Das von Adolf Hitler in Auftrag gegebene Seebad Prora wurde nie komplett fertiggestellt. Die Ferienanlage sollte 20.000 Menschen Erholung auf der Ostseeinsel Rügen ermöglichen.
Die Kdf-Anlage wurde vorrangig vom Architekten Clemens Klotz geplant. Am 2. Mai 1936 fand die Grundsteinlegung statt. Das Ereignis wurde als Großveranstaltung gefeiert, die im Radio übertragen wurde. Kriegsmarine und Luftwaffe bildeten den militärischen Rahmen.
Im April 1938 begannen die Fundamentarbeiten. Bis zum Sommer 1939 wurden die sogenannten Bettenhäuser, also die zum Strand parallelen Unterkunftshäuser, im Rohbau fertiggestellt.
In den nach hinten ausgerichteten Gebäudeteilen befanden sich unter anderem die Treppenhäuser inklusive der sanitären Einrichtungen.
Diese Luftaufnahme des "Koloss von Rügen" zeigt nur vier von insgesamt acht baugleichen Blöcken - geplant waren sogar neun. Insgesamt erstreckt sich der Gebäudekomplex über viereinhalb Kilometer. Heute steht das längste Bauwerk der Nationalsozialisten unter Denkmalschutz.
Nach Kriegsbeginn stoppten die Nazis die Bauarbeiten. Teile des Rohbaus dienten als Ausbildungsstätte, Lazarett oder auch Flüchtlingslager. 1945 sprengte die Rote Armee den Nordflügel. Komplett zerstört wurde das robuste Bauwerk dadurch jedoch nicht - es bleibt eine einsturzgefährdete Ruine.
Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Nationale Volksarmee in Prora stationiert. Einen der Blöcke nutzte das DDR-Militär als Erholungsheim für NVA-Soldaten und deren Angehörige.
Imposant: Wer einmal selbst neben den langgezogenen Gebäudeteilen - hier die sogenannten Bettenhäuser - gestanden hat, bekommt ein wirkliches Gespür für den Gigantismus der Nationalsozialisten. Der "Koloss" zerfällt im Laufe der Jahre immer mehr.
Die KdF-Anlage liegt inmitten idyllischer Natur. Diese hat sich bei den nicht genutzten oder zerstörten Blöcken Stück für Stück das Terrain zurückerobert.
Seit 2000 befasst sich das Dokumentationszentrum Prora mit dem historischen Denkmal. Die Dauerausstellung "MACHTUrlaub" ordnet Freizeit im Nationalsozialismus in den machtpolitischen Rahmen ein. Begleitet wird sie von wechselnden Ausstellungen wie hier über polnische Zwangsarbeiter.
Zuletzt wurde die Ferienanlage für kulturelle Veranstaltungen wie das Jugendevent "Prora10" genutzt. Ziel des Festivals war es, junge Menschen zum Diskutieren über Politik und Demokratie zusammenzubringen. Wegen des geringen Erfolgs 2010 steht eine Neuauflage des Festivals jedoch infrage.
Der fünfte Block des Komplexes während der Sanierung. Unterstützt wurde das Vorhaben mit mehreren Millionen Euro. Der Hotel- und Gaststättenverband kritisierten damals das öffentliche Engagement. Der Ausbau gefährde die Hotellerie, so der Vorwurf.
Im Block V wurde im Juli 2011 die größte Jugendherberge Mecklenburg-Vorpommerns eröffnet. Auf fünf Etagen stehen 100 Zimmer für 400 Gäste bereit.