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Kommentar
Kein anderer Senator hat in diesen Tagen so viele Termine auf dem Zettel wie der Hamburger Schulsenator - und er ist selbst schuld. Will Ties Rabe doch alle 12 Abschluss-Feiern der Stadtteilschulen besuchen, an denen in diesem Jahr erstmals Schülerinnen und Schüler ihr Abitur gemacht haben.
Der Senator macht das nicht aus einer Feier-Laune heraus: Er will politisch Flagge zeigen - die Stadtteilschulen demonstrativ stärken. Denn scheitern sie, dann scheitert auch die Schulpolitik der SPD. Die Stadtteilschulen als zweiter, längerer Weg zum Abitur sollen schließlich zeigen: In Hamburg bekommen auch diejenigen eine Chance, die nicht mit dem Silberlöffel im Mund geboren wurden.
Aber vielleicht will der Senator auch nur mal in mehr glückliche Gesichter schauen als sonst - bei Schülern, Eltern und Lehrern. Denn vor allem an den Stadtteilschulen gibt es meist wenig zu lachen. Brandbriefe von Schulleitern aus Wilhelmsburg, die die Überlastung ihrer Lehrer beklagen und Zeitungsschlagzeilen wie: "Mein Höllenmonat als Lehrerin" belegen das.
Nein - es macht keinen Spaß Schulsenator zu sein. Der Mann hat einfach zu viele Baustellen und zu viele Kritiker. Bei 240.000 Schülern sind es fast doppelt so viele Väter und Mütter.
Die bemängeln zum Beispiel den schleppenden Ausbau der Schulen mit Ganztags-Betreuung. Fast alle Grundschulen in Hamburg wollen sie ab Sommer anbieten. Doch mit den Schulkantinen kommt man nicht nach. Beispiel Inklusion: Der Versuch, Kinder mit Behinderungen, Lern- oder Erziehungsdefiziten im normalen Klassen-Verband zu unterrichten, ist ehrgeizig.
Aber es hakt auch hier mit der Umsetzung. Es geht zu schnell, die Lehrer sind oft nicht genügend vorbereitet, Geld und Stellen für die Inklusion werden nicht mit Blick auf jeden Einzel-Fall verteilt.
Und dann gibt es noch eine rätselhafte Vermehrung von Problem-Fällen. Mehr Kinder mit sonderpädagogischen Förderbedarf kommen auf den Stadtteilschulen an, als von den Grundschulen abgehen. Der Senator läßt das jetzt wissenschaftlich klären.
Und was, wenn dann auch noch die Initiative gegen das sogenannte Turbo-Abi Erfolg hat und an den Gymnasien wieder ein Abitur nach 9 Jahren eingeführt werden muss ?
Dann ist es vorbei mit dem Hamburger Schulfrieden. Dann hat der Hamburger Schulsenator absolut nichts mehr zu lachen. Gönnen wir ihm die paar Gläschen Sekt zusammen mit glücklichen Abiturientinnen und Abiturienten und dann seinen Urlaub - auf Kreuzfahrt, wie man hört ... Spätestens nach den Sommerferien geht der Ärger für ihn wieder richtig los.