Deutscher Lernatlas 2011
Im Internet sind Details der Studie einzusehen.
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Die Bertelsmann-Stiftung hat die Bildungssysteme in allen 412 Kreisen und kreisfreien Städten in Deutschland untersuchen lassen.
Norddeutschland schneidet bei einer bundesweiten Bildungsstudie wieder einmal schlecht ab: Der "Deutsche Lernatlas 2011" der Bertelsmann Stiftung vergibt mäßige bis schlechte Noten an den Norden. Schleswig-Holstein landet bundesweit auf dem achten Platz, Niedersachsen auf dem neunten, Hamburg auf dem elften. Mecklenburg-Vorpommern muss sich aus Sicht der Gutachter mit dem 15. Platz begnügen, Bremen ist 16. und somit Letzter. Die ersten beiden Plätze im "Lernatlas" belegen Bayern und Baden-Württemberg. Auch die beste Einzelkommune liegt in Bayern - die schlechteste nach den Ergebnissen der Studie in Mecklenburg-Vorpommern.
Der "Lernatlas" bewertet nicht nur die Leistungen von Schulen und Unis - es gehe um "lebenslanges Lernen", sagen die Macher und nehmen unter anderem Kategorien wie "soziales Engagement" in den Kriterien-Katalog auf.
1.: Bayern 58,81 Pkt.
2.: Baden-Württemberg 56,66 Pkt.
3.: Sachsen 49,43 Pkt.
4.: Rheinland-Pfalz 48,99 Pkt.
5.: Hessen 48,52 Pkt.
6.: Saarland 46,91 Pkt.
7.: Thüringen 45,54 Pkt.
8.: Schleswig-Holstein 43,97 Pkt.
9.: Niedersachsen 42,95 Pkt.
10.: Nordrhein-Westfalen 39,55 Pkt.
11.: Hamburg 37,57 Pkt.
12.: Sachsen-Anhalt 35,13 Pkt.
13.: Berlin 34,79 Pkt.
14.: Brandenburg 33,92 Pkt.
15.: Mecklenburg-Vorpommern 31,65 Pkt.
16.: Bremen 29,72 Pkt.
Schleswig-Holstein schneidet mit 43,97 Punkten (Gesamtsieger Bayern: 58,81) im Norden am besten ab. Das Land kann sich immerhin mit einem Titel schmücken: Bundesweit wurden dort die meisten Berufsausbildungen erfolgreich abgeschlossen. Niedersachsen (42,95 Punkte) trumpfe im Bereich des "Sozialen Lernens" auf, so die Autoren der Studie. Besonders tue sich in diesem Themenfeld die Region Lüneburg hervor. Als "Soziales Lernen" wertet die Studie etwa die Bereitschaft zur politischen Teilhabe und zum sozialen Engagement. Hamburg (37,57 Punkte) punktet vor allem beim "Beruflichen" und "Persönlichen Lernen" und weist über alle Kategorien hinweg das ausgeglichenste Ergebnis auf, wie die Studie aufzeigt. Wie alle Stadtstaaten zeige Hamburg aber beim "Schulischen Lernen" Schwächen.
Unter "Beruflichem Lernen" verstehen die Autoren, wie sich Menschen für und in ihrem Job weiterbilden. Zum "Persönlichen Lernen" zählt beispielsweise die Teilnahme an Volkshochschulkursen, aber auch Sporttraining.
Mecklenburg-Vorpommern erreicht bei der erstmals erstellten Untersuchung nur 31,65 Punkte. Selbst in den besten Kommunen seien dort die Lernbedingungen ungünstiger als in den schlechtesten Kreisen in Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen, sagen die Gutachter. So sei die Zahl der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss nirgendwo so hoch wie in Mecklenburg-Vorpommern. Positiv: Bei Lesetests in der Grundschule schneidet der Nordosten besser ab als der Bundesdurchschnitt. Schwächen gibt es dagegen in Englisch, Mathematik und den Naturwissenschaften. In Mecklenburg-Vorpommern verfügen zwar überdurchschnittlich viele junge Menschen über einen höheren Schulabschluss, doch längst nicht alle fangen ein Hochschulstudium an. Das schlechteste Ergebnis der gesamten Studie erzielte übrigens die Stadt Wismar.
"Bei der Freiwilligen Feuerwehr kann man nicht nur etwas über Technik lernen."
In allen 412 Kreisen und kreisfreien Städten in Deutschland haben die Wissenschaftler untersucht, inwieweit eine Kommune über die Lernvoraussetzungen verfügt, um wirtschaftlich und sozial erfolgreich zu sein. Für den "Deutschen Lernatlas" wurden über 300 Kennzahlen aus unterschiedlichen Quellen überprüft. Ein Gesamtindex bildet ab, wie gut die Entwicklungschancen der Bürger in den verschiedenen Lebensbereichen, Lernformen und Lernorten sind. Die Studie unterscheidet sich nach Angaben der Bertelsmann-Stiftung von ähnlichen Vergleichen, weil sie nicht nur das Lernen in Schulen, Universitäten und Betrieben betrachte, sondern auch das persönliche und soziale Engagement der Bürger, etwa in Vereinen. "Wir lernen nicht nur in der Schule und am Arbeitsplatz, sondern auch im Chor, im Verein, in der Familie und in unserer Nachbarschaft", sagte Programmleiter Frank Frick. Bei der Freiwilligen Feuerwehr etwa könne man nicht nur "eine ganze Menge über Technik lernen", sondern auch, wie Gruppen organisiert würden.
Unter die Lupe nahmen die Gutachter zudem die Quote der Parteimitglieder, die Zahl der Einrichtungen für die Jugendarbeit und sogar die Bereitschaft der Bevölkerung zu Knochenmark-Spenden. "Wir wollen den Lernbegriff, der sich bei 'Pisa' etwas auf Schule verengt hat, wieder weiten." Das "informelle" Lernen stelle nach Meinung vieler Bildungsforscher mehr als die Hälfte der gemachten Lern-Erfahrungen dar, sagte Frick. Dieser Ansatz sei auch der Grund dafür, dass ländliche Regionen vergleichsweise gut abgeschnitten hätten.