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Es ging voran. Auch in Cuxhaven. Alles sollte größer, schöner und schicker werden. Bis in die Sechziger brummte der Hafen: Fischerei, Marine, Tourismus. Im Grunde ging es nur noch darum, was als nächstes eingeweiht werden sollte. Doch das ewige Wachstum ist vorbei. Früher lebten hier mal über 60.000 Menschen. Jetzt sind es nur noch rund 50.000. Cuxhaven hat zu viel Stadt für zu wenige Menschen. Mit der Hafenindustrie verschwanden auch die Bewohner. In einem Arbeiterviertel stehen ganze Straßenzüge leer. In einem Vier-Familien-Wohnhaus lebt nur noch eine, erzählt ein Anwohner. Häuser nebenan stehen komplett leer.
In den 60ern war Cuxhaven noch so eine Art jugendliche Boomtown, doch mit den maritimen Arbeitsplätzen verlor die Hafenstadt auch seine Perspektive. Wie kann es weitergehen?
Ulrich Getsch ist seit 2011 Oberbürgermeister von Cuxhaven.
Wenn die Menschen verschwinden, also Steuerzahler, kann sich die Stadt auch weniger leisten, etwa Kultur und Bildung. Eine Abwärtsspirale droht. Denn attraktiver wird eine Stadt dadurch nicht. "Wir müssen Schulen schließen, zusammenlegen", erzählt Oberbürgermeister Ulrich Getsch. "Ich hab gesehen, mit wie viel Widerstand das Ganze vonstatten geht. Ich kann das Geld aber auch nur einmal ausgeben. Insofern müssen wir diese Schritte vollziehen.
Stadtplaner Ulrich Lasius beobachtet die Entwicklung Cuxhavens.
Für junge Leute ist Cuxhaven einfach nicht attraktiv genug. Es geht immer mehr hin zu einer Seniorenstadt. Schon heute stehen hier mehr Altersheime als Schulen. Im Bundesdurchschnitt beträgt der Anteil der über 65-Jährigen rund 20 Prozent. In Cuxhaven liegt er schon bei rund 25 Prozent. Und genau das macht Cuxhaven zu einer Art Stadt der Zukunft. "Wir sind heute von der Bevölkerung so aufgestellt, wie die Republik in 10, 15 Jahren", erklärt Stadtplaner Ulrich Lasius. "Das heißt wir haben eigentlich die Rahmenbedingungen, auf die man sich immer einstellen muss. Auf die sich die Republik dann einstellen muss."
Die Cuxhavener haben begonnen, den demografischen Wandel nicht mehr nur hinzunehmen, sondern ihn aktiv zu gestalten. Das "Haus der Jugend" ist jetzt ein "Mehrgenerationenhaus". Mit Angeboten, nicht nur für junge Leute. In einem Kurs lernen Senioren, mit dem Computer umzugehen. Jugendliche sind dabei: Sie drehen einen Film über das Projekt. Nach dem Abitur wollen die Schüler trotzdem erst mal weg.
Die Stadt will weniger Schulen betreiben, dafür bessere. Kultur, Bildung und medizinische Versorgung sollen besser erreichbar sein. Und überschüssige Wohnungen sollen vom Markt genommen werden. In einem Quartier nahe dem Bahnhof hat man schon mal angefangen. Die Häuser wurden saniert, überflüssige Wohnungen abgerissen. Das Motto: Zurück zur grünen Wiese. Das soll die Lebensqualität erhöhen und das Viertel retten.
2030 könnte ein Viertel dieser Häuser überflüssig sein. Denn bis dahin wird Cuxhaven voraussichtlich nochmal fast 10.000 Einwohner verlieren. Arbeitsplätze müssten geschaffen werden, sodass es für junge Leute attraktiver ist hierherzuziehen. Ganz einfach. Viele hoffen jetzt wieder, wie früher, aufs Meer. Windparks, draußen vor der Küste, und damit Arbeitsplätze. So hätte die "Stadt der Zukunft" vielleicht eine Zukunft.
1968 wechselte die Fischerei
von Bremerhaven nach Cuxhaven. Cuxhaven war damals die sauberste Stadt bzgl. Fischverarbeitung/Fischereihafen. Fast die ganze Fischerei war in Bremerhaven ansässig ( Brhv. war der größte... [mehr]