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Ist der Dümmer See noch zu retten?

von Thomas Schwierzi, NDR 1 Niedersachsen

Segler, Angler, Vermieter, Umweltschützer und Gäste - sie alle sind am Donnerstagabend auf Einladung der örtlichen Landtagsabgeordneten Karl-Heinz Klare (CDU) und Hans-Werner Schwarz (FDP) in Lembruch am Dümmer mit Vertretern der niedersächsischen Landesregierung zusammengekommen, um über die Zukunft von Niedersachsens zweitgrößtem See zu beraten. Und in einem waren sich alle einig: So schlimm stand es noch nie um den Dümmer. Giftige Algen, Gestank und tote Fische sind mehr als Alarmsignale in dem überdüngten Gewässer.

Vielen stinkt der Dümmer

Auch viele, die nicht eingeladen waren, wollten zur Dümmer-Krisen-Konferenz. Zum Beispiel Vermieterin Michaela Köhr-Eickhoff. Sie hatte Fotos dabei, um den Politikern zu zeigen, wie ernst die Situation am Dümmer ist. Auch Campingplatz-Betreiber Dieter Freisewinkel sieht die Entwicklung des Sees mit Grausen. "Meine Surfer müssen ab und zu notgedrungen ins Wasser und dann ist das ekelhaft", sagt er. Segler Thomas Beckmann fürchtet um die Gesundheit der jungen Wassersportler und internationaler Gäste: "Wir haben Kinder hier, aktive Regatta-Segler, also wirkliche Leistungssportler, die inzwischen auch Gefahren sehen, dass sie sich Krankheiten holen." Selbst Urlauber, die dem Dümmer seit Jahrzehnten treu sind, drohen damit, abzuwandern. Sogar das Spazieren auf dem Deich mache ihnen keinen Spaß mehr, weil es stinkt.

Bürgermeister überreichen Resolution an Landesvertreter

Schiffe liegen am Ufer des verdreckten Dümmer Sees. © NDR Fotograf: Thomas Schwierzi Detailansicht des Bildes Viele Wassersportler fürchten mittlerweile um ihre Gesundheit. Auch die Kommunalpolitiker am Dümmer warnen, der Tourismus drohe langfristig Schaden zu nehmen. 20 Millionen Umsatz und über 300 Stellen seien akut gefährdet, schreiben die Bürgermeister aus Damme, Diepholz und Lemförde in einer Resolution, die sie an die Vertreter des Landes überreichten. Lemfördes Bürgermeister Ewald Spreen (parteilos) zeigte sich zufrieden mit deren Reaktion. "Die Betroffenheit ist angekommen. Diese Initialzündung, die vom heutigen Tag ausgeht, war ganz wichtig. Sonst wäre hier vor Ort Frust ohne Ende gewesen", sagte der Politiker.

Staatsekretär will 100.000 Euro bereitstellen

Der See ist überdüngt, eine "alte Güllekuhle", sagte jemand auf der Krisen-Konferenz. Nachdem vor einigen Jahren bereits der Bornbach wegen seiner Nährstoffe für zehn Millionen Euro um den See herum gelegt worden ist, hat die Landesregierung mit weiteren Investitionen bislang gezögert. Ein großer Schilfgürtel zum Abbau der Nährstoffe würde noch einmal 20 Millionen Euro kosten. Nun aber versprach Umwelt-Staatssekretär Stefan Birkner (FDP) zumindest einen ersten Schritt. Dafür will er 100.000 Euro bereitstellen. Man wolle relativ kurzfristig eine Untersuchung auf den Weg bringen, um herauszufinden, ob und wie weit ein Großschilfpolder am Dümmer geeignet sei, die Situation zu verbessern. Eine solche Untersuchung dauere etwa ein Jahr. Sie sei eine belastbare Grundlage für anstehende Entscheidungen, sagte der Staatsekretär.

Viele Gäste bleiben skeptisch

Zwei Wasservögel stehen am Ufer des Dümmers inmitten von Blaualgen. © NDR Fotograf: Thomas Schwierzi Detailansicht des Bildes Immerhin ein paar Wasservögel baden noch in dem von Blaualgen verseuchten Dümmer See. Während einige Teilnehmer der Konferenz darin zumindest einen kleinen Erfolg sehen, bleiben viele Zaungäste skeptisch. Es sei viel geredet worden. Geändert habe sich aber seit 20 Jahren nichts. Auch der Großschilfpolder sei schon 1990 erwähnt worden.

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Blaualgenschleim auf der Oberfläche des Dümmers. © NDR Fotograf: NDR
 

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