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Soll die Laudatio halten: Jürgen Rogge. (Archivbild)
Jürgen Rogge soll die Laudatio auf den Preisträger 2013 des Gillhoff-Preises für Verdienste um die norddeutsche Kultur halten. Der gleiche Jürgen Rogge, der im vergangenen Jahr auf die Auszeichnung verzichtet hatte. Er reagierte damit auf Diskussionen über seine Vergangenheit im DDR-Strafvollzug und seine Tätigkeit als Stasi-IM. Rogges Verzicht auf den Preis, so haben es zum Beispiel ehemalige Preisträger gesehen, wendete seinerzeit Schaden ab von der Gillhoff-Gesellschaft. In diesem Jahr aber hat der Vorstand der Gillhoff-Gesellschaft Rogge um die Lobrede gebeten - und der Schaden ist wieder da.
Die Stadt Ludwigslust will unter diesen Umständen keinen offiziellen Vertreter zur Feierstunde schicken. Der parteilose Bürgermeister Reinhard Mach sagte im Gespräch mit NDR 1 Radio MV, er sei der festen Überzeugung, dass die Entscheidung für Rogge als Lobredner falsch ist. Und weiter: "Das tut dem Gedenken an den Schriftsteller Johannes Gillhoff nicht gut und auch nicht der Gillhoff-Gesellschaft". Mach ist derzeit im Urlaub, hat aber mit seiner Stellvertreterin Petra Billerbeck verabredet, dass sie nicht zur Ehrung fährt, falls Rogge die Laudatio halten sollte.
Für den Landrat von Ludwigslust-Parchim Rolf Christiansen ist die Auswahl des Laudators unglücklich und unsensibel. Und auch ehemalige Gillhoff-Preisträger haben sich zu Wort gemeldet: Der Autor Manfred Brümmer meint, ein Auftritt Rogges am Wochenende in Glaisin sei instinktlos. Nicht Gillhoff und sein Werk stünden dann im Mittelpunkt, sondern Rogges Stasi-Vergangenheit. Und der Schriftsteller Ulrich Schacht sagte NDR 1 Radio MV: "Der Vorstand der Gillhoff-Gesellschaft ist nicht in der Lage, die politische und moralische Brisanz seiner Entscheidung zu verstehen. Die Gesellschaft ist dabei, ihren Ruf irreparabel zu beschädigen."
Deren Vorsitzender Hartmut Brun war nicht zu erreichen. Doch bereits im März hatte er gesagt: "Für uns bleibt Dr. Jürgen Rogge der Gillhoff-Preisträger 2012." Deshalb wohl auch die Entscheidung für ihn als Laudator 2013, denn die Lobrede hält traditionell der Vorjahres-Preisträger. Es sieht fast so aus, als wolle die Gesellschaft Rogges Verzicht auf die Auszeichnung vergessen machen. Und darüber gerät auch der diesjährige Preisträger fast in Vergessenheit: der Niederdeutsch-Autor Dietrich Sabban aus Ludwigslust. Die öffentliche Diskussion dreht sich um seinen Laudator und wieder einmal nicht um den Preis oder den Preisträger. Und deshalb steht zu befürchten, dass die Gillhoff-Gesellschaft nun endgültig Schaden genommen hat.
Der Preis soll an einen großen Schriftsteller erinnern: Johannes Gillhoff aus Glaisin in der Griesen Gegend. Der Mecklenburger war auch international erfolgreich mit seinem Briefroman "Jürnjakob Swehn, der Amerikafahrer". Ein bedeutender Namensgeber also für einen Preis, der zwar nicht dotiert ist aber ehrenvoll. Das zeigt der Blick auf die Liste der vielen prominenten Preisträger: der Schriftsteller Walter Kempowski gehört dazu, der Schauspieler Fritz Hollenbeck, der Literaturwissenschaftler Jürgen Grambow, die Lyrikerin Ursula Kurz oder die Museologin Cornelia Nenz. Seit 1980 wird die Auszeichnung verliehen für Verdienste um die norddeutsche Kultur.
An diesem Wochenende soll Dietrich Sabban geehrt werden. Sein Vorgänger Ulrich Schacht sieht ihn und alle anderen Gillhoff-Preisträger im Schatten einer unglücklichen Entscheidung, sollte Jürgen Rogge die Lobrede halten.
Das kann kein Zufall sein
Sich zwei Mal direkt hintereinander dermaßen zu "vergreifen", ist ein Zeichen von Dummheit oder Starrsinn in fortgechrittenem Stadium. [mehr]