Alle Infos zum Hochwasser an der Elbe
Die Flutwelle der Elbe hat ihren Höhepunkt überschritten. Aber die Lage bleibt angespannt. mehr
Der Hochwasserpegel aus den Jahren 2006 und 2011 sind im aktuellen Hochwasser der Elbe zu sehen. Die Hochwassersituation an der Elbe bleibt weiter angespannt.
Nur langsam sinken die Pegelstände der Elbe in Mecklenburg-Vorpommern. Auch wenn die Wasserstände in den nächsten Stunden unter den Richtwert für Katastrophenalarm von 6,50 Meter sinken, wird der die Alarmstufe erst einmal bestehen bleiben. Bis voraussichtlich Montag sei die Region noch Sperrgebiet, hieß es vom Krisenstab. In Boizenburg sank der Pegel bis zum Nachmittag auf 6,70 Meter, in Dömitz liegt er bei 6,52 Meter. Am Freitagabend hatten die Pegel noch 6,66 Meter in Dömitz und 6,89 Meter in Boizenburg angezeigt. Ausgelegt sind die Deiche für 6,80 Meter. Normalerweise ist die Elbe in beiden Städten um die zwei Meter tief.
Dort rechnen die Verantwortlichen am Wochenende vermehrt mit sogenannten Deichtouristen. Eine Gefahr bleiben die durchweichten Deiche, deshalb sei das Betreten der Wälle verboten. Zu groß die Gefahr, dass die Dämme brechen. Schaulustigen müssten deshalb mit Anzeigen und Bußgeldern rechnen. Die Situation sei nach wie vor angespannt, sagte der Sprecher des Landkreises Ludwigslust-Parchim, Andreas Bonin. Die durch den anhaltenden Wasserdruck aufgeweichten Deiche an der Elbe und den Eldezuflüssen seien sehr anfällig und würden intensiv rund um die Uhr kontrolliert. Durch den lange anhalten hohen Wasserstand und Regenfälle sind die Deiche stark durchnässt. Es gebe Sickerstellen, wo Wasser durch den Deich drücke. Diese würden mit Folie und Sandsäcken abgedichtet, berichtete Bonin. Zudem werde vermehrt Treibgut aus der Elbe geborgen, um eine wasserseitige Beschädigung der Deiche zu verhindern.
Langsam kehrt der Alltag in Dömitz ein, die ersten Sandsäcke werden wieder abtransportiert.
Dennoch wird in der Region mit ersten Aufräumarbeiten begonnen. Bundeswehr und THW ziehen bereits Kräfte ab. Derzeit seien noch 350 Soldatinnen und Soldaten an den durchweichten Deichen im Einsatz. Gut 700 weitere stünden noch in Bereitschaft, sagte ein Sprecher. In Dömitz hat der erste von vier Supermärkten wieder geöffnet. Erste Sandsäcke liegen dort schon auf Paletten zum Abtransport bereit. Ein vor der Flut geräumtes Altersheim in Dömitz konnte wieder in Betrieb genommen werden.
Viele Unternehmer in der Region warten auf ein Ende des Katastrophenalarms, weil sie Aufträge derzeit nicht erledigen können. Voraussichtlich am Dienstag könnten die Schulen wieder öffnen und die Schulbusse wieder normal verkehren. Viele Einrichtungen in der Region sind geschlossen, weil sie hochwassergefährdet sind oder weil dort Notunterkünfte eingerichtet wurden. Die Busse werden für den Transport von Einsatzkräften benötigt oder stehen für den Evakuierungsfall bereit.
Auf den Deichen lastet derweil weiterhin großer Druck. Fast überall sickert Wasser durch. An mehr als 20 Stellen gibt es sogenanntes schmutziges Wasser. Der Deich ist an diesen Stellen nicht mehr stabil und muss mit Sandsäcken verstärkt werden. Der Starkregen in der Nacht zu Freitag hinterließ aber keine weiteren Schäden an den Deichen.
Die Pegelstände sinken, der Kampf an den Deichen geht weiter. Innenminister Caffier spricht weiter von einer angespannten Situation. Nach wie vor herrscht Katastrophenalarm.
Aus Sorge um die Deiche sind die streng geschützten Biber um Dömitz und Boizenburg zum Abschuss freigegeben worden. Die untere Jagdbehörde und die untere Naturschutzbehörde haben am Freitag zwei Ausnahmegenehmigungen im Hochwassergebiet erteilt. Die Genehmigungen gälten solange, bis das Hochwasser gewichen sei. Die Jäger dürften die Biber aber nur dann schießen, wenn eindeutig sei, dass die Tiere einen Deich gefährden. In der Region um Dömitz und Boizenburg leben nach Zählungen des Amtes für das Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe etwa 30 Biberfamilien. Sie haben ihre Burgen normalerweise direkt am Fluss, weil sie einen Zugang unterhalb der Wasserlinie benötigen, wie Dezernatsleiterin Anke Hollerbach von dem Amt erklärte. "Aufgrund des Hochwassers mussten sie ihre Burgen aufgeben und suchen nun neue Plätze." Dabei gerieten auch die Deiche in ihr Blickfeld. An den Deichen des Nebenflusses Sude hätten Biber bereits an mehreren Stellen gegraben. Hollerbach hält die Abschussgenehmigungen dennoch für überflüssig. Der Platz eines geschossenen Bibers würde mit Sicherheit schnell von einem anderen eingenommen, sagte sie.
Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) besuchte am Freitag erneut das Hochwassergebiet, um sich ein Bild von der Lage zu machen. "Erfreulicherweise sinken die Pegelstände", sagte er nach dem Besuch in und bei Dömitz. Die Deiche seien aber sehr aufgeweicht. "Deshalb haben wir noch einige schwierige Tage vor uns." Den Helfern sei anzumerken, dass die letzten Tage für alle mit großen Anstrengungen verbunden waren. Es werde aber weiterhin sehr engagierte Arbeit geleistet. "Dafür bin ich sehr dankbar", sagte der Regierungschef.
Das Technische Hilfswerk testete am Donnerstag erstmals einen Sandsack-Ersatz. Der gewaltige Schlauch aus Planen wurde mit Wasser gefüllt und dichtete so Sickerstellen ab. Ein Schlauch kann bis zu 1.200 Sandsäcke ersetzen. Insgesamt haben die Einsatzkräfte bereits rund 1,2 Millionen Sandsäcke verbaut, um die Dämme zu erhöhen und zu verstärken, Mehrere hunderttausend lägen noch bereit, sagte der Sprecher des Landkreises Ludwigslust-Parchim, Andreas Bonin, am Donnerstag. Sie werden zur Abdichtung der zahllosen Sickerstellen benötigt.
Die Schäden der Flut werden nach Einschätzung von Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) im Nordosten höher ausfallen als beim Hochwasser von 2002. Damals mussten die Deiche und andere Hochwasserschutzanlagen für 1,6 Millionen Euro repariert werden. Bei den Landwirten hätten die Behörden damals Schäden in Höhe von neun Millionen Euro festgestellt. Beim aktuellen Hochwasser wurden die Pegelstände von 2002 um 60 bis 90 Zentimeter überschritten.
Beim Trinkwasser müssen sich die vom Elbehochwasser betroffenen Mecklenburger bislang keine Sorgen über eine mögliche Verschmutzung machen. "Die Brunnen arbeiten ohne Probleme, bisher ist kein einziger überflutet worden", sagte der Sprecher des Landkreises, Andreas Bonin, am Freitag. Niemand müsse sein Trinkwasser abkochen. Die Wasserwerke führten regelmäßig Qualitätskontrollen durch. Das Landesgesundheitsamt in Rostock hat unterdessen Hinweise an die Bevölkerung zum richtigen Verhalten auf überfluteten Feldern und Gartenflächen herausgegeben.
Die Ministerpräsidenten der Länder und mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatten sich am Donnerstag auf einen Fluthilfe-Fonds wird ein Volumen von voraussichtlich acht Milliarden Euro verständigt. Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) kündigte an, dass sich Mecklenburg-Vorpommern an dem Hilfspaket beteiligen werde.
Der Pröpstekonvent im Kirchenkreis Mecklenburg und das Diakonische Werk riefen unterdessen die Gemeinden zu Spenden für die Flutopfer in Mitteleuropa auf. "Wir sehen das große Ausmaß der Überschwemmungen und die zerstörerischen Folgen. Viele Menschen verlieren Hab und Gut und stehen innerhalb kürzester Zeit schon wieder vor einem Neuanfang", sagte Dirk Sauermann, Propst im Kirchenkreis Mecklenburg.
Das Hochwasser bringt auch den Bauern Probleme. In den Gebieten nahe der Elbe steht auf vielen Ackerflächen Wasser. Wie der Geschäftsführer des Bauernverbandes Ludwigslust, Harald Elgeti, erklärte, drückt die Elbe Grundwasser an die Oberfläche, das jetzt auf den Feldern steht. Das Ausmaß sei noch nicht abzusehen. Möglicherweise seien zur Ernte einige Flächen noch gar nicht befahrbar. Bei Roggen und Weizen leide die Qualität der Körner unter der Nässe. Bei Gerste würden bei Nässe die Ähren abfallen oder die Körner trieben am Halm neu aus. Das Getreide sei dann Sondermüll, sagte Elgeti.
Das Elbehochwasser bedroht in Mecklenburg-Vorpommern rund 14.000 Menschen. Gut 10.000 leben in Boizenburg, weitere 3.200 einige Kilometer flussaufwärts in Dömitz. Rund 1.000 Menschen leben in den Dörfern entlang der Zuflüsse Elde (bei Dömitz) und Sude (bei Boizenburg), die von hereindrückendem Elbewasser und einem Rückstau der Zuflüsse ebenfalls stark gefährdet sind. Der Elbabschnitt Mecklenburg-Vorpommerns ist 21 Kilometer lang. Die Gesamtlänge der Deiche an der Elbe und ihren Zuflüssen beträgt allerdings 155 Kilometer.
Als Boizenburger sollte man spätestens seit 2002 für den Fall der Fälle selbst mit Sandsäcken vorgesorgt haben. Man geht ja auch nicht erst den Feuerlöscher kaufen wenn das Haus brennt. Die... [mehr]
Aha
Sandsäcke gehören an den Deich und nicht an die Haustür. Das Wasser hat leider die Eigenschaft, dass das Wasser auch durch das Mauerwerk zieht. Was meinen Sie was mit Ihnen geschieht, wenn sie als... [mehr]
Sandsack
Hochwasser aber was bitte schön möchten Sie denn mit Sandsäcke an Ihrem Haus ausrichten, wenn der Deich bricht und das Elbwasser schießt aufs Haus ??? Richtige Hilfe bedeudet Fenter und Türen... [mehr]
Schutz des Privateigentum nötig !
Denken Sie auch eigentlich nach wenn Sie schreiben. Die Deiche sind nicht für Flut-Höhen dieser Ausprägung ausgelegt. Und da ist der Schutz des eigenen Eigentums völlig legitim. Als letzte... [mehr]
Sandsäcke
Es ist meines Wissens nach überall so, dass Sandsäcke nicht für Privatleute vorgehalten werden (können!!!)! Ich weiß, dass es in Hohnstorf auch so ist. Was bringen 50 Sandsäcke auf einem... [mehr]