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Der Norden bibbert - wie gefährlich ist Kälte?

Die Sonne scheint durch kleine Eiszapfen hindurch © NDR Fotograf: Andy Bünning aus Torgelow So idyllisch sich der Winter auch präsentiert - die klirrende Kälte bedeutet auch Gefahren für die Gesundheit.

Der Norden friert. Dauerfrost mit Temperaturen im zweistelligen Minusbereich. Doch so ungemütlich viele Frostbeulen das finden - für manche kann die Kälte sogar lebensgefährlich werden.

Schneeschippen erhöht Risiko für Herzinfarkt

So steigt bei anstrengenden Arbeiten in der Kälte das Risiko, dass das Herz schlapp macht. "Leider kommt es gar nicht so selten vor, dass Menschen beim Schneeschippen einen Herzinfark erleiden", berichtet Kardiologe Frank Mibach. Bei einer Untersuchung in den USA sei herausgekommen, dass auffällig viele Herzinfarkt-Patienten vor dem Anfall Schnee geschippt hätten. Das deckt sich mit den Erfahrungen aus der Praxis von Mibach in Itzehoe.

Kälte ist eine Belastung fürs Herz

Die Kälte regt den Kreislauf an, das Herz muss mehr arbeiten. "Das Problem ist dabei die Durchblutung der Herzkranzgefäße", erklärt Mibach. "Sind diese bereits verengt, wird die Versorgung schwierig." Der Kardiologe rät: Tritt ein Druck- oder Engegefühl auf, sollte man sofort mit dem Schneeschippen aufhören und ins Warme gehen. Verschwinden die Beschwerden wieder von selbst, sollte dennoch der Arzt darüber informiert werden. Halten die Schmerzen länger als zehn Minuten an, muss der Notarzt gerufen werden. Ein generelles Schneeschipp-Verbot würde Mibach nicht verhängen: "Ist das Herz gesund, dürfen Sie ruhig Schnee schippen!"

Der Kältestress wirkt sich aber nicht nur auf das Herz aus, sondern auch auf andere Gefäße. So können zum Beispiel Thrombosen bei Kälte besonders gefährlich werden.

Kalte Luft in den Lungen

Auch die Lunge kann unter Anstrengungen in der Kälte leiden. Beim Joggen wird sie durch die kalte Luft gereizt. "Bei Menschen, die eine Neigung zu Asthma haben, kann das eine Verkrampfung provozieren", erklärt Mediziner Johannes Neumann vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Konsequent durch die Nase zu Atmen hilft dabei, die Luft zu erwärmen, bevor sie die Bronchien erreicht. Sonst sei - warm angezogen - gegen Joggen auch bei Kälte nichts einzuwenden, führte Neumann aus.

Kälte als gutes Training für das Immunsystem

Wer es nicht übertreibt und sich vorsichtig bewegt, tut seinem Körper sogar etwas Gutes, wenn er sich bei Minusgraden hinaus wagt. Neumann betont, dass die Kälte ein gutes Gefäßtraining sein kann. Vor allem die Gefäße an Händen und Füßen ziehen sich dann zusammen und weiten sich wieder, wenn man ins Warme kommt. In extremer Form provozieren die hartgesottenen Eisbader diesen Effekt. Viele glauben daran, dass der Kältereiz das Immunsystem stärkt. "Ob das allerdings stimmt, ist bisher nicht abschließend geklärt", sagt Neumann. "Schaden tut es jedenfalls nicht."

In der kommenden Woche wird es milder

Ab kommender Woche sind die Kältegefahren erstmal wieder vorbei. Dank milderer Luft steigen die Temperaturen bis zum Donnerstag langsam an. Außerdem gebe es auch mehr Sonnenstunden, verrät Alexandra Mittermeier von MeteoGroup. Aber die Meteorologin vermutet: "Anfang Februar kommt der Winter noch einmal zurück."

 

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23.01.2013 | 19:30 Uhr
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