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Althusmann wehrt sich gegen Plagiatsvorwürfe

Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) hat am Mittwoch Fehler beim Verfassen seiner Doktorarbeit eingeräumt und sich dafür entschuldigt. Er bestätigte damit einen Bericht der Wochenzeitung "Die Zeit". Er betonte aber zugleich, dass er keinerlei Textpassagen ohne Quellenangabe kopiert habe und es sich deshalb nicht um ein Plagiat handele. Vielmehr enthielten alle übernommenen Textstellen die Nennung des Autors und die entsprechende Seitenzahl. Besonders brisant: Althusmann ist auch Vorsitzender der Kultusministerkonferenz, die unter anderem für die Qualitätsstandards an Hochschulen zuständig ist. Einen Rücktritt von seinen politischen Ämtern schloss er aber zunächst aus: "Für meine Ämter habe ich, auch nachdem ich den Ministerpräsidenten gestern informiert habe, entschieden, dass dies eine Krise ist, die ich durchzustehen habe."

Zitate von Kultusminister Althusmann auf der Pressekonferenz am 6.07.2011:

  • "Es handelt sich nicht um den Vorwurf der Übernahmen fremder Texte ohne Quellenangabe wie bei vergleichbaren Fällen der letzten Wochen und Monate."

  • "Unter Umständen sind Flüchtigkeitsfehler im Zuge der Überprüfung der Quellen passiert."

  • "Wir haben keine einheitlichen Standards für Zitierweisen an deutschen Universitäten."

  • "Für mögliche handwerkliche Fehler in meiner Arbeit entschuldige ich mich aufrichtig. Als KMK-Vorsitzender und als niedersächsischer Kultusminister ist es meine Pflicht - auch im Umgang mit eigenen Fehlern - mit gutem Beispiel voranzugehen."

  • "Einen Täuschungsversuch kann man hier wirklich nicht unterstellen."

  • "Aufgrund der jetzt erhobenen Vorhalte habe ich bereits die Universität Potsdam gebeten, umgehend eine Prüfung einzuleiten. Dieser Prüfung sehe ich sehr gelassen entgegen, sie wird in vier Wochen - nach Rücksprache mit der Universität - abgeschlossen sein."

  • "Diese Krise für mich persönlich als Politiker in der Frage der Glaubwürdigkeit habe ich erst mal durchzustehen."

  • "Ich habe mich keiner Ghostwriting-Agentur oder was auch immer bedient - so dumm kann man gar nicht sein."

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Universität prüft Vorwürfe

Die Universität Potsdam prüft die aktuellen Vorwürfe, wie eine Universitätssprecherin mitteilte. Sie widersprach aber der Behauptung des Ministers, er selbst habe um diese Prüfung gebeten. Vielmehr sei es die "Zeit" gewesen, die das Verfahren angestoßen habe. Man stehe aber mit Althusmann in Kontakt. Die wissenschaftliche Untersuchung dauert voraussichtlich etwa vier Wochen. Sollten die Vorwürfe berechtigt sein, erhalte der CDU-Politiker Gelegenheit, sich zu äußern. "Danach wird der Dekan entscheiden, ob er den Vorgang zur Prüfung an die Kommission zur Untersuchung wissenschaftlichen Fehlverhaltens weitergeben wird", sagte sie.

  • NDR.de Nutzer Kommentare

    User Nur M.A. sagt:
    Die Universitäten tragen durchaus eine Mitschuld. Es lohnt, die verlinkte Analyse der Arbeit von Minister Althusmann zu lesen: hier können Nicht-Wissenschaftler sehr gut verstehen, warum ein Plagiatsvorwurf so schwer wiegt und vor allem, was ein Plagiat eigentlich ist. Hier geht's zum Forum.

  • NDR.de Nutzer Kommentare

    User Ehrlich sagt:
    Alles wird gefälscht, überall in der Politik wird gelogen und betrogen, A gesagt und B gemeint und Hauptsache man kommt durch.
    Hier geht's zum Forum.

  • NDR.de Nutzer Kommentare

    User Seufz sagt:
    Wieder einer mehr. Den Posten sollte er aber dennoch nicht räumen, den viele Plagiatsjäger arbeiten aus ideologischen Gründen. Hier geht's zum Forum.

  • NDR.de Nutzer Kommentare

    User Lehrbeauftragt sagt:
    Die wirkliche Unverschämtheit dieser Politiker als Kultus- oder Wissenschaftsministerien ist die Arroganz, mit der sie ihre Ämter bekleiden. Hier geht's zum Forum.

  • NDR.de Nutzer Kommentare

    User auwi.meincke sagt:
    Komisch finde ich an diesen ganzen Angelegenheiten, daß nur FDP, CSU, und CDU Politiker betoffen sind. Hier geht's zum Forum.

  • NDR.de Nutzer Kommentare

    User LVD sagt:
    Haben wir in Deutschland nicht genug andere Problem mit denen man(n) / frau sich beschäftigen sollte? Hier geht's zum Forum.

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Debatte um korrekte Zitierweise

Althusmann ging auf fünf Stellen seiner Dissertation ein. Dort habe er etwa Anführungszeichen zu spät gesetzt oder lediglich mit der Abkürzung "vgl." auf eine Quelle verwiesen, die er wörtlich übernommen habe. "Nach meinem damaligen Kenntnisstand bin ich davon ausgegangen, das alles korrekt ist", sagte der 44-Jährige, räumte aber Flüchtigkeitsfehler beim Überprüfen der Quellen ein. Die 2007 eingereichte Doktorarbeit sei keine wissenschaftliche Höchstleistung, gab Althusmann zu. Bei den aktuellen Auseinandersetzungen um Dissertationen gehe es wohl auch um wissenschaftliche Kriterien über die korrekte Zitierweise, vermutet Althusmann. Bislang gebe es keinen "einheitlichen Standard für Zitierweisen an deutschen Universitäten".

Oppermann spricht von "Ausflüchten"

Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann. © dpa picture alliance Fotograf: Rainer Jensen Detailansicht des Bildes Thomas Oppermann: Althusmann hat eine Vorbildfunktion Alles "Ausflüchte", meint der SPD-Politiker Thomas Oppermann: "Ich verstehe nicht, wie es zu einem Streit über Zitierregeln kommen kann. Dafür gibt es an jeder Universität klare Standards. Entweder Herr Althusmann hat die Zitierregeln eingehalten oder eben nicht", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion. Problematisch sei auch, dass Althusmann als Präsident der Kultusministerkonferenz eine "Vorbildfunktion" habe, sagte Oppermann. Die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion, Frauke Heiligenstadt, forderte, Althusmann müsse dieses Amt zumindest so lange ruhen lassen, bis ein Prüfungsergebnis zu seiner Doktorarbeit vorliege.

Zitate nicht gekennzeichnet?

Dem Bericht der "Zeit" zufolge hat Althusmann in seiner Arbeit an vielen Stellen "inhaltliche wie wörtliche Übernahmen aus anderen wissenschaftlichen Werken nicht als solche gekennzeichnet". Anstelle von Zitaten soll er in Fußnoten häufig unbestimmt auf andere Autoren verwiesen haben. Es entstehe der Verdacht, dass Althusmann den Leser über den hohen Anteil an Zitaten und den geringen Anteil an eigener Leistung im Unklaren lassen wollte.

Unstimmigkeiten auf 88 Seiten

Bei ihrer Analyse von 114 Seiten der Promotionsschrift fanden die Experten Unstimmigkeiten auf 88 Seiten. Der Minister verfasste seine 270 Seiten starke Arbeit laut "Zeit" während er die Aufgabe als parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion innehatte - als rechte Hand des damaligen Fraktionsvorsitzenden und heutigen Ministerpräsidenten David McAllister. Sieben Jahre schrieb er an der wissenschaftlichen Arbeit im Fach Betriebswirtschaftslehre an der Universität Potsdam. Im Umfeld von Althusmann habe man überrascht reagiert, als der Politiker plötzlich seine Doktorarbeit vorlegte, schreibt die "Zeit".

Weitere Informationen

Die vollständige Analyse der umstrittenen Dissertation, im Auftrag der "Zeit" erstellt, als pdf-Dokument zum Download bei zeit.de.

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Politiker unter Verdacht

Althusmann distanzierte sich von den Plagiats-Fällen anderer Politiker. Sein Fall liege anders, betonte er in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz am Mittwoch. Er habe nicht geschummelt. Mehrere Doktorarbeiten von Politikern waren unter Verdacht geraten. Für besonders große öffentliche Aufmerksamkeit sorgte die Dissertation des ehemaligen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), die sich als Plagiat entpuppte. Auch der Europaabgeordneten Silvana Koch-Mehrin (FDP) wurde der Doktortitel aberkannt. Die Promotion des FDP-Politikers Jorgo Chatzimarkakis wird gegenwärtig geprüft.

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Mögliche Antworten

Soll Kultusminister Althusmann nach den Plagiatsvorwürfen zurücktreten?

Weitere Informationen
Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) bei einer Rede vor dem niedersächsischen Landtag © dpa Fotograf: Holger Hollemann
 

Der Fall des "Dr." Althusmann

06.07.2011 | 17:08 Uhr
NDR Info

Ein Kommentar von Gerd Wolff zu den Plagiatsvorwürfen gegen Niedersachsens Kultusminister Althusmann. mehr