Das in Kalkriese nördlich von Osnabrück entdeckte römisch-germanische Schlachtfeld aus dem Jahr 9 n. Chr. hilft Archäologen und Historikern dabei, andere Funde wie am Harzhorn besser zu verstehen. Seit 25 Jahren erforschen Wissenschaftler das Areal bereits.
Auffällig ist für sie, wie römische Waffen und Rüstungen über das Gelände verteilt sind. So fanden die Archäologen Reste von römischen Schildrandbeschlägen aus Bronze nur am Wall. Daraus schließen sie, dass die Germanen sie nach ihrem Sieg nicht selbst benutzt, sondern zerlegt und das Metall weiterverarbeitet haben.
Aus weiteren Funden wie diesen Lanzenteilen und Geschossen folgern die Forscher, dass die Hinterlassenschaften der Römer zunächst zu einer Beuteschau zusammengetragen wurden, bevor sie unter den germanischen Stämmen verteilt und zerteilt wurden.
Auch Hunderte Eisennägel mit Silberbezug zeigen, wie die Germanen die Hinterlassenschaften ihrer Gegner plünderten. Offenbar war die Schlacht für die Römer so verheerend, dass sie nicht einmal ihre Toten und ihre Ausrüstungen bergen konnten.
Darauf deuten auch die zahlreichen menschlichen Knochenfunde an der Ausgrabungsstelle im Landkreis Osnabrück hin. Die Germanen verscharrten die Überreste der Gefallenen damals in Gruben - allerdings erst mehrere Jahre nach der Schlacht.
Insgesamt wurden in Kalkriese bislang 5.000 römische Fundstücke entdeckt. Für den Wissenschaftler Joseph Rottmann von der Varusschlacht im Osnabrücker Land GmbH ist es "immer wieder erstaunlich, wie viele neue Facetten die detaillierte Auswertung der Ausgrabungen von Kalkriese nach vielen Jahren noch erbringen".
Die neuen Forschungsergebnisse und -ansätze haben Archäologen nun in einem Buch zusammengetragen. Die Publikation "Kalkriese 6. Die Verteilung der Kleinfunde auf dem Oberesch in Kalkriese" wird zudem durch 30 Karten veranschaulicht.