Verkehrsmeldungen aus Mecklenburg-Vorpommern
Staus, Baustellen, Gefahrenhinweise - die aktuelle Verkehrslage mehr
Der Widerstand wächst und wird offenbar heftiger: Protest gegen das Gentechnik-Gesetz von dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe.
Angst ist ihre Gemeinsamkeit, ansonsten könnten die Positionen unterschiedlicher nicht sein: Gentechnik-Firmen fürchten nach mehreren Anschlägen auf ihre Versuchsfelder um ihre Existenz. Gentechnik-Gegner verteidigen den harten Einsatz mit den unkalkulierbaren Risiken für Mensch und Umwelt durch den Einsatz gentechnisch veränderter Pflanzen.
Fakt ist: Gentechnik-Gegner greifen vermehrt zu physischer Gewalt. Am Wochenende waren gleich zwei Felder der biovativ GmbH Ziel von Gentechnik-Gegnern. In der Nacht zu Sonnabend waren in Groß Lüsewitz bei Rostock ein Wachmann angegriffen und zwei Forschungsfelder zerstört worden, auf denen gentechnisch veränderter Weizen und Kartoffeln angebaut wurden. In der Nacht zu Montag griffen Unbekannte eine weitere Anlage der Firma in Sachsen-Anhalt an. Die Täter gingen dabei besonders brutal vor. Vermummt und mit Pfefferspray und Schlagstöcken bewaffnet verschafften sie sich Zutritt zu dem Gelände, hielten Wachleute auf dem Feld fest und zerstörten zielgerichtet zwei Versuche. Der Schaden wird alleine in Groß Lüsewitz auf 250.000 Euro geschätzt.
Am Montag trafen sich Befürworter und Gegner der grünen Gentechnik in Groß Lüsewitz. Auf einer Pressekonferenz forderte die Geschäftsführerin der biovativ GmbH, Kerstin Schmidt, vom Bund ein klares Bekenntnis zur grünen Gentechnik. Ansonsten sehe sie keine Grundlage mehr für ihre Arbeit. Befürworter loben die grüne Gentechnik als Lösung der weltweiten Nahrungsmittelknappheit und Heilmittel für Hungersnöte. Schmidt ist auch von der Justiz enttäuscht, denn es habe bereits Gerichtsverfahren gegen Verdächtige gegeben, aber nie ein Urteil. Gleichzeitig hielten die Grünen eine friedliche Mahnwache gegen die Versuche in Groß Lüsewitz ab.
Die Sprecherin der Grünen-Landesarbeitsgemeinschaft Landwirtschaft und Naturschutz, Claudia Schulz, distanzierte sich von der gewalttätigen Zerstörung. Sie könne die Handlungen zwar nachvollziehen, da es in Deutschland keine Möglichkeiten gebe, Gentechnikversuche zu verhindern. Zerstörungen seien jedoch nie hilfreich, sondern immer kontraproduktiv. Nach Ansicht der Grünen sind die Folgen der Gentechnik nicht absehbar und werden von der Bevölkerung mehrheitlich abgelehnt. Die Forscherin Inge Boer von der Universität Rostock sprach sich in einem Interview für die pflanzliche Gentechnik aus - unter anderem wegen der steigenden Weltbevölkerung und dem größeren Bedarf an Nahrungsmitteln.
Währenddessen sucht die Rostocker Polizei weiter nach den Tätern vom Wochenende. Vermutlich sechs Personen waren auf das eingezäunte Gelände des Versuchsfeldes eingedrungen. Sie hielten einen Wachmann fest, zerstörten Felder und rissen Pflanzen heraus. Auch die Reifen des Autos eines Wachmanns waren zerstochen worden. Der festgehaltene Mann steht nach Firmenangaben noch immer unter Schock. Das verwüstete Kartoffelfeld ist nicht mehr zu retten, ob der niedergetrampelte Weizen noch brauchbar ist, müssen die nächsten zwei Wochen zeigen.
Ihre Meinung zum Streit um die Gentechnik
Auch die Rostocker Kollegin Inge Broer konnte in den Diskussionen des Wissenschaftlichen Beirats beim Umweltministerium nicht bestreiten, daß eine [...] Kontamination normaler Pflanzen [...] unvermeidbar [...] ist. Gentechnik erweist (sich) als eine nicht beherrschbare Technologie. Insofern haben die Groß Lüsewitzer (formal!) illegalen Aktivisten nachgeholt, was eigentlich schon Politiker aufgrund ihres Amtseids allein durch Sperrung der Mittel hätten tun müssen. mehr