Der Luchs: Europas größte Raubkatze
Seit zehn Jahren werden im Harz wieder Luchse angesiedelt.
Bildergalerie startenMittlerweile streunt er durch den ganzen Norden. Im schleswig-holsteinischen Kreis Segeberg haben Experten einen Wolf entdeckt. Der Rüde soll ein Einzelgänger sein. Vor Kurzem tappte in Niedersachsen eine Wolfsmutter mit ihren Welpen in eine Kamerafalle. Im vergangenen Jahr war ein junger Wolf, zufällig beim Ausprobieren einer Kamera, vor den Toren Hamburgs geknipst worden. Naturfreunde hoffen, dass auch die Einzelgänger bei Hamburg und in Schleswig-Holstein forsch genug sind, um in Norddeutschland eine Familie zu gründen und ihrer Art damit Lebensraum zurückzuerobern - so wie es in Niedersachsen und Verwandten in Mecklenburg-Vorpommern teilweise gelungen ist. Auch andere große Beutegreifer haben das in den vergangenen Jahren geschafft.
Pinselohren machen sich wieder im Harz breit.
Dank menschlicher Hilfe fühlt sich zum Beispiel der Luchs bereits wieder im Norden wohl. Naturschützer versuchen seit dem Jahr 2000, die größten Raubkatzen Europas im Harz anzusiedeln - mit Erfolg: 24 Pinselohren wurden zu Beginn des Projektes ausgewildert, inzwischen sind mehr als 70 Jungtiere im Freiland geboren worden. Um mehr Informationen über das Verbreitungsgebiet der Luchse zu bekommen, wurden einige der Tiere mit Sendehalsbändern ausgestattet.
Mit Kräutern statt mit moderner Technik sind Biologen einem anderen Raubtier auf die Spur gekommen, das sich ebenfalls auf leisen Pfoten zurück nach Norddeutschland geschlichen hat: Den Forschern gelang es mit Baldrian, Wildkatzen am Elm in Niedersachsen anzulocken. DNA-Analysen von den gefundenen Haaren belegen, was für die Tierfreunde eine kleine Sensation ist: Die scheuen Tiere werden im Norden langsam wieder heimisch. Zuvor waren die Pirschjäger bereits im Deister nachgewiesen worden.
Der Uhu ist wieder sicher in Norddeutschland gelandet.
Ebenfalls leise, aber noch erfolgreicher hat die größte Eulenart der Welt Norddeutschland zurückerobert: Nach Einschätzung des Naturschutzbunds Deutschland (NABU) fliegt der Uhu wieder nahezu flächendeckend zwischen Nord- und Ostsee durch die Nacht. Vor 150 Jahren galt er hier als ausgerottet. Inzwischen haben sich einzelne Exemplare sogar ganz dicht in der Nähe des Menschen niedergelassen, so etwa am Kalkberg in Bad Segeberg (Schleswig-Holstein), auf dem Friedhof in Hamburg-Ohlsdorf oder im Dom von Osnabrück.
Gern in Bauwerken brütet auch der Wanderfalke, der Mitte der 70er-Jahre wegen des Einsatzes von Pestiziden im Norden als ausgestorben galt, und jetzt wieder häufiger hier auf die Jagd geht. So ist es gelungen, mehrere Paare in den Wäldern Mecklenburg-Vorpommerns anzusiedeln. Ein ähnliches Schicksal hat der Seeadler hinter sich, dessen Bestände durch den Einsatz von Insektiziden vor dem Kollaps stand. Inzwischen leben wieder 600 Brutpaare in Deutschland, ein großer Teil davon im Bereich der Müritz in Mecklenburg-Vorpommern.
Der Braunbär lässt wohl noch auf sich warten.
Wölfe, Raubkatzen, Greifvögel sind also wieder da - jetzt fehlt nur noch der größte der großen Beutegreifer: der Braunbär. Ende des 17. Jahrhunderts wurde das letzte Tier im Harz geschossen und seitdem ist im Norden kein lebendes Exemplar mehr in freier Wildbahn gesehen worden. WWF-Artenschutzexperte Volker Homes geht davon aus, dass sich das so schnell nicht ändern wird: "Der Bär ist von den großen Beutegreifern der langsamste. Es wird wohl noch Dekaden brauchen, bevor man ihn im Norden wiedersieht."