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Thema der Woche

Verzockt? Hamburgs maritime Beteiligungen

von Dietrich Lehmann, NDR 90,3

Bei der insolventen Sietas-Werft gehen die Lichter aus. Das vorerst letzte Schiff wird ausgedockt. Gleichzeitig müssen die ersten Mitarbeiter gehen.Grund zum Feiern gibt es dagegen beim Terminalbetreiber HHLA - denn trotz Krise steht das Unternehmen, an dem die Stadt maßgeblich beteiligt ist, gut da. Stolz blickte er in die Ferne, HHLA-Chef Klaus-Dieter Peters. Am Mittwoch, als er die Bilanz für den größten Hafenkonzern der Stadt vorlegte. Stolz deshalb, weil er selbst in schwierigen Zeiten eine ordentliche Dividende an die Stadt überweisen kann. 34 Millionen Euro in einem Jahr, in dem der gesamte Hafen so viel eingebüßt hat wie lange nicht mehr. Die HHLA aber glänzt - und beschert der Stadt Millioneneinnahmen, auch an Steuern.

Schon viel Geld verloren

Geld, das der Senat gut gebrauchen kann. Denn an vielen Stellen ist Land unter, was die Investitionen des Senats in maritime Unternehmen angeht. Die Bürgschaften für die insolvente Sietas-Werft - schon lange abgeschrieben. Eine Dividende für die Milliarde, die die Stadt in die Reederei Hapag-Lloyd gesteckt hat? Fehlanzeige. Im Gegenteil: Mehr als 100 Millionen Euro, rechnet die Opposition vor, haben die Anteile an Hapag-Lloyd die Stadt schon gekostet. Wenn nicht das Doppelte oder das Dreifache, und zwar allein an Zinsen. Die erhoffte Wertsteigerung durch eine Fusion von Hapag-Lloyd mit der Reederei Hamburg Süd wurde Anfang dieser Woche abgesagt. Wenn auch nicht endgültig.

Hamburgs Wirtschaft braucht viele Anker

Hat sich der Senat bei Hapag-Lloyd verspekuliert, hat er zu viel für die Zukunft von Sietas eingesetzt? Nein. Ohne starke Reedereien wie Hapag-Lloyd und Hamburg Süd, ohne innovative Schiffbauer wie Sietas und Blohm+Voss in derselben Stadt hätte auch ein Hafenbetreiber wie die HHLA kaum Erfolg. Die maritime Wirtschaft braucht viele Anker. Die Stadt sollte sich deshalb nicht bei Hapag-Lloyd zurückziehen. Genauso wie der Wirtschaftssenator Sietas auch in einer schier hoffnungslosen Lage nicht aufgibt. Vielleicht ist das Schiff, das jetzt in Neuenfelde ins Wasser gleitet, nicht das letzte. Der Senat und die Stadt - aber erst recht die Mitarbeiter von Deutschlands ältester Werft hätten es verdient.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Thema der Woche | 30.03.2013 | 08:40 Uhr

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