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Kommentar
Vor zwei Jahren war es nur ein grelles Graffiti. "Altona 21" hatte ein Witzbold an einen Bahnschuppen in Altona gesprayt - als Anspielung auf Stuttgart 21.
Werden die Riesenlettern jetzt zum Menetekel - zur Wahrheit an der Wand ?
Die Deutsche Bahn fürchtet sich vor hohen Kosten bei der Verlegung des Fernbahnhofs zum Diebsteich. Bahnchef Rüdiger Grube zögert nach den Stuttgarter Zusatz-Milliarden und stellt die Signale für Altona auf Gelb. Bei NDR 90,3 klang er distanziert wie nie:
"Sie werden sicher Verständnis dafür haben: Nach den Erfahrungen von Stuttgart 21 werde ich mit Sicherheit nicht in ein zweites, ähnliches Projekt hineinlaufen, sondern ich werde mir ein sehr viel besseres Bild machen über die tatsächlichen Kosten."
Millionen-Kosten, Millionen-Einnahmen
Alte Schätzungen liegen bei 250 Millionen Euro. Die Bahn würde aber auch Millionen fürs Grundstück bekommen und Millionen einsparen: An einem Fern-Bahnhof Diebsteich müsste kein Zug umgedreht werden wie am Kopfbahnhof Altona.
Vor allem muss die Bahn dringend ein altes Fernbahn-Viadukt zwischen Altona und Holstenstraße erneuern. ICEs dürfen dort nur schleichen, den Neubau könnte sich die Bahn mit der Bahnhofverlegung sparen. Und sie bräuchte nur dann keinen Lärmschutz für den 1. Bauabschnitt zahlen.
Kommt nur der 1.Bauabschnitt?
Dieser 1. Abschnitt am Rand zur Holsten-Brauerei wird auf jeden Fall gebaut - mit 1.600 Wohnungen. Am Mittwoch stellte Hamburg den Bebauungsplan öffentlich vor. Häufigste Frage der 250 Anwesenden: Wie schützt die Bahn vorm Schienenlärm, wenn der Bahnhof bleibt? Anwohner Hans-Jörg Hofmann ärgerte sich:
"Die Lärmproblematik ist noch völlig offen. Die Politik oder die Behörden tun aber so, als würde sich das schon irgendwie regeln. Es gibt also keine besonderen Maßnahmen, um gegen die Lärmproblematik anzugehen."
Noch ein Argument spricht für eine Bahnhofsumsiedlung: 1.900 zusätzliche Wohnungen.
SPD warnt vor "Mogelei"
SPD-Stadtentwicklungsexperte Dirk Kienscherf hatte die skeptischen Worte des Bahnchefs morgens im Radio gehört. Sein Ärger ist groß. "Ich kann die Bahn nur warnen, hier Absetzbewegungen vorzunehmen und sich aus Altonas Bahnhofsverlegung rauszumogeln", sagt Kiehnscherf. Altona sei viel billiger als Stuttgart 21. Und hier wolle das Volk einen neuen Bahnhof.
Das stimmt. Es gibt also lauter gute Gründe, Altonas Fernbahnhof zu verlegen. Trotz verunglückter Großbauten wie Stuttgart 21 oder dem Berliner Flughafen darf sich Bahnchef Rüdiger Grube nicht in die Reihe mutloser Manager einfügen. Er sollte das epochale Stadtentwicklungs-Projekt nicht aufs Abstellgleis schieben. Denn "Altona 21" taugt nur zum Graffiti, nicht zum Menetekel.