Lüneburgs CDU froh über Althusmann-Freispruch
Der Vize-Fraktionschef im Lüneburger Stadtrat, Scharf, ist erleichtert: Kultusminister Althusmann hat in seiner Doktorabeit nicht betrogen. Althusmann verdient laut Scharf Hochachtung. mehr
Kultusminister Althusmann hat nach Ansicht der Kommission in seiner Dissertation nicht vorsätzlich getäuscht. (Archivbild)
Die Weste von Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann ist "reingewaschen". Die Universität Potsdam hat das Verfahren wegen Plagiatsvorwürfen gegen seine Doktorarbeit eingestellt. Der CDU-Politiker und Vorsitzende der Kultusministerkonferenz darf seinen Doktortitel behalten. Eher Erleichterung als Triumph war in Althusmanns Gesicht zu sehen, als er am Donnerstag in Hannover erklärte, er sei von Anfang an sicher gewesen, dass der Plagiatsvorwurf für seine Doktorarbeit nicht zutreffe. Und obwohl in den vergangenen Wochen über sein politisches Ende spekuliert wurde, habe er selbst "nie an Rücktritt gedacht". Ruhig und gefasst erklärte er aber: "Das geht nicht spurlos an einem vorbei."
Die Kommission hatte in ihrer Begründung angegeben, die Dissertation Althusmanns weise eine Vielzahl formaler Mängel auf, die gegen die gute wissenschaftliche Praxis verstießen. Doch die Verstöße reichten nicht aus, um den Tatbestand wissenschaftlichen Fehlverhaltens gemäß der Satzung der Universität Potsdam zu erfüllen. Althusmann erklärte: "Man kann relativ gelassen und ruhig mit dem Resultat umgehen, aber ich weiß sehr wohl, dass da Fehler drin sind." Erneut betonte er, die Dissertation selbst verfasst zu haben: "Es war nicht einfach, aber es hat für ein 'ausreichend' gereicht." Er behalte sich vor, die unstreitig vorliegenden Schwächen der Arbeit noch einmal zu überarbeiten.
Althusmann habe in seiner Dissertation fremde Textfragmente ohne Anführungszeichen wörtlich wiedergegeben und nur durch den Hinweis "vergleiche" in den Fußnoten gekennzeichnet, sagte der Vorsitzende der Untersuchungskommission, Tobias Lettl. Diese Mängel seien von erheblichem Gewicht. Die Kommission erkannte darin jedoch keine Anmaßung der Autorenschaft. Eine Täuschung sei Althusmann nicht vorzuwerfen - dazu fehle der Vorsatz. Auch sei keine grobe Fahrlässigkeit zu erkennen.
Mehr als Althusmann kritisierte Lettl die Prüfer der Doktorarbeit: Sie hätten die Arbeit nicht ausreichend auf mögliche Verstöße gegen Formalien überprüft, die ohne Weiteres erkennbar gewesen wären. Althusmann selbst hatte im Vorfeld handwerkliche Fehler beim Zitieren zugegeben. Seine im Jahr 2007 eingereichte Dissertation über Prozesse in der öffentlichen Verwaltung war mit der schlechtesten Note "rite" (genügend) bewertet worden.
Der Präsident der Technischen Universität Braunschweig, Jürgen Hesselbach, hat die Hochschulen aufgefordert, ihre Qualitätsstandards zu sichern. Hesselbach sagte im NDR Fernsehen, Doktoranden müssten beim Schreiben ihrer Arbeit besser unterstützt werden. Im Bezug auf das Ergebnis Der Prüfungskommission sagte Hesselbach: "Man kann die Entscheidung schelten oder persönlich anderer Meinung sein, dennoch muss das Experten-Urteil respektiert werden."
Mit Erleichterung reagierte die Regierungskoalition auf die Entscheidung der Universität Potsdam und stellte es so dar, als sei sie zu jedem Zeitpunkt von einer reinen Weste des Kultusministers und einem entsprechend positiven Ergebnis ausgegangen. "Für uns war immer klar, dass an den Vorwürfen gegen Althusmann nichts dran ist", sagte CDU-Fraktionschef Björn Thümler. CDU und FDP forderten die Opposition auf, sich für "haltlose" Angriffe auf Althusmann zu entschuldigen. Thümler sprach von einem "traurigen Tiefpunkt der Oppositionsarbeit".
Alles andere als eine Entschuldigung kam bisher über die Lippen der Oppositionsmitglieder. Stattdessen kritisierten Grüne, SPD und Linke die Vorbildfunktion des Ministers. "Der Titel ist gerettet - aber der Ruf bleibt ruiniert", sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, Gabriele Heinen-Klajic. Mit der Art seiner wissenschaftlichen Arbeit sei Althusmann für Schüler und Studenten "ein schlechtes Vorbild". Die Linke fordert weiterhin den Rücktritt des Ministers. Althusmann habe dem Amt des Kultusministers, insbesondere aber dem Amt des Vorsitzenden der Kultusministerkonferenz, "schweren Schaden" zugefügt, sagte die Fraktionsvorsitzende der Linken, Kreszentia Flauger.
Althusmann selbst sieht seine Vorbildfunktion als Schulminister nicht beschädigt: "Ich kann nach wie vor mit gutem Gewissen vor jede Klasse in Niedersachsen treten und über Qualität von Bildung reden", so der Minister. Man müsse zwischen wissenschaftlicher Arbeit, die man irgendwann einmal gemacht hat, und der Arbeit eines Kultusministers unterscheiden.