NDR Wahlumfrage: SPD baut Vorsprung aus
Nach einer aktuellen Umfrage im Auftrag des NDR bleibt die SPD stärkste politische Kraft im Nordosten.
Rund fünf Monate vor der Landtagswahl bleibt die SPD die stärkste politische Kraft in Mecklenburg-Vorpommern. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Wahlumfrage unter 1.001 Wahlberechtigten, die das Meinungsforschungsinstitut Infratest-dimap im Auftrag des Norddeutschen Rundfunks durchgeführt hat. Demnach kämen die Sozialdemokraten auf 34 Prozent, wenn am Sonntag der Schweriner Landtag gewählt werden würde. Das ist ein Zuwachs von 9 Prozentpunkten gegenüber der Umfrage vom Mai 2009.
Polit-Umfrage: Wie ist die Stimmung im Land?
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Die wirtschaftliche Situation Mecklenburg-Vorpommerns wird gegenwärtig von einem Drittel der Wahlberechtigten (33 Prozent) als gut oder sehr gut eingeschätzt. Die deutliche Mehrheit (64 Prozent) bewertet die Lage als weniger gut oder schlecht.
Die negative wirtschaftliche Grundstimmung im Land basiert auf der anhaltend hohen Arbeitslosigkeit. Laut Bundesagentur für Arbeit verzeichnet Mecklenburg-Vorpommern im März 2011 mit 14,3 Prozent die höchste Arbeitslosenquote im Vergleich aller Bundesländer.
Die Bilanz der Landesregierung fällt gemischt aus. Etwas weniger als die Hälfte der Wahlberechtigten (46 Prozent) zeigt sich zufrieden mit den Leistungen des rot-schwarzen Kabinetts. Eine knappe Mehrheit von 52 Prozent kommt zu einem negativen Urteil.
Kompetenzen: Die Sozialdemokraten konnten sich im Vergleich zur letzten Umfrage im Mai 2009 in fast allen inhaltlichen Politikfeldern - zum Teil deutlich - verbessern, während der Koalitionspartner CDU sein Kompetenzprofil nicht merklich schärfen konnte.
Politikerzufriedenheit: Ministerpräsident Erwin Sellering, der im Oktober 2008 das Amt von Harald Ringstorff übernahm, ist es gelungen, sein Ansehen in den vergangenen zwei Jahren zu stärken. Er führt mit deutlichem Vorsprung die Beliebtheits-Rangliste der abgefragten Politiker an.
Das enorme Ansehen Sellerings zeigt sich auch im Direktvergleich mit den Spitzenkandidaten von CDU und Linken. Wenn die Wähler im Nordosten ihren Regierungschef direkt wählen könnten, würden sich derzeit 65 Prozent für den Amtsinhaber entscheiden.
Auch bei einem Duell zwischen Sellering und dem Linken-Spitzenkandidaten Helmut Holter wäre der Amtsinhaber der klare Sieger. Mit 64 zu 18 Prozent kann Sellering Holter um 46 Punkte distanzieren. Der Amtsinhaber erhält wiederum in allen Bevölkerungsgruppen den Vorzug vor dem Herausforderer.
Sellering hat 2009 in einem Interview zur DDR Stellung genommen: "Ich verwahre mich aber dagegen, die DDR als den totalen Unrechtsstaat zu verdammen, in dem es nicht das kleinste bisschen Gutes gab." Im Nordosten stößt diese Aussage auf große Zustimmung.
Falls das Ergebnis der Landtagswahl sowohl die Fortsetzung der amtierenden Koalition als auch die Rückkehr zur Vorgängerkonstellation erlauben sollte, haben die Bürger gegenwärtig eine klare Präferenz: 54 Prozent sprechen sich für eine Fortsetzung der rot-schwarzen Koalition aus.
Sonntagsfrage: Die SPD konnte im Vergleich zur Umfrage im Mai 2009 sowohl inhaltlich als auch personell Boden gut machen. Vor diesem Hintergrund könnte die SPD bei einem aktuellen Urnengang im Vergleich zur Umfrage im Mai 2009 um 9 Punkte zulegen.
Die NPD, die 2006 mit 7,3 Prozent den Einzug in den Landtag geschafft hatte, könnte derzeit nur mit 3 Prozent der Stimmen rechnen - 1 Punkt weniger als im Mai 2009. Ihr Potenzial liegt aktuell bei 5 Prozent, die sich sicher oder vielleicht vorstellen können, die NPD zu wählen.
Die "Sonntagsfrage" misst aktuelle Wahlneigungen und nicht tatsächliches Wahlverhalten. Sie ermittelt einen Zwischenstand im Meinungsbildungsprozess der Wahlbevölkerung. Rückschlüsse auf den Wahlausgang sind damit nur bedingt möglich. Denn immer mehr Wähler legen sich kurzfristiger vor einer Wahl fest.
Die "Sonntagsfrage" misst aktuelle Wahlneigungen und nicht tatsächliches Wahlverhalten. Sie ermittelt einen Zwischenstand im Meinungsbildungsprozess der Wahlbevölkerung. Rückschlüsse auf den Wahlausgang sind damit nur bedingt möglich. Denn immer mehr Wähler legen sich kurzfristiger vor einer Wahl fest.
Grüne im Aufwind, FDP stürzt ab
Die CDU kommt bei der sogenannte Sonntagsfrage auf 27 Prozent und wäre damit zweitstärkste Kraft. Gefolgt von der Linken mit 20 Prozent. Die Christdemokraten büßen gegenüber der Umfrage vom Mai 2009 Wählerstimmen ein (-5 Prozent). Die Linke verliert 2 Prozent. Große Verlierer sind die Freidemokraten. Mit drei Prozent wäre die FDP nicht länger im Landtag vertreten (-7). Die Grünen befinden sich dagegen - wie auch auf Bundesebene - im Umfragehoch: Aktuell 10 Prozent würden den Einzug ins Schweriner Schloss bedeuten (+5). Die NPD, die bei der Wahl 2006 mit über 7 Prozent den Sprung in den Landtag geschafft hatte, würde mit 3 Prozent draußenbleiben (-1).
Sellering mit Amtsbonus
Dem Umfrage-Ergebnis zufolge könnten SPD und CDU ihre Koalition fortsetzen. 54 Prozent der Wahlberechtigten sprechen sich für eine Fortsetzung der rot-schwarzen Koalition aus. Knapp vier von zehn (38 Prozent) plädieren für ein Regierungsbündnis zwischen der SPD und der Linkspartei. Die Umfrage förderte zudem zutage, dass Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) einen Amtsbonus genießt. Wenn die Wähler im Nordosten ihren Regierungschef direkt wählen könnten, würden sich derzeit 65 Prozent für Sellering und nur 15 Prozent für den CDU-Herausforderer Lorenz Caffier entscheiden. Auch das Duell gegen den Spitzenkandidaten der Linken, Helmut Holter, würde Sellering klar für sich entscheiden (64:18).
Arbeitslosigkeit drängendstes Problem
Laut der Umfrage sehen die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern die Arbeitslosigkeit als drängendstes Problem. Das Land hatte im März eine Erwerbslosenquote von 14,3 Prozent - die höchste unter allen Bundesländern. Die Befragten schreiben der SPD beim Thema Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen die größte Kompetenz zu (35 Prozent). Knapp dahinter folgt die CDU (29).