Verkehrsmeldungen aus Mecklenburg-Vorpommern
Staus, Baustellen, Gefahrenhinweise - die aktuelle Verkehrslage mehr
August 2002: die Wassermassen der Elbe erreichen Dömitz. (Archivbild)
Was kommt da auf uns zu? Das fragten sich vor zehn Jahren die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern, die im Einzugsgebiet der Elbe wohnten. Nach tagelangen Regenfällen und schweren Unwettern hatte die Flut in Sachsen bereits katastrophale Folgen ausgelöst, halb Dresden stand unter Wasser. Den Mecklenburgern war klar: In ein paar Tagen wird uns der Scheitel der Flutwelle erreichen. Rolf Christiansen hatte in jenen Augusttagen schlaflose Nächte.
"Wir waren gut beraten, dass wir die Alarmstufe 4 schon rechtzeitig vor der Flut ausgelöst hatten. Dadurch war die Bundeswehr sofort mit an Bord", sagt der Landrat des Landkreises Ludwigslust mit den Elbestädten Dömitz und Boizenburg rückblickend. Die Soldaten sieht er noch vor sich, Sandsäcke schippend und daneben die Freiwilligen. Christiansen erinnert sich an "viele hilfsbereite Menschen, die sich Wasser entgegen stemmen. Herrliches Sommerwetter, eigentlich ideal zum ausspannen, und dann muss man in hoher Anspannung sich der Gefahr stellen."
Die Wasser-und Schifffahrtsverwaltung Magdeburg hatte ihr Modell für die Flutberechnung zu den Akten legen müssen. Mit derartigen Ausgangsdaten funktionierte es nicht. Die Ansage für die Fachleute und Deichschützer lautete: Euer Wasserstand wird einen halben Meter höher als das eisfreie Bemessungshochwasser von 1983. Das trieb selbst den nüchternen Ingenieuren aus dem Staatlichen Amt für Umwelt und Natur (STAUN) den Schweiß auf die Stirn. "Da wussten wir eben, dass wir zwar seit 1992 erhebliche Deichsanierungsarbeiten durchgeführt haben, aber dass das bestehende Hochwasserschutzsystem diesem Ereignis nicht standhalten kann", erinnert sich Michael Brüdigam vom STAUN Schwerin.
Landrat Rolf Christiansen (hier mit Ministerpräsident Erwin Sellering bei einer Deichinspektion 2011) erinnert sich noch an schlaflose Nächte im August 2012. (Archivbild)
Seine Kollegen wussten, dass 30 Kilometer Deiche erhöht werden mussten. Der Boizenburger Hafen war Baustelle. Dort mussten Wälle gebaut werden, um die Stadt zu schützen. "Haben wir früher bei solchen Hochwasserereignissen Zehntausende Sandsäcke gefüllt, waren es diesmal 2,4 Millionen. Diese sind von der NATO nach Parchim geflogen worden - aus Spanien und sonstwoher. Das musste alles organisiert werden. Und das hat dann natürlich auch das Innenministerium gemacht."
Und fast alle Einwohner halfen mit beim Befüllen - auch eine Frau aus Klein Schmölen bei Dömitz, die um die Gefahren wusste: "Wenn ein Deich gebrochen wäre, bei uns oder in Brandenburg, wären wir überflutet gewesen", erinnert sie sich. Klein Schmölen gehörte zu jenen Orten, aus denen Menschen in Sicherheit gebracht wurden - beispielsweise in eine Schule in Eldena. Organisieren, Absprechen - für Landrat Christiansen gehört das zum Wichtigsten. Mit wenigen Ausnahmen klappte das. Weil im Oberlauf der Stroms Deiche brachen und weil Brandenburg die Havelpolder fluten ließ, stieg das Wasser auch weniger hoch. Die Deiche hielten, als die Scheitelwelle am 21. August Dömitz und am 23. Boizenburg erreichte.
50 Millionen Euro investierte das Land Mecklenburg-Vorpommern seitdem in den Hochwasserschutz an der Elbe. Die Deiche hielten in der Folgezeit sogar höheren Wasserständen als 2002 stand. Aber es muss weiter investiert werden, weil extreme Wetterereignisse die Gefahr erhöhen. Die Elbe braucht viel mehr Raum, sagen Umweltverbände. Aber wir müssen auch das Wissen der ortskundigen Fachleute bewahren, sagt der Landrat. Die Experten gingen in naher Zukunft reihenweise in Rente. Jene, die die Folgen seinerzeit am eigenen Leib hautnah miterlebten - wie etwa die Frau aus Klein Schmölen - sprechen aus, was viele denken: "Kommen kann das immer noch. So ein bisschen ist das immer im Hinterkopf."