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Blick von einer Autobahnbrücke auf den fließenden Verkehr © picture-alliance/ dpa / Ronald Wittek Fotograf: Ronald Wittek
 

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Tesch sieht die Stadt am Zug

Vor dem Gebäude des Volkstheaters Rostock steht ein Schild: "Feuerwehrzufahrt - Fläche für die Feuerwehr freihalten" © dapd Fotograf: Frank Hormann Detailansicht des Bildes Im Falle eines Brandes wäre die Gefahr für die Theaterbesucher zu groß. Kultusminister Henry Tesch (CDU) hat dem Volkstheater Rostock seine Unterstützung zugesagt. Es sei nicht hinzunehmen, wenn das Musiktheater durch die Schließung des Großen Hauses keine Spielstätte hätte, sagte Tesch auf NDR 1 Radio MV. Allerdings läge die Verantwortung für das Volkstheater bei der Stadt. Hilfe für die Sanierung oder für einen Theaterneubau sei in erster Linie abhängig von einer Haushaltskonsolidierung. Rostock muss mit einem Schuldenberg von rund 190 Millionen Euro fertig werden. Die Stadtverwaltung hatte am Dienstag die Schließung des Großen Hauses bis mindestens Ende Mai verfügt.

Endgültige Schließung nicht ausgeschlossen

Rostocks Sozialsenatorin Liane Melzer, Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling, Rostocks Senator für Bau und Umwelt, Holger Matthäus und der Intendant am Volkstheater Rostock, Peter Leonard, auf der Pressekonferenz zur Schließung des Grossen Hauses des Volkstheaters Rostock. © dapd Fotograf: Frank Hormann Detailansicht des Bildes Eine endgültige Schließung wollte am Dienstag auf der Pressekonferenz keiner ausschließen. Als Grund wurden auf einer Pressekonferenz am Dienstag erhebliche Mängel beim Brandschutz genannt - wie etwa veraltete Feuerlöschtechnik und fehlende Fluchtwege. Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) wollte auf Nachfrage aber auch eine endgültige Schließung des als marode geltenden Hauses nicht ausschließen. Für Intendant Peter Leonard ist die Entscheidung "ein schwerer Schlag für uns alle". Mit der Schließung des Großen Hauses mit Platz für gut 600 Besucher verliert das Volkstheater seine wichtigste Spielstätte.

Stadt will an Theater-GmbH festhalten

Methling und Rostocks Kultursenatorin Liane Melzer (SPD) erklärten, die Stadt halte trotz der vorläufigen Schließung an der Theater-GmbH mit allen Ensemblemitgliedern fest. "Natürlich stehe ich zu jedem Einzelnen", sagte Melzer. "Die Mitarbeiter müssen sich keine Sorgen machen." Jetzt werde schnell nach Ersatzspielorten in der Stadt gesucht. Möglich wären die Nikolaikirche, der Barocksaal oder die Stadthalle, sagte ein Sprecher der Stadtverwaltung. Außerdem kündigte Methling an, sich an die Landesregierung zu wenden und um Unterstützung für den bis 2018 geplanten Neubau eines Theaters in Rostock zu bitten.

Mängel lange bekannt

Die Mängel an dem etwa 70 Jahre alten Gebäude sind seit Langem bekannt. Zuletzt hatte es dazu 2009 ein umfangreiches Gutachten vom Bau- und vom Rettungsamt gegeben. Von 1975 bis 1977 war die Spielstätte saniert worden. Jahr für Jahr seien die gröbsten Mängel beseitigt worden, um den provisorischen Spielbetrieb zu ermöglichen, so der für die Sicherheit zuständige Bausenator der Stadt, Holger Matthäus (Bündnis 90/Grüne). Nach regelmäßigen Kontrollen seien Stadtverwaltung und Theaterleitung nun kurzfristig zu dem Schluss gekommen, dass ein Spielbetrieb aus Sicherheitsgründen nicht mehr möglich ist.

Kosten zwischen einer und vier Millionen Euro

Das Große Haus des Volkstheaters Rostock © dapd Fotograf: Frank Hormann Detailansicht des Bildes Die Kosten zur Behebung der Mängel werden auf eine bis vier Millionen Euro geschätzt. In den kommenden Wochen sollen Experten den finanziellen Aufwand für die fälligen Umbauten am Großen Haus prüfen. Nach Informationen von NDR 1 Radio MV werden die Kosten zur Beseitigung der Mängel auf zwischen einer und vier Millionen Euro geschätzt. Die Stadt rechnet mit einer sechs- bis siebenstelligen Summe für die Sanierung. Ob man aber Millionen Euro in ein Gebäude investiere, das ein paar Jahre später abgerissen wird, sei noch zu überdenken, so Matthäus. Die Stadt hatte sich bereits auf einen Theaterneubau bis 2018 geeinigt, die Finanzierung ist aber nicht gesichert.

Intendant: "Schwerer Tag"

Intendant Leonard sprach angesichts der Schließung seiner Hauptspielstätte von einem "schweren Tag". Für ihn und sein Ensemble komme es nun darauf an, nach vorn zu schauen und nach neuen Auftrittsmöglichkeiten zu suchen. Zumal viele Vorstellungen im Großen Haus bereits ausverkauft waren. Noch könne niemand genau sagen, welche Operette oder welches Schaupiel vom Großen Haus etwa in den Barocksaal, nach Hohe Düne, in die Kunsthalle oder die Hochschule für Musik und Theater verlegt werden kann. Das werde so schnell wie möglich auf der Internetseite des Theaters veröffentlicht. Das es weiter geht, steht für Leonhard außer Frage. Die Theatercrew werde das Große Haus weiter für Proben nutzen dürfen, für die Aufführungen müssten Ersatzspielorte gefunden werden. Am Mittwoch werde es eine Vollversammlung der Belegschaft geben.

Seit Jahren schlechte Einspielergebnisse

Das Volkstheater kämpft seit Jahren mit schlechten Einspielergebnissen und war deshalb auch vom Landesrechnungshof kritisiert worden. In vergangenen Jahren verbuchte das Volkstheater Einnahmen von rund 1,4 Millionen Euro, der Betrieb kostet die Stadt jedoch jährlich rund 18 Millionen Euro. Erst im November 2010 war der kaufmännische Geschäftsführer abberufen worden. Er war für das Minus von bis zu 1,2 Millionen Euro mitverantwortlich gemacht worden.

Das Rostocker Theater und seine Spielstätten

1895: Eröffnung des im Stil der Neorenaissance erbauten Rostocker Stadttheaters
1942: bei einem Bombenangriff im April bis auf Grundmauern zerstört
1948: Sprengung der Ruine, als Provisorium nutzten die Künstler ein in den 1920er-Jahren gebautes Haus als Stadttheater
1951: Namenswechsel von Stadt- in Volkstheater Rostock, Betrieb als Dreispartentheater mit Schauspiel, Ballett und Philharmonie
1975: Sanierung und Erweiterung der Hauptspielstätte im Ersatzbau
1977: Wiedereröffnung als "Großes Haus"

Neben dem Großen Haus gibt es zwei weitere feste Spielstätten sowie zahlreiche weitere Aufführungsorte, unter anderem in einer alten Werfthalle. Seit der Wende gibt es Planungen für einen Theaterneubau. Die Stadtverwaltung hält am Vorhaben fest, bis 2018 ein neues Stadttheater zu eröffnen.

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Links

Spielplan und Service -Informationen auf der Website des Theaters.

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