Von Wietze bis Alt Tellin: Die umstrittensten Anlagen
Investoren setzen weiterhin auf Massentierhaltung. Vor allem in Niedersachsen sind mehrere große Hähnchenmastanlagen geplant. Die Proteste nehmen zu - und drohen zu eskalieren. mehr
Bürger in Bawinkel pflanzen Bäume gegen Massentierhaltung
Eiche, Buche und Haselnuss - mehr als 2.000 junge Waldbäume, frisch gepflanzt zwischen den Nachbargemeinden Bawinkel und Lingen im Emsland. Das klingt nach einer wohlgemeinten umweltfreundlichen Aktion, ist allerdings Ausdruck eines Bürger-Protests. Hintergrund ist eine Entscheidung der Stadt Lingen: Um sich vor dem Bau einer Hähnchen-Mastanlage im Stadtgebiet zu schützen, hatte der Rat der Stadt beschlossen, dass gewerbliche Mastanlagen nur noch auf speziellen Sonderbauflächen angesiedelt werden dürfen. Eine dieser Flächen grenzt nun unmittelbar an die Gemeinde Bawinkel an, und diese will mit einer Baumpflanzaktion eine dichte Bebauung durch einen Großinvestor verhindern.
Heinz Gebbeken kämpft gegen den Bau von Großmast-Anlagen.
Die Aktion sei ein symbolischer Akt gewesen, sagte Heinz Gebbeken, Anwohner und Sprecher der Interessengemeinschaft (IG) gegen Massentierhaltung an der Grenze zu Bawinkel, zu NDR 1 Niedersachsen. Die Bepflanzung des Geländes sei sowieso schon seit Jahren geplant gewesen, so Gebbeken. Jetzt aber sei der ideale Zeitpunkt gekommen, um den Widerstand gegen gewerbliche Tierhaltung deutlich zu machen. Der so entstandene Wald müsse bei Bauanträgen für Mastanlagen künftig berücksichtigt werden. Zudem müssten größere Schutzabstände eingehalten werden und das könnte Großinvestoren abschrecken, hoffen die Gemeinde und die IG.
Unbeeindruckt von dem neuen Protest zeigt sich derzeit die Stadt Lingen, wie NDR 1 Niedersachsen berichtete. Nur mithilfe dieser ausgewiesenen Sonderflächen könne eine unkontrollierte Verbreitung der Ställe verhindert werden. Die IG plant unterdessen den nächsten Schritt im Kampf gegen die Mastanlagen: Im November soll ein weiteres Teilstück bepflanzt werden. So arbeiten auch weiterhin zwei Nachbargemeinden gegen den möglichen Bau einer Mastanlage - allerdings auch gegeneinander.