AKTUELLES AUS DER REGION
  • Niedersachsen Regionen Niedersachsen Hannover Heide Osnabrück Oldenburg Harz
    Möglichkeit zur Auswahl der Region
 

Keine Spur von untergetauchter Familie

Abstelltisch in einem Raum © NDR Fotograf: Jörg Holzapfel Detailansicht des Bildes Das Zimmer der untergetauchten Familie im Aufnahmelager Bramsche ist so gut wie leer. Wo sind die Keqajs? Nach dem Happy End im Fall der Nguyens haben die niedersächsischen Behörden noch immer keine Hinweise, wo die untergetauchte kosovarische Familie ist. Anfang Januar waren die Eheleute mit ihren vier Kindern plötzlich aus dem Aufnahmelager Bramsche verschwunden, einen Tag vor ihrer geplanten Abschiebung. Die Keqajs wollen Deutschland nicht verlassen, weil zwei ihrer Kinder ernsthaft krank sind.

Flüchtlingsrat: Familie in Illegalität gedrängt

Kai Weber vom Flüchtlingsrat Niedersachsen bedauert, dass die Sache so gelaufen ist. Er ist sich sicher, dass die Familie per Gericht ein Bleiberecht durchgesetzt hätte. Durch das Abtauchen sei sie jedoch zur Fahndung ausgeschrieben und in die Illegalität gedrängt worden, sagte Weber NDR 1 Niedersachsen am Dienstag. Er hatte das Innenministerium bereits kurz nach dem Verschwinden der Familie scharf angegriffen. Weber bezweifelt, dass die kranken Kinder im Kosovo angemessen behandelt werden könne. Die schlechte Lage im Kosovo - insbesondere in den Wintermonaten - sei bekannt, so Weber. Deshalb hätten einige Bundesländer auch bereits einen Abschiebestopp erlassen. So einen Abschiebestopp für die Wintermonate fordern Opposition und Flüchtlingsrat auch für Niedersachsen.

Bundesamt will Fall prüfen

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hatte nach dem Verschwinden der Familie angekündigt, den Fall noch mal aufgrund der Erkrankungen prüfen zu wollen. Der Junge leidet offenbar unter starken Migräne-Attacken, eine Tochter der Familie hat einen Herzfehler. Die Familie lebte zwei Jahren in verschiedenen Aufnahmelagern, zuletzt in Bramsche. Ihr Asylantrag wurde abgelehnt

Grüne: Schünemann hat nichts dazugelernt

Uwe Schünemann © mecom-multimedia Fotograf: Nigel Treblin Detailansicht des Bildes Ein neuer Abschiebe-Fall bringt dem Innenminister Ärger. Die geplante Abschiebung der Kosovaren hatte wegen der Krankheit der zwei Kinder heftige Kritik auch vonseiten der Opposition an Innenminister Uwe Schünemann (CDU) ausgelöst. Für die migrationspolitische Sprecherin der Grünen, Filiz Polat, ist es "absolut unbegreiflich, warum die Landesregierung aus den Folgen ihrer rigorosen Abschiebungen, besonders in letzter Zeit, nichts gelernt hat". Auch ihre Kollegin von der SPD, Silke Lesemann, forderte Schünemann auf, von der Abschiebung aus humanitären Gründen abzusehen. "Jetzt hat der Innenminister Gelegenheit zu beweisen, dass seine unter großem öffentlichen Druck geäußerte Bereitschaft, zukünftig eine humanere Abschiebepraxis zu üben, nicht nur ein taktisches Lippenbekenntnis war", sagte sie.

Amtsarzt hat Reisefähigkeit festgestellt

Am Innenministerium war die Kritik zunächst abgeprallt. Es werde niemand abgeschoben, bei dem eine ernsthafte Erkrankung vorliege, sagte eine Sprecherin. Sie wies darauf hin, dass die Familie von einem Amtsarzt untersucht worden sei, der eine "uneingeschränkte Reisefähigkeit auf dem Land- und Luftweg" festgestellt habe.

Videos
Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann in einer Nahaufnahme. © mecom-multimedia Fotograf: Nigel Treblin
 
Video

Niedersachsens Abschiebepolitik

30.12.2011 | 19:30 Uhr
NDR Fernsehen: Hallo Niedersachsen

Das Schicksal der Flüchtlingsfamilie Nguyen hat 2011 für Schlagzeilen gesorgt. Am Ende gab es eine glückliche Wende, in anderen Fällen hatten Flüchtlinge kein Glück.

Video starten (08:40 min)
NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/regional/niedersachsen/emsland/abschiebung163.html
Weitere Informationen
Familie Nguyen bei einer Pressekonferenz. © dpa Fotograf: Julian Stratenschulte
 

Die Nguyens sind wieder zurück in Hoya

Nach drei Monaten in Vietnam ist die abgeschobene Familie Nguyen wieder da. (31.01.2012) mehr


Mutter entgeht Abschiebung - vorerst

Die Frau aus dem ostfriesischen Esens soll eine Duldung erhalten. (21.12.2011) mehr

Dossier

Hintergrund: Asylpolitik in Niedersachsen

Die harte Haltung des Landes steht in der Kritik. mehr