Schiffsunfall: Forderung nach Lotsenpflicht
Vor Rügen stießen zwei Frachtschiffe zusammen. (5. Februar 2013) mehr
Nadelöhr: Vor allem bei Gegenverkehr kommt es in der Kadetrinne immer wieder zu brenzligen Situationen.
Sie gehört zu den meistbefahrenen und gefährlichsten Schiffswegen der Welt: die Kadetrinne in der Ostsee. 2012 passierten rund 85.000 Schiffe den Seeweg zwischen der dänischen Insel Falster und der deutschen Halbinsel Fischland-Darß-Zingst. Und immer wieder gibt es Unfälle: Seit 1994 sind laut Greenpeace 16 Schiffe in der Kadetrinne verunglückt. Die meisten Havarien gingen glimpflich aus. Doch die Umweltschützer befürchten weitere Ölkatastrophen wie zuletzt 2001, als die "Baltic Carrier" auf Grund lief und 2.500 Liter in die Ostsee strömten. Eine größere Ölpest hätte verheerende Folgen: Ein Teil der Kadetrinne ist ein Naturschutzgebiet. Dort leben zum Beispiel die vom Aussterben bedrohten Schweinswale. Außerdem liegt in der Kadetrinne ein Ökosystem mit artenreichen Riffs. Schwerwiegend wären die Konsequenzen auch für den Tourismus an den nahegelegenen Badestränden.
Das Nadelöhr vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns ist stellenweise nur 500 Meter schmal und elf Meter tief - eine Herausforderung auch für erfahrene Kapitäne. Als äußerst heikel gilt das Manövrieren auf der rund 30 Kilometer langen Strecke zwischen den Wendepunkten der Kadetrinne in Höhe Gedesby (Dänemark) und Born (Deutschland). Um weitere Unfälle zu verhindern, fordern Umweltschützer und Politiker seit langem eine Lotsenpflicht. Dazu ist jedoch ein einstimmiger Beschluss der Ostsee-Anrainerstaaten nötig. Länder wie Russland sperren sich dagegen - auch aus Kostengründen. Eine Lotsenfahrt in der Kadetrinne schlage je nach Schiffsgröße mit bis zu 1.000 Euro zu Buche, heißt es bei der Lotsenbrüderschaft Rostock. Zwar setzen inzwischen rund 90 Prozent der Schiffe Lotsen ein, doch vor allem Gefahrgutfrachter und Öltanker verzichten oft auf die Navigationshilfe. Da eine Lotsenpflicht in weiter Ferne ist, wird auch immer wieder der Ruf nach einer elektronischen Radarüberwachung laut.
Experten der schleswig-holsteinischen Landesregierung warnten bereits 2006 vor einer deutlichen Zunahme des Schiffverkehrs auf der Kadetrinne bis 2015 - vor allem durch Öltransporte aus Russland, die einen großen Anteil am Schiffsverkehr auf der Ostsee haben. Damit dürfte sich die Lage auf der gefürchteten Passage weiter verschärfen.