Dieses Thema im Programm:
Sozialministerin Aygül Özkan (CDU) will die Einrichtung der Babyklappe fortführen. (Archivbild)
Das Angebot an Mütter in Not, ihr Neugeborenes in einer Babyklappe abzulegen, hat nicht nur Freunde. Doch Niedersachsens Sozialministerin Aygül Özkan (CDU) hat noch einmal betont, dass sie die Babyklappe für unverzichtbar hält. Sie ist überzeugt, dass das Angebot Leben rettet. Jedes einzelne Kind, das dadurch überleben konnte, rechtfertige die Existenz der Klappen, sagte Özkans Sprecher Thomas Spieker. In Niedersachsen waren das im auslaufenden Jahr gleich mehrere.
2012 und auch 2011 wurden Neugeborene an einem Krankenhaus in Hannover abgelegt - wie viele es genau waren, möchte der Betreiber nicht mitteilen. Die dortige Babyklappe wurde technisch verbessert, nachdem 2008 ein Kind erfroren war - die Mutter oder der Vater hatte die Klappe nicht öffnen können und die Tasche mit dem Kind daneben abgestellt. Jeweils zwei Säuglinge wurden 2012 und 2011 in Nordhorn abgelegt. Mechthild Koppel vom Sozialdienst Katholischer Frauen in Nordhorn glaubt ebenfalls, dass die Existenz der Klappe Kinderleben gerettet hat: Seit der Einrichtung des Wärmebettchens 2001 seien in der Umgebung keine Kinder ausgesetzt oder getötet worden. Babyklappen gibt es auch in Hannover, Rotenburg, Osnabrück und Braunschweig.
Kritik kommt unter anderem vom Kinderhilfswerk Terre des Hommes, das die Klappen abschaffen möchte. Die Einrichtung verhindere keine Kindstötungen, so Sprecher Michael Heuer. Stattdessen steige die Zahl der Findelkinder. Zudem bewege sich die Babyklappe in einer rechtlichen Grauzone. Man anonymisiere damit die Identität des Kindes und die Umstände der Geburt.
Auch die Befürworter sehen im anonymen Ablegen der Säuglinge allerdings keine optimale Lösung. "Ich fände es besser, wir bräuchten dieses Angebot nicht", so Mechthild Koppel. Und Judith Rohde vom Netzwerk Notruf Mirjam in Hannover betont: "Unser Anspruch ist es, die Frauen vor der Geburt zu erreichen." Das Ziel ist stets die rechtzeitige Beratung und Hilfe - vor dem letzten Ausweg Babyklappe.
Wird ein Kind in der Klappe abgelegt, informiert ein Alarm das Personal der Klinik oder des Kinderheims. (Archivbild)
Die Wärmebettchen befinden sich in der Regel an Krankenhäusern oder Kinderheimen. Wird ein Kind abgelegt, läutet ein Alarm, sodass ein Arzt oder anderes Personal informiert wird. In einigen Fällen melden sich die Eltern zu einem späteren Zeitpunkt und holen ihren Säugling ab. Passiert dies nicht, werden die Babys zur Adoption freigegeben. Laut Sozialministerium wurden von 2001 bis März 2011 18 Kinder in Niedersachsen in Babyklappen abgelegt.