Nazi-Terror: Die Täter-Mentalität und das Versagen der Behörden
Beate Z., Uwe B. und Uwe M.: In Teilen der Naziszene konnte sich das Mördertrio verstanden fühlen. Polizei und Verfassungsschutz waren hingegen komplett auf dem Holzweg. mehr
Der "Döner-Killer Song" soll die Morde der NSU um Beate Z., Uwe B. und Uwe M. verherrlichen.
Die Staatsanwaltschaft Osnabrück hat den Produzenten und Sänger der rechtsextremen Band "Gigi & Die braunen Stadtmusikanten" wegen Volksverhetzung angeklagt. Der 42-jährige Daniel G. aus Meppen soll in dem Lied "Döner-Killer Song" die Mordserie der Zwickauer Neonazi-Zelle "Nationalsozialistischer Untergrund (NSU)" gutgeheißen haben. Die Anklage sei zum Amtsgericht Meppen gegangen, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Montag. Sie bezieht sich auf die CD "Adolf Hitler lebt". Das Brisante daran: Die CD erschien bereits 2010, also lange bevor die Mordserie im vergangenen Jahr aufgedeckt wurde.
Im "Döner-Killer Song" heißt es unter anderem: "Spannender als jeder Thriller, sie jagen nach dem Döner-Killer. Neunmal hat er bislang brutal gekillt - doch die Lust am Töten ist noch nicht gestillt." Nun steht die Frage im Raum: Hätte der niedersächsische Verfassungsschutz, der Daniel G. schon einige Jahre im Blick hatte, durch diese CD unter Umständen schon viel früher auf die Spur der Gruppierung "Nationalsozialistischer Untergrund (NSU)" kommen müssen?
Fest steht bislang nur, dass die Verfassungsschützer die CD bei der Veröffentlichung geprüft und als extremistisch auf den Index gesetzt haben. Eine Verbindung zu den Morden, die damals ja noch nicht als rechtsextremistisch eingestuft wurden, sah man allerdings offenbar nicht.
Ein weiteres Lied auf der CD ruft laut Staatsanwaltschaft dazu auf, türkische Menschen nach Istanbul abzuschieben. Ein drittes Lied soll sogar den Holocaust leugnen. Daniel G. ist berüchtigt für skrupellose Texte. So verhöhnte er beispielsweise auch den Passauer Polizisten Alois Mannichl, der im Dezember 2008 ein mutmaßlich rechtsextremistisches Messer-Attentat überlebte, sowie viele Opfer, die in seiner rassistischen Ideologie minderwertig erschienen.