Verkehrsmeldungen aus Mecklenburg-Vorpommern
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Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach von einem neuen Kapitel der Energiegewinnung.
"Baltic 1", der erste kommerzielle Offshore-Windpark in der Ostsee, ist am Montag vor Mecklenburg-Vorpommerns Küste offiziell ans Netz gegangen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) drückten beim Festakt in Zingst auf den Start-Knopf für den Windpark. Merkel sagte, mit der Inbetriebnahme werde ein neues Kapitel der Energiegewinnung in Deutschland aufgeschlagen. Für den beschleunigten Eintritt in das Zeitalter der erneuerbaren Energien müssten aber auch neue Hauptstromtrassen gebaut, bestehende Verteilernetze renoviert und neue Speichertechnologien geschaffen werden. Die Kanzlerin kündigte ein fünf Milliarden Euro umfassendes Sonderprogramm der Kreditanstalt für Wiederaufbau zum Ausbau der erneuerbaren Energieträger an.
Kanzlerin Merkel drückt zwischen EnBW-Vorstandschef Villis und dem Ministerpräsident Sellering den Startknopf für die Inbetriebnahme.
Der aus 21 Windkraftanlagen bestehende Park 16 Kilometer vor der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst, wurde seit dem Frühjahr 2010 in einem sieben Quadratkilometer großen Seegebiet errichtet. Er kann nach Angaben des Betreibers EnBW mit einer Gesamtleistung von 50 Megawatt 185 Gigawattstunden Strom jährlich für rund 50.000 Haushalte erzeugen.
Die geplante Presseausfahrt zum Windpark musste derweil abgesagt werden. Der Grund war zu starker Wind. Die Wellen seien bei Windstärke 7 auf See bis zu drei Meter hoch, eine Überfahrt sei bei solchen Bedingungen nicht zu verantworten gewesen, hieß es vom Windpark-Betreiber EnBW.
In das Projekt "Baltic 1" sind laut offiziellen Angaben 20 Unternehmen aus Mecklenburg-Vorpommern eingebunden. Deren Auftragsvolumen liege bei rund 48 Millionen Euro. Insgesamt will EnBW drei Milliarden Euro investieren, um bis 2020 seinen Anteil an erneuerbaren Energien auf 20 Prozent des Energiemixes auszubauen.
Gegner des Windparks hatten jahrelang gegen das Projekt geklagt. Sie befürchten negative Auswirkungen auf den Tourismus und den Naturschutz sowie eine Gefährdung der Schifffahrt in der nahen und stark befahrenen Kadetrinne. Sie waren jedoch vor dem Oberverwaltungsgericht Greifswald gescheitert. Der Energiekonzern plant bereits einen weiteren, sechs Mal größeren Windpark nördlich von Rügen. "Baltic 2" soll voraussichtlich von 2012 an gebaut werden.
Auf der Ostsee vor der Halbinsel Darß steuert ein Arbeitsboot ein Windrad des Offshore-Windparks "EnBW Baltic 1" an.
In der AWZ, der sogenannten ausschließlichen Wirtschaftszone vor der deutschen Küste, entstehen Kraftwerkparks mit mehreren Tausend Windenergieanlagen. Bislang sind nach Angaben des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in der Nordsee 23 Offshore-Windparks mit 1.611 WEA (Wind-Energie-Anlagen) und einer installierten elektrischen Leistung von 7.650 Megawatt (MW) genehmigt. In der Ostsee sind es drei Parks mit 1.040 MW. Zum Vergleich: Atomkraftwerke leisten im Schnitt gut 1.000 MW, das größte in Deutschland (Isar II) liegt bei brutto 1.485 MW.
Beim BSH liegen zur Zeit Anträge für weitere 56 Windparks in der Nordsee mit einer maximalen Gesamtleistung von 20.250 MW vor. Für die Ostsee sind weitere 15 Projekte mit zusammen höchstens 2.550 MW beantragt. Langfristig könnte der Windkraftwerkspark in Nord- und Ostsee eine installierte Leistung von mehr als 30.000 MW erreichen. Bis 2030 soll nach dem Willen der Bundesregierung der Wert von 25.000 MW erreicht werden. Ein großes Problem ist die allerdings die Anbindung der Anlagen an das Festlands-Stromnetz. Auch sind die existierenden Leitungen für den Weitertransport des Windstroms in Regionen im Süden und Westen Deutschlands bislang nicht ausreichend.
NDR.de-Nutzer "ChrisE" meint:
"Schön, noch mehr Windenergie im Norden. Bei stärkeren Winden werden doch auf Grund von Überproduktion bzw. Überlastung der innerdeutschen Stromtrassen eh schon die Windparks teilweise abgeschalten. Naja, verschenken wir halt noch mehr Strom an die östlichen Nachbarländer. " mehr