Ein Ort, den kaum ein Europäer kennt
Der Unternehmer Volker Eloesser aus Schledehausen betreibt eine Software-Firma in Nordkoreas Hauptstadt Pjöngjang. Kaum ein Europäer weiß, wie es dort aussieht.
Bildergalerie startenSelbst der Mond ist vermutlich ein beliebteres Reiseziel als der Platz, den sich Volker Eloesser aus Schledehausen (Kreis Osnabrück) als Standort für sein Unternehmen ausgesucht hat. Der 41-Jährige hat eine Software-Firma in Pjöngjang gegründet, in der Hauptstadt des vermutlich rätselhaftesten Staates der Erde - Nordkorea. Seit 2008 läuft das Geschäft von Eloesser bereits, im Mai will er das nächste Mal nach Pjöngjang fliegen. "Wenn ich immer nur den Weg des geringsten Widerstandes gehen würde, dann hätte ich mir sicherlich ein einfacheres Land ausgesucht", sagt er.
Besonders viel ist in Europa nicht bekannt von Nordkorea. Eine kommunistische Diktatur nach stalinistischem Vorbild, scharfe Kontrollen in alle Richtungen, kaum Freiheiten für die Bevölkerung. Auch Eloesser weiß, dass es Themen gibt, die im Gespräch besser außen vor bleiben. Zum Beispiel politische Äußerungen. Er hält sich an diese Spielregeln - obwohl das nicht alle verstehen. "Natürlich gibt es Kritik. Die Leute sagen, man unterstützt damit etwas, was man nicht unterstützen sollte." Aus diesem Grund habe er sich für die unpolitische Unterhaltungsbranche entschieden. Seine Firma entwickelt Handy-Spiele.
Etwa 30 Angestellte arbeiten für Eloesser in Pjöngjang. Auf den Fluren hängen Bilder des "Großen Führers". Gewöhnungsbedürftig, erst recht für Europäer. "Nordkorea ist ja einer der letzten weißen Flecken auf der Landkarte. Das hat mich einfach gereizt und fasziniert", erzählt der 41-Jährige. Im Jahr 2005 war er zum ersten Mal in Nordkorea, auf Geschäftsreise. Damals knüpfte er seine ersten Kontakte und das Land zog ihn in seinen Bann. Er ist ein Abenteurer, war es schon immer, wie er sagt. Und ein Optimist. Deshalb hofft er auch auf eine Aussöhnung zwischen Nord- und Südkorea. Dann wäre vermutlich auch ein wirtschaftlicher Aufschwung zu verzeichnen. Der käme ihm gelegen, denn zurzeit betreibt er neben der Software-Firma noch ein zweites Standbein: Das Softwaregeschäft in Nordkorea bringt keinen Gewinn ein.
Das Häusermeer der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang, Sitz von Eloessers Firma.
Seinen Sonderstatus bemerkt der Unternehmer im nordkoreanischen Alltag. Er darf sich frei bewegen, trotzdem glaubt er, dass der Staat ihn überwachen lässt. Doch seine für Nordkorea exotische Herkunft hat nicht nur Nachteile. Eloesser hat schon in mehreren Filmen mitgespielt. "Ich habe einfach gefragt: 'Braucht ihr nicht mal eine Langnase in eurem nächsten Streifen?' Und zwei Monate später klingelte das Telefon", erzählt er.