UN-Gipfel in Durban: Neue Hoffnung fürs Klima?
Eine NDR Info Serie zum UN-Klimagipfel in Durban. mehr
Die Menge des klimaschädlichen Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre hat nach UN-Angaben 2010 ein Rekordniveau erreicht.
Regen und Kälte im Juli, Sonne und Hitze im Oktober, extreme Trockenheit im November: Sind die Wetterkapriolen der vergangenen Monate schon Zeichen für den Klimawandel? Klar ist: Langfristige Prognosen werden schwieriger, Experten erwarten in der Zukunft extremere Wetterlagen. Der Klimawandel und seine Folgen sind ab dem 28. November auch Thema im südafrikanischen Durban beim UN-Klimagipfel. Etwa 15.000 Experten und Delegierte aus aller Welt werden zwei Wochen lang diskutieren. Sie müssen entscheidende Weichen stellen, denn die Verpflichtungen des bisher einzigen bindenden Klimaabkommens - des Kyoto-Protokolls - laufen 2012 aus. Und der globale Kohlendioxid-Ausstoß nimmt weiter zu. So viele Treibhausgase wie 2010 wurden noch nie in die Luft geblasen, wie aktuelle Studien zeigen.
Der Klimawandel ist ein globales Phänomen. Doch was bedeutet er konkret für Norddeutschland? Worauf müssen wir uns einstellen?
Durch den Anstieg des Meeresspiegels drohen den Küstenorten im Norden - wie hier in Dagebüll - mehr Sturmfluten.
Die meisten Forscher sind sich einig: Auch hier wird es wärmer. Weltweit sind die Temperaturen im vergangenen Jahrhundert etwa um 0,8 Grad Celsius gestiegen. "Wir erwarten, dass sich die Erwärmung beschleunigt. Die Szenarien lassen vermuten, dass schon in den nächsten 30 Jahren die Temperatur in Norddeutschland um ein weiteres Grad steigen kann", sagt Insa Meinke, Leiterin des Norddeutschen Klimabüros. Bis Ende des Jahrhunderts könne sich der Norden sogar um bis zu 4,7 Grad erwärmen.
Eine der Folgen: Der Meeresspiegel steigt. "Der Küstenschutz muss sich darauf einstellen", sagt Meinke. "In den nächsten 30 Jahren ist der Küstenschutz noch etwa so sicher wie heute. Bis Ende des Jahrhunderts kann allerdings Handlungsbedarf entstehen." Bis dahin erwartet der UN-Klimarat IPCC einen Meeresspiegel-Anstieg von bis zu 60 Zentimetern. In der Nordsee können zusätzlich stärker werdende Stürme die Sturmflutwasserstände um bis zu 1,10 Meter erhöhen.
Schon jetzt steht der Hamburger Fischmarkt immer wieder unter Wasser - die Sturmflutgefahr für Hamburg steigt in Zukunft an.
Auch in Hamburg müssen die Hochwasserschutzwände und Deiche möglicherweise erhöht werden. Bis 2030 wird von Experten ein Anstieg der jährlichen Höchstwasserstände am Pegel St. Pauli von etwa 20 Zentimetern erwartet, bis 2085 von mehr als 60 Zentimetern. Dennoch müssten die Hamburger nicht größere Angst vor Sturmfluten haben als heute, betont die Leiterin des Klimabüros. "Viele Menschen wissen nicht, dass sie schon heute zwei Mal am Tag nasse Füße kriegen würden. Wenn es keine Deiche und keinen Küstenschutz gäbe, käme das tägliche Tidehochwasser viel weiter in das Landesinnere als es heute der Fall ist", betont Meinke. "Sturmfluten waren schon immer gefährlich - dazu braucht es keinen Klimawandel. Einen hundertprozentigen Sturmflutschutz gibt es auch durch Deiche nicht."
Eine positive Folge des Klimawandels aus norddeutscher Sicht: Es wird mehr Sommertage mit über 25 Grad und deutlich weniger Frosttage geben. Das freut natürlich die Tourismusbranche - vor allem an der Nord- und Ostseeküste. Meinke bremst allerdings die Euphorie: "Wichtiger als die Wärme ist den Touristen oft der Sonnenschein. Hier können wir in den Szenarien keine klare Änderung erkennen."
Die Niederschläge im Norden sollen zukünftig in den Wintermonaten deutlich zunehmen. Bereits bis Mitte des Jahrhunderts kann es bis zu zehn Prozent mehr regnen. Bis 2100 kann der Winterniederschlag im Vergleich zu heute sogar um etwa 40 Prozent zunehmen. Im Sommer dagegen wird es Studien zufolge voraussichtlich in ähnlichem Umfang trockener.
Auch auf die Landwirtschaft wird der Klimawandel spürbare Auswirkungen haben. "Landwirte müssen sich auf längere Vegetationsperioden, ein leicht erhöhtes Spätfrostrisiko, stärkeren sommerlichen Bewässerungsbedarf und verstärkten Schädlingsbefall einstellen", erklärt Meinke.