Verkehrsmeldungen aus Mecklenburg-Vorpommern
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Die Rechtradikalen agieren subtiler als früher, meint der Sportjournalist Ronny Blaschke.
"Angriff von Rechtsaußen - Wie Neonazis den Fußball missbrauchen" - so lautet der Titel eines Buches des Sportjournalisten Ronny Blaschke. Der 30-Jährige zeigt darin auf, dass Rechtsextremismus im Amateurfußball in Deutschland keine Ausnahme ist. Denn die rechtsradikale Szene bemüht sich seit Jahren, bei den Fußballfans Einfluss zu gewinnen - nicht ohne Erfolg. Auf Einladung des Landesfußballverbands und der Heinrich-Böll-Stiftung MV sprachen Experten am Donnerstag über das Problem.
Fast 500 Fußballvereine mit mehr als 2.000 Mannschaften gibt es allein im Mecklenburg-Vorpommern. Ronny Blaschke erzählt von seinen Recherchen in Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Er sagt, Rechtsextremismus ist im Amateurfußball kein Randphänomen. Bei seinen Beispielen geht es nicht allein um sichtbare Gewalt, sondern um Neonazis, die als Sponsoren, Funktionäre oder Schiedsrichter auftreten - in der Hoffnung, irgendwann über ihre Ideologie sprechen zu können.
"Es ist in Bundesländern wie Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen gefühlt die Normalität, weil die NPD im Landtag sitzt. Deswegen hat die NPD eine ganz andere Öffentlichkeit", sagt Blaschke. So komme es, dass Rassismus, Antisemitismus und vor allem Menschenfeindlichkeit bei manchen Leuten zum guten Ton gehörten. Plakate mit menschenfeindlichen Äußerungen, die während eines Spiels plötzlich von Zuschauern ausgerollt werden, seien die sichtbaren Phänomene. Oder ein Engagement für Sportstätten, die geschlossen werden sollen. Rechtsextremisten gerierten sich bei solchen Anlässen oft als "Kümmerer". "Fußball per se zieht Rechtsextreme nicht an, aber er macht ihnen den Zugang sehr leicht. Denn es gibt hohe Überschneidungen zwischen der Fußballszene und der rechtsextremen Szene", meint Blaschke.
Seit 2006 arbeitet der Landesfußballverband deshalb mit dem Landesrat für Kriminalitätsvorbeugung zusammen. Verbands-Geschäftsführer Sebastian Dankert sieht diese Präventionsarbeit auf einem guten Weg. Für den Verband war es im Amateurfußball neu, dass Zuschauer das Zusammentreffen zweier Vereine als Anlass für eine Schlägerei nehmen. Vereine, beispielsweise aus Schwerin, Bützow oder Anklam, die ihr Problem mit Gewalt und Rechtsextremismus erkannt und sich an den Verband gewandt haben, wurden unterstützt.
"Wir haben Schulungen durchgeführt mit den Vereinen, mit den Vereinsvorständen. Wir sind in die Gewaltpräventionsthemen eingestiegen in der Trainer- und Schiedsrichterausbildung", sagt Dankert. Seit 2011 würden zudem speziell für Ordner Schulungen angeboten, um ihnen Wege aufzuzeigen, wie sie mit dem Gewaltpotenzial umgehen können.
Armin Schlender vom Landesrat für Kriminalitätsvorbeugung geht davon aus, dass das Rechtsextremismus-Problem in den Vereinen zurückgegangen ist. "Die Gewaltvorfälle am Rande von Amateurfußballspielen im Land sind insgesamt deutlich zurückgegangen. Aber das kann uns nicht dazu veranlassen, mit unserer Arbeit in den nächsten Jahren nachzulassen", so Schlender.
Auch für Ronny Blaschke ist der Rückgang von Gewalttaten kein Anlass zur Entwarnung: Neonazis würden eben auch in den Fußballvereinen nicht mehr so plump wie früher agieren. Es sei schwieriger geworden, sie zu erkennen. "Dass ein Problem verschwindet oder kleiner wird, sollte man nie sagen. Wir wissen, dass der Rechtsextremismus nicht mehr so sicht- und hörbar ist wie früher. Also kann man auch nicht beurteilen, ob das Problem verschwunden ist", sagt Blaschke. Rechtsextreme würden mittlerweile subtiler und mehr im Verborgenen agieren und dabei Codierungen anderer Kleidungsmarken nutzen. Aber sie hätten nach wie vor Strategien, um in eine Szene hineinzuwirken.