Dieses Thema im Programm:
Kommentar
Das Jahr 2006: Wilhelmsburgs Mitte besteht aus einem aufgegebenen Friedhof und öden Containerlagern. Hier zieht nur hin, wer woanders keine billige Wohnung findet. Die Wilhelmsburger Bürgerinitiativen schimpfen über den Senat.
Das Jahr 2013 - zur heutigen Eröffnung der Bauausstellung ist folgendes entstanden: 1.300 Wohnungen, 5 Schulen und Bildungszentren, 4 Kitas, 1 Schwimmbad, viele Begegnungsstätten - und der 100 Hektar große Park der Gartenschau. Und die Wilhelmsburger Bürgerinitiativen schimpfen über den Senat !
Zu wenig Pädagogen für die Bildungszentren, nach der IBA gingen die Lichter aus. Der "Arbeitskreis Umstrukturierung Wilhelmsburg" versteigt sich gar zur Behauptung, die Bauausstelllung verstärke den Wohnraummangel und verschärfe die Lebensbedingungen.
Wilhelmsburger widersprechen Kritikern
Das ist blanker Unsinn, wie monatliche Untersuchungen der Miethöhen belegen, aber Weltuntergangs-Propheten finden leichter Gehör als die einfachen Bewohner der Elbinsel. Die sind heute optimistischer:
"Ich hoffe, das Wilhelmsburg nicht mehr das Ghetto-Image hat...Es ist ein Stadtteil, der sehr viel Potential hat, jetzt hat man endlich dieses Potential entdeckt...Es wird jetzt viel getan und dadurch ist das natürlich auch attraktiver geworden."
Stadtreparatur und Bildung
Die Aufwertung der Hinterhöfe unserer Stadt ist vor allem das Verdienst von IBA-Chef Uli Hellweg. Er sieht die Internationale Bauausstellung nicht als Architektur-Biennale mit schicken Glanz-Fassaden, die gibt es auch. Hellweg widmet die IBA der Stadtreparatur - für die Bewohner. Sein Credo:
"Wir wollen aufwerten ohne zu verdrängen. Wir bauen für die Leute, die hier sind. Und das zweite große Thema sind die Bildungseinrichtungen, weil Eltern in der Regel ein großes Interesse an einer guten Ausbildung ihrer Kinder haben."
Erstmals ist eine Internationale Bauausstellung eine Bildungsausstellung. Auch die Öko-Projekte wie der Energiebunker sind einmalig.
Die Fehler der IBA
Doch es glänzt nicht alles so schön, wie die neuen Fassaden. Zwei Fehler hat die IBA gemacht. Sie wagte es nicht, sich mit der Hafenindustrie anzulegen und auch die Ränder Veddels und Wilhlemsburgs umzubauen. Und sie hat die Bewohner zu wenig eingebunden. Das moniert auch Manuel Humburg vom Verein Zukunft Elbinsel Wilhelmsburg:
"Das hätte in erster Linie erfordert, die Menschen in Wilhelmsburg selber - allen voran die engagierten Gruppen zu Akteuren zu machen in diesem Prozeß. Genau das, fürchte ich, ist der IBA nicht gelungen."
Strohfeuer oder Dauerlicht
Ob die Elbinseln dauerhaft profitieren, entscheidet sich nach der IBA. Sie sei kein Strohfeuer, hat Olaf Scholz gestern versprochen. Es braucht mehr als flammende Worte des Bürgermeisters, damit Wilhelmsburg wirklich als Beispiel leuchtet. Es braucht viel Geld.