Mehr als 140 Jahre ist das Untersuchungsgefängnis in der Osnabrücker Innenstadt mittlerweile alt. Immer wieder wurden im Laufe der Jahrzehnte Teile des dreistöckigen braunen Backsteinkomplexes saniert - doch nie das gesamte Gebäude.
"Es ist inzwischen fast baufällig - es gibt keinerlei Funktionsräume, keine vernünftige Küche, keinerlei Arbeitsmöglichkeiten und auch von außen betrachtet ist dieses Gebäude ein Schandfleck für Osnabrück", sagt der Präsident des Landgerichts, Antonius Fahnemann.
Das Dach hängt durch, die Mauer rund um den Freizeitbereich hat Risse - doch das Gefängnis kann nicht einfach abgerissen werden. "Wir brauchen eine Justizvollzugsanstalt vor Ort", sagt Fahnemann, "täglich müssen Angeklagte vorgeführt werden, die in Untersuchungshaft sitzen."
Pläne für einen Neubau gibt es bereits. Demnach soll das Untersuchungsgefängnis in einem Justizzentrum untergebracht werden, in dem auch das Land- und das Amtsgericht Platz finden sollen. Zurzeit muss das Amtsgericht sogar zusätzliche Räume anmieten.
Die Kosten für das geplante Hochhaus liegen voraussichtlich bei rund 35 Millionen Euro. Und genau hier liegt das Problem: Bislang hat das Land Niedersachsen nur sechs Millionen Euro bewilligt. Davon könnten vier große Sitzungssäle für die Gerichte finanziert werden.
"Die neue Landesregierung ist da noch in einem Findungsprozess", sagt Landgerichtspräsident Fahnemann. Ende dieser Woche wolle sich Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz (Grüne) deshalb das Gefängnis und die angrenzenden Gerichte ansehen.
Doch die Ansage vonseiten des Ministeriums ist bisher eher ernüchternd: Begehrlichkeiten gebe es an vielen Standorten der Justiz - erst, wenn die Ministerin alle gesehen habe, werde sie sich dazu äußern, wo tatsächlich etwas passiert.