UEFA: Hohe Geldstrafe für Hannover 96
Für das Fehlverhalten von Fans bei Partien in der Europa League muss Hannover 96 insgesamt 45.000 Euro Geldstrafe zahlen. Der Bundesligist will die Strafe an die Täter weitergeben. mehr
Gewaltbereite Fans müssen laut Polizei aus den Stadien herausgehalten werden. (Archivbild)
Rund 15.000 sogenannte Problem-Fans gibt es bundesweit - davon geht die Polizei aus. Randale und Gewalt in deutschen Fußball-Stadien sind die Folge. Im Kampf gegen die gewaltbereiten Fußball-Anhänger fordert die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) härtere Strafen und lebenslange Stadionverbote. "Wer die Masse der friedlichen Fans für das Ausleben seiner Gewaltgelüste missbraucht, muss notfalls ein lebenslanges Stadionverbot erhalten", heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme der DPolG. Am Nachmittag trafen sich DPolG-Landeschef Thomas Kliewer, Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) und der Präsident des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV), Karl Rothmund, in Barsinghausen (Region Hannover), um künftige Maßnahmen zu erörtern.
Innenminister Schünemann (r.) - hier mit Hannover-96-Clubchef Martin Kind - ist für lebenslange Stadionverbote. (Archivbild)
Im Vorfeld zu der Tagung hatte Kliewer auf einen ersten Konsens mit dem Innenminister und dem NFV-Präsidenten gehofft. "Anschließend könnten wir dann bundesweit für unsere Positionen werben", sagte der Gewerkschaftsvorsitzende auch mit Blick auf die öffentliche Anhörung des Sportausschusses des Deutschen Bundestages zum Thema "Gewalt in und um Fußballstadien" in der kommenden Woche. In Barsinghausen zeigte Schünemann eine gemeinsame Linie mit der Polizei. Auch der Innenminister will künftig gewalttätige Fußballfans gesellschaftlich mehr isolieren und aus den Stadien aussperren: "Deshalb sollten Stadienverbote konsequenter und nachhaltiger durchgesetzt werden." Schon im November hatte sich der Minister für ein lebenslanges Verbot ausgesprochen.
Aus Sicht der Polizei müssen außerdem die Vereine künftig mehr in die Pflicht genommen werden. Die Clubs seien auch für die An- und Abreise der Fußballfans verantwortlich. Denn polizeilich sei das Problem nur schwer zu lösen, da es nicht genügend Beamte gebe, um überall präsent zu sein. Wichtig ist für Gewerkschaftsmann Kliewer auch die Vorbeugung, dazu gehöre für ihn ein generelles Alkoholverbot in öffentlichen Verkehrsmitteln, mehr Fanbeauftragte und eine bessere Koordinierung der Polizeieinsätze.
Die Vereine sollen in die Pflicht genommen werden, fordert die Polizei von NFV-Präsident Karl Rothmund. (Archivbild)
Gewalt in Stadien wird die größte Herausforderung der Fußballverbände in den kommenden Jahren, sagte der DPolG-Vorsitzende. Deshalb fordere die Gewerkschaft "eine Strategie von allen Verantwortlichen, die einerseits konsequent gegen Gewalttäter vorgeht, andererseits die Prävention stärkt." Dazu heißt es in dem Positionspapier, dass zeitlich begrenzte Stadionverbote nicht einfach auslaufen dürften. Stattdessen sollen künftig Prognosen darüber erstellt werden, ob ein Betroffener möglicherweise wieder auffällig wird. Denn für manche gewalttätige Fans scheine ein Stadionverbot eher ein Symbol der Anerkennung zu sein, statt eine dauerhafte Abschreckung.
Interessiert war Innenminister Schünemann zunächst an einer Idee des Innenministers von Mecklenburg-Vorpommern, Lorenz Caffier: Der schlug vor, einen elektronischen Gesichtsscanners in Stadien einzuführen. Dann zeigte sich Niedersachsens Innenminister jedoch skeptisch. Die Datenschutzrechtlichen Probleme seien zu groß, so Schünemann.