Ex-Heimkinder pochen auf mehr Entschädigung
Ein Opfer zieht erneut vor das Bundesverfassungsgericht. (21.09.2011) mehr
Unter Leitung von Antje Vollmer hatte der RTH Ende 2010 einen Entschädigungsfonds für ehemalige Heimkinder empfohlen.
Ehemalige Heimkinder kritisieren die Verleihung des Hans-Ehrenberg-Preises an die ehemalige Leiterin des "Runden Tisches Heimerziehung" (RTH), Antje Vollmer. Die frühere Bundestags-Vizepräsidentin wird die Auszeichnung heute in der Bochumer Christuskirche entgegennehmen - ehemalige Heimkinder haben angekündigt, vor der Kirche gegen die Ehrung zu demonstrieren. "Ich kann die Empörung verstehen. Von Versöhnung mit den Opfern kann man nicht sprechen", sagte Jürgen Beverförden aus Osnabrück, der Sprecher ehemaliger Heimkinder in Niedersachsen ist, im Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung".
"Wir haben ein Riesenvertrauen in diese Frau", so Beverförden über Margot Käßmann. Daher plädiert er dafür, sie auszuzeichnen.
Als Vorsitzende des RTH habe Vollmer dafür gesorgt, dass die Begriffe Zwangsarbeit und Menschenrechtsverletzungen nicht im Abschlussbericht stehen, so Beverförden. Deswegen habe der Bundestag kein Opfer-Entschädigungsgesetz beschließen müssen. Der Sprecher ehemaliger Heimkinder in Niedersachsen plädierte stattdessen dafür, die ehemalige Landesbischöfin und EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann auszuzeichnen: "Käßmann hat als erste wichtige Persönlichkeit Klartext geredet und festgestellt, dass es massenweise Zwangsarbeit und Menschenrechtsverletzungen in den Heimen gegeben hat. Wir haben ein Riesenvertrauen gehabt in diese Frau."
Der Hans-Ehrenberg-Preis wird vom Evangelischen Kirchenkreis Bochum verliehen und würdigt Vollmers politische Initiativen, "mit denen sie in scheinbar ausweglosen gesellschaftlichen Konflikten Verständigungsprozesse auslöst." Vollmer, so heißt es, habe sich für die deutsch-tschechische Aussöhnung und die Entschädigung von NS-Opfern eingesetzt. Unter ihrer Leitung hatte der RTH Ende 2010 empfohlen, eine Stiftung zur Entschädigung ehemaliger Heimkinder einzurichten, die zwischen 1949 und 1975 in Heimen gelebt und vielerorts Gewalt und Demütigungen erlitten hatten. Auf Empfehlung der RTH haben Bundestag und Bundesregierung inzwischen die Einrichtung eines 120-Millionen-Euro-Fonds für Opfer beschlossen.