Stand: 15.06.2013 10:05 Uhr
Nicht immer steht NSU für rechten Terror
von Kerstin Staben
Sie sind echte NSU-Fans, die Mitglieder der IG NSU Prinz v.1980. Regelmäßig treffen sie sich zum Stammtisch oder machen gemeinsame Ausfahrten. Denn sie alle sind Oldtimer-Besitzer der Marke NSU. Wilfried Temme aus Hilter beispielsweise hat ein Modell in der Garage. Und nicht nur das: Tassen, Modellautos, Schlüsselanhänger, T-Shirts, Fahnen - überall stehen die drei großen Buchstaben drauf. Früher war das auch kein Problem - früher. Das war vor der Mordserie der rechtsextremen Terrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU).
Terroristische Vereinigung von Oldtimer-Fans?
Stand: 13.06.2013 09:36 Uhr
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Was haben eine Automarke und ein Terrornetzwerk gemeinsam? - Eigentlich nur den Namen. Doch Oldtimer-Freunde müssen sich immer öfter rechtfertigen, wenn sie mit ihrem NSU unterwegs sind.
So wie Christa Temme aus Hilter. Ihr T-Shirt mit der Aufschrift "NSU-Freunde Bramsche" trägt sie in der Öffentlichkeit nicht mehr.
Auch ihr Mann Wilfried ist leidenschaftlicher Oldtimer-Fahrer. Die Automarke mit den drei Buchstaben sorgt bisweilen für Missverständnisse.
Mit den diversen Fanartikeln des Herstellers verlassen die Temmes nicht mehr das Haus.
Zu groß ist die Gefahr, dass sie auf der Straße für Symphatisanten des Nationalsozialistischen Untergrunds gehalten werden.
Jens Rüter und seine Frau haben wegen des Hissens einer Flagge des Automobilsherstellers schon Bekanntschaft mit der Polizei gemacht. Besorgte Anwohner hatten die Beamten alarmiert.
Auch Rüters besitzen eine große Sammlung von Fanartikeln. Sogar NSU-Wein steht bei ihnen im Regal.
Bis Ende der 1960er-Jahre produzierten die NSU Motorenwerke neben Fahrrädern und Motorrädern ihre Pkw. Der Firmenname leitet sich vom Standort Neckarsulm ab.
Der Motor befindet sich im hinteren Teil des Fahrzeugs.
Genügend Stauraum gibt es unter der "Motorhaube".
Genügend Stauraum gibt es unter der "Motorhaube".
NSU stand für Neckarsulm - einst
Früher kannte fast jeder nur die Marke. Das Kürzel NSU steht für den Stadtnamen Neckarsulm in Baden-Württemberg. Dort wurden die Fahrzeuge bis in die 70er Jahre hergestellt. Doch heute führen die drei Buchstaben immer häufiger zu Irritationen. Die Namensgleichheit mit der Terrorzelle macht den Autoliebhabern zu schaffen. Von einem echten Problem wollen die NSU-Liebhaber aus Hilter und Bad Iburg zwar nicht sprechen. Aber das eine oder andere Erlebnis gab es bereits.
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Seine Liebe zu alten Automobilen führte zu einem Besuch der Polizei: Jens Rüter sorgte mit dem Hissen einer Fahne des Autobauers NSU für Bedenken bei den Anwohnern.
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20 Jahre lang wurde Oldtimer-Fan Christa Temme nicht schief angeschaut, wenn sie ein T-Shirt des Autobauers NSU trug. Nun rufen die drei Buchstaben negative Assoziationen hervor.
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Oldtimer-Fan Wilfried Temme muss oft aufklären, dass die Automarke NSU nichts mit dem Terror-Netzwerk gemein hat. Ähnliche Verwechslungen gab es damals beim Hersteller RAF.
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Mit T-Shirt nicht allein aus dem Haus
Bei Jens Rüter aus Bad Iburg zum Beispiel stand eines Tages die Polizei vor der Tür, weil er eine NSU-Fahne gehisst hatte. Irgendjemand hatte die Beamten alarmiert. Auch die Fan-Tasse lässt Rüter mittlerweile lieber Zuhause und nimmt sie nicht mit zur Arbeit. Christa Temme aus Hilter trägt ihr T-Shirt zumindest nicht mehr allein in der Öffentlichkeit. Darauf steht "NSU Freunde Bramsche". Nichtsdestotrotz: Die Autofans lieben alle ihre Oldtimer - und damit auch die Marke. Alles was hilft, ist Aufklärung, sagen sie. Und deshalb führen sie gerne immer wieder Gespräche mit Skeptikern, denen sie begegnen.
Weitere Informationen
08.04.2013 | 22:00 Uhr
NDR Fernsehen: 45 Min
Mit ihren Morden zog die NSU-Terrorzelle eine Blutspur durch Deutschland. Anstatt dem Trio auf die Spur zu kommen, gerieten die Opfer-Familien ins Visier der Ermittler. mehr