Normalerweise stehen sie mit einigem Abstand an der Elbe, seit Anfang der Woche befinden sie sich mitten in den Wassermassen: Die Häuser an der Elbpromenade in Lauenburg werden auch am Sonnabend noch von dem Fluss umspült.
Doch der Pegelstand in der schleswig-holsteinischen Stadt sinkt weiter und liegt jetzt um die Neun-Meter-Marke. Der Hochwasser-Scheitel war am Mittwoch mit gut 9,60 Metern gemessen worden.
Jürgen Mahnecke blickt von seinem Balkon auf den ansonsten mehrere Meter tiefer gelegenen Fluss, der nun fast bis an die Brüstung heranreicht. Der Anwohner hatte vor fast einer Woche sein Zuhause verlassen müssen.
Am Sonnabendmorgen wird die Evakuierung aufgehoben und die Lauenburger machen sich auf den Weg zurück zu ihren Häusern.
Notfallseelsorger stehen bereit, falls die Anwohner seelischen Beistand benötigen. Durch die Flut können einige Häuser an ihren Fundamenten stark beschädigt sein. Bausachverständige nehmen die Gebäude unter die Lupe, um eine Gefahr für die Bewohner auszuschließen.
Seit Donnerstag sinkt der Pegelstand kontinuierlich. In immer mehr Gebieten der Stadt können die Gummihosen zum Trocknen aufgehangen werden. Den Helfern bleibt so auch einmal Zeit zum Durchatmen.
Doch es bleibt noch viel zu tun: Hochleistungspumpen befördern das Wasser seit Freitag zurück in die Elbe. Nachdem die Einsatzkräfte zuvor mehrere Tage lang nichts gegen die Rekord-Fluten ausrichten konnten, legen sie so nun die Altstadt trocken.
Die Altstadt von Hitzacker ist dank einer Flutschutzmauer gar nicht erst überflutet worden und in der vergangenen Woche eine trockene Insel inmitten des zum See ausgewachsenen Flusses geblieben. Am Sonnabend steht die Elbe aber immer noch bis zur mobilen Spundwand. Sinkt der Wasserstand noch einige Zentimeter weiter, wird die Altstadt wieder für alle freigegeben.
Bislang dürfen nur Bewohner auf die Altstadt-Insel, seit der Pegelstand am Freitagmorgen auf den entscheidenden Wert von 7,76 Metern zurückgegangen war. Der Krisenstab hatte die evakuierte Altstadt daraufhin wieder freigegeben. Die ersten Bewohner kehren seither zum großen Aufräumen in ihre Stadt zurück.
Die Schutzmaßnahmen werden nun zurückgebaut: Die Sandsäcke, die die Hitzackeraner vor der Evakuierung vor ihren Häusern gestapelt haben, müssen jetzt wieder weggeräumt werden. Barbara und Hartmut Bublitz entfernen sogar Betonreste von ihrem Haus. Sie hatten die Kellerfenster vor der Evakuierung zugemauert.
Auch Postbote Michael Heyn hat alle Hände voll zu tun. Wegen der Evakuierung war in den vergangenen Tagen viel Post aus Hitzacker in Dannenberg liegen geblieben. Die Geschäftsleute in der Altstadt hoffen auf eine baldige Rückkehr der Touristen, nachdem sie eine Woche lang ein kräftiges Umsatzminus verkraften mussten.
Auch in der mecklenburgischen Hochwasser-Region hat die Flut alle bisherigen Rekorde übertroffen. Erst als das Wasser am Freitag langsam zurückgeht, werden die Pegelstände aus den Jahren 2006 und 2011 wieder sichtbar.
Peter Dreßler schaut in seinem Restaurant "Alte Fischerkate" in Mödlich nahe Dömitz nach dem Rechten. Der Strom geht noch, aber der Kellerbereich steht unter Wasser.
Die Betroffenen in Dömitz bedanken sich bei allen Helfern mit diesem Transparent, das am immer noch überfluteten Hafen angebracht ist.
In der Nacht auf Freitag hatte den Helfern noch aufziehender Regen über dem Wendland Sorgen bereitet. Die aufgeweichten Deiche müssen der zusätzlichen Feuchtigkeit standhalten. Der Katastrophenalarm bleibt vielerorts trotz sinkender Pegelstände vermutlich bis Anfang kommender Woche bestehen ...
... auch wenn die ersten Helfer wie hier die Wasserwacht aus Hannover die Flutgebiete langsam wieder verlassen. Der Landkreis Lüneburg hat bereits rund 1.500 von 4.000 Katastrophenhelfern wieder in die Heimat geschickt.
In den Überschwemmungsgebieten bleibt die Hauptaufgabe, ein Auge auf die durchgeweichten Deiche zu haben. Darum bleiben auch die Deichläufer (oder -radler) weiter im Einsatz. Sie drehen ihre Runden entlang der Dämme, immer auf der Suche nach undichten Stellen.
Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) besucht am Donnerstag die Helfer der Bundeswehr in Niedersachsen. De Maizière spricht vom bislang größten Katastropheneinsatz. "Wenn es darauf ankommt, hält dieses Land zusammen", lobt er.
Auch die Kanzlerin würdigt das Engagement der Helfer. Sie besucht am Mittwoch Hitzacker und Lauenburg, um vor Ort einen Eindruck von der Lage im Hochwassergebiet zu gewinnen.
In Bleckede bauen die Helfer derweil erste Deichanlagen zurück, nachdem der Hochwasser-Scheitel vorübergezogen ist.
Der lange Einsatz zehrt an den Kräften. Die Feuerwehren des Landkreises Northeim unterstützten die Helfer in der Krisenregion - bis zur Erschöpfung.
Auch Wildtiere versuchen sich vor dem Hochwasser in Sicherheit zu bringen. Diesem Rehbock gelingt es mithilfe der Feuerwehr in Neu Bleckede.
So sah es zum Höhepunkt der Flut Mitte der Woche aus: Das ganze Ausmaß wurde wie hier in Lauenburg erst aus der Luft richtig sichtbar.
Halten die Deiche? Aus der Luft kontrollieren die Einsatzkräfte der Bundeswehr in den gefährdeten Regionen rund um die Uhr den Zustand der Dämme.
Einsamer Posten: Ein ehemaliger Wachturm der DDR-Grenztruppen ragt aus dem Hochwasser der Elbe bei Boizenburg.