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Blick von einer Autobahnbrücke auf den fließenden Verkehr © picture-alliance/ dpa / Ronald Wittek Fotograf: Ronald Wittek
 

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Riss auf Hiddensee: Kontrolle ja - Panik nein

Ein Riss zieht sich durch einen Waldweg © Nationalparkamt Vorpommern Fotograf: Nationalparkamt Vorpommern Detailansicht des Bildes Das Hochufer von Hiddensee ist in Bewegung: Die Risse wachsen immer weiter. Nach einer Inspektion des Risses an der Steilküste Hiddensees haben Geologen zu Gelassenheit gemahnt. Die rund zwei Kilometer lange Verwerfung im Erdreich im Norden der Ostseeinsel müsse weiter beobachtet werden, sagte der Leiter des Geologischen Dienstes, Ralf-Otto Niedermeyer. Es gebe aber keinen Grund für Panikmache.

Schwächezone am Klausner

Die Klausner-Treppe auf Hiddensee. © NDR Fotograf: Stefan Kreibohm Detailansicht des Bildes Diese Treppe in der Nähe eines Ausfluglokals ist mittlerweile weiter abgesackt. Laut den Experten sei mit weiteren Absenkungen in den nächsten Wochen und Monaten zu rechnen. Besonders in der Nähe der Ferienhäuser am Klausner sei eine Schwächezone oberhalb der Abbruchkante zu erkennen, die unbedingt beobachtet werden sollte, schreiben die Geologen Karsten Schütze und Karsten Obst.

Die Geologen des Landesamtes für Umwelt, Natur und Geologie waren am Dienstag auf der Insel, um die Risse und Spalten in Augenschein zu nehmen. Nach Angaben des Mitarbeiters der Nationalparkverwaltung, Frank Martitz, vom Mittwoch haben sich die Veränderungen in dem betroffenen Steilküstenkliff deutlich verlangsamt. Noch am Wochenende und Montag seien tägliche Veränderungen im Millimeterbereich erkennbar gewesen. "Diese Entwicklung haben wir momentan nicht mehr."

Risse bis zu einen Meter tief

Die Gemeinde Hiddensee hatte vor zwölf Tagen in Abstimmung mit der Nationalparkverwaltung den betroffenen Steilküstenabschnitt sperren lassen. Die Risse sind teilweise bis zu einem Meter tief. Für die Veränderungen machen die Geologen die Niederschläge und das Hochwasser verantwortlich. Nach dem Hochwasser Anfang Januar mit Pegelständen von 1,30 Meter über Normal sei es zu einer Unterschneidung des Kliffs und zu Absenkungen entlang der Klausner-Verwerfung gekommen, schreiben sie in ihrer Einschätzung.

"Natur bedeutet Gefahr"

Trotz der inzwischen verlangsamten Veränderungen mahnten das Landesamt und die Nationalparkverwaltung zur Vorsicht. Gerade mit dem Frostwetter könne es zu Absprengungen am Steilküstenkliff kommen. "Niemand kann sagen, wann und ob es zu einem Steilküstenabbruch kommt", sagte Martitz. Die Absperrungen sollen zunächst aufrechterhalten werden. "Natur bedeutet immer Gefahr."

Schon einmal riss das Kliff auf

"Was wir jetzt erleben, ist die Fortsetzung der Leuchtturm-Verwerfung zu Beginn des 20. Jahrhunderts", sagte Niedermeyer. Seinerzeit klagten die Wärter des 1888 eröffneten Leuchtturms urplötzlich über Zugluft. Daraufhin wurden Risse im Mauerwerk entdeckt. Und die Insulaner meinten damals zu beobachten, wie sich wie von Geisterhand eine Insel aus dem Meer erhob. Tatsächlich handelte es sich dabei offenbar um eine Ausquetschung von Tonschichten aus dem Kliff.

Dennoch waren die Menschen - damals wie heute - beunruhigt. Im Auftrag der Landesregierung verfasste der Geologe Johannes Elbert 1906 ein Gutachten "Über die Standfestigkeit des Leuchtturms auf Hiddensee". Elbert führte Bohrungen an der Stelle durch, wo er die geologische Störung vermutete und rammte hölzerne Messpfähle in den Boden. Bereits sechs Jahre später zeigten die Messungen einen Unterschied von einem Meter.

Droht ein gewaltiger Abbruch?

Blick auf den Leuchtturm von Hiddensee © dpa/lmv Fotograf: Stefan Sauer dpa/lmv Detailansicht des Bildes Bereits vor über 100 Jahren taten sich Risse im Mauerwerk des Leuchtturms auf. Wie lange die aktuellen Verwerfungen noch andauern und was sie letzlich zu bedeuten haben, vermag auch Geologieprofessor Niedermeyer nicht zu sagen: "Es kann sein, dass die Risse einen gigantischen Abbruch ankündigen, es kann aber auch sein, dass in den nächsten Jahren gar nichts passiert." Schließlich handle es sich um Summationseffekte, die sich an geologischen Schwächezonen über längere Zeiträume - über Jahre und Jahrzehnte - aufbauen würden.

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An der Steilküste der Ostseehalbinsel Fischland-Darß zwischen Wustrow und Ahrenshoop ist ein Mann unterwegs. © dpa Fotograf: Bernd Wüstneck
 
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An zahlreichen Steilküstenabschnitte im Nordosten besteht die Gefahr von Abbrüchen.

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Chronologie
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Ein Schild warnt vor der Gefahr von Küstenabbrüchen. © dpa Fotograf: Stefan Sauer
 

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