte Autos und Maschinen

Beim ConventionCamp geht es aber auch um ganz profane Dinge aus der Netzwelt. Dafür bieten sich allen voran die sogenannten Free Sessions an, bei denen die Teilnehmer selbst zu einem von ihnen gewählten Thema referieren dürfen. So nimmt einer ohne Gnade die Internet-Auftritte großer Konzerne wie Allianz, TUI und Galeria Kaufhof auseinander. Und zeigt, wie so mancher kleiner Blog wesentlich kundenorientierter ist. Die Besucher erfahren auch, dass schon bald Maschinen mit Verstand die Industriehallen erobern sollen. Und die Verkehrsplaner in den Rathäusern müssen sich zunehmend damit auseinandersetzen, wie künftig über das Internet Autos mit Ampeln und anderen Verkehrsschildern kommunizieren.

Nach gut neun Stunden ist Schluss im Convention Center mit dem Blick in die Zukunft. In einem Jahr trifft man sich wieder. Mal sehen, welche Zukunft dann auf uns wartet.

Links

Mehr Informationen zum Programm auf der Homepage der Veranstalter.

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