"Moralisch gesehen ist der Priester schuldig"
Ein Kommentar von Carsten Ehrbar, NDR mehr
Ein mutmaßliches Missbrauchsopfer hat seine Anzeige gegen den katholischen Pfarrer zurückgezogen.
Ein weiterer Verdachtsfall wegen sexuellen Missbrauchs durch den katholischen Priester aus Spelle wird nicht zur Anklage kommen. Das ergaben Recherchen von NDR 1 Niedersachsen. "Wir werden die Ermittlungen in diesem Fall endgültig einstellen müssen", sagte Oberstaatsanwalt Alexander Retemeyer.
Das mutmaßliche Opfer fühle sich durch die Berichterstattung über Missbrauch in der katholischen Kirche und die Nachforschungen der Staatsanwaltschaft unter Druck gesetzt und scheue einen öffentlichen Prozess. Die Frau habe eingesehen, dass mit ihren Angaben eine Verurteilung nicht zu erreichen sei und deshalb ihre Anzeige zurückgezogen, so Retemeyer.
Im Mai 2010 hatte die Frau bei der Polizei in Lingen Anzeige gegen den ehemaligen Pfarrer aus Spelle erstattet. Er habe sie 1995 sexuell missbraucht. Damals war sie 23 Jahre alt. Die Ermittlungen in diesem Fall hatte die Staatsanwaltschaft zunächst ruhen lassen, weil sie zuvor einen anderen Fall zur Anklage bringen wollte.
Seit Mittwoch steht jedoch fest, dass dieser Prozess nicht stattfinden wird. Der 51-jährige Pfarrer hatte zwar zugegeben, vor 21 Jahren Sexualkontakte mit einem damals 14-jährigen Mädchen gehabt zu haben. Ob dabei Gewalt angewendet wurde, hätte sich aber nicht mehr aufklären lassen, so die Begründung des Landgerichts Osnabrück. Gegen den Priester läuft derzeit noch ein kirchenrechtliches Verfahren.