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Kommentar
Im 8. Stock seiner Behörde zieht Hamburgs Wirtschaftssenator Frank Horch - wie auch seine anderen Senatskollegen - eine positive Bilanz seiner ersten beiden Amtsjahre: "Insgesamt bin ich zufrieden: Wir haben grundsätzliche thematische Schwerpunkte
geschaffen: Mit Masterplänen, mit Mittelstandsvereinbarungen, mit dem Hafenentwicklungsplan." Bis 2015 will Horch nun vor allem die Infrastruktur verbessern, Wertschöpfung steigern und Arbeitsplätze schaffen. Allerdings, so der ehemaligen Blohm und Voss-Manager, dauere ihm alles zu lange.
Alles dauert zu lange
Dennoch will er an seiner umstrittenen "Ich-bitte-alle-Befürworter-und-Kritiker-an-einen-Tisch-Politik" festhalten. Dabei ist dem Wirtschaftssenator durchaus bewusst, dass mit der zweiten Hälfte der Legislaturpersiode auch für ihn eine andere Zeit beginnt: Im Dezember sind die deutschen Exporte eingebrochen. Schon zuvor hatte die weltweite Konjunkturkrise den Hamburger Hafen erreicht. Statt des erhofften Wachstums im Containerumschlag von sechs Prozent, gab es im vergangenen Jahr ein Minus von fast zwei Prozent. Entsprechend leiden auch die Terminalbetreiber HHLA und Eurogate. Ob Jobs verloren gehen, ist offen. Vieles habe Hamburgs Regierung nicht in der Hand, sagt Frank Horch: "Da ist ein Teil Schifffahrtskrise, das ist Regulierung der Finanzmärkte, das sind Binnenmärkte in China und Amerika.
Keine Hilfe aus Asien
Auf Asien sollte sich Frank Horch jedenfalls nicht verlassen: Chinas fulminanter Export-Januar war wohl eine Eintagsfliege, Japan schwächelt seit langem. Von Europa ganz zu schweigen. Von der angekündigten Freihandelszone zwischen den USA und der EU wird es in den kommenden fünf Jahren auch keine positiven Impulse geben - wenn sie überhaupt kommt. Und dann wären da noch jede Menge Probleme vor der eigenen Haustür: Der Standortstreit zwischen Hamburg und Husum um die Leitmesse der Windenergie. Die Entsorgung des Hafenschlicks. Der Dauerbrenner: Elbvertiefung.
Top-Thema: Elbvertiefung
Dieser Meter Elbschlick wird darüber entscheiden, was später über Frank Horch in den Geschichtsbüchern steht - und nicht nur das, sagt Wirtschaftssenator Frank Horch: "Ich will nicht sagen, dass ich meine ganze Amtszeit nur von der Fahrrinnenanpassung abhängig mache. Aber zugegeben: Das ist eine wichtige Entscheidung - eines der wichtigsten Projekte insgesamt."Von dem er allerdings seine politische Karriere nicht abhängig machen will. Der 64jährige hat Gefallen an der Senatsarbeit gefunden. Trotz Trennung von der Familie. Auch deshalb kann sich der passionierte Segler eine zweite Amtszeit durchaus vorstellen. Er habe schon Lust, so Horch. Allerdings muss er dafür die nächsten beiden Jahre überstehen. Und da wird ihm der eisige Konjunkturwind anders ins Gesicht wehen als bislang.