AKTUELLES AUS DER REGION
WETTER
NDR Verkehrsstudio
Aktuelle Verkehrsmeldungen aus Hamburg  Fotograf: Frederico di Campo, Jürgen Priewe
 

Verkehrsmeldungen aus Hamburg

Staus, Baustellen, Gefahrenhinweise - die aktuelle Verkehrslage mehr

Reise & Freizeit
Villen an der Hamburger Alster  Fotograf: Janina Dierks
 

Hamburg - das Tor zur Welt

Stadtporträt mit vielen Bildern und Tipps. mehr

 

Kommentar

Thema der Woche

Chantal -

von Kristine Jansen

Chantal und Lara Mia - kleine Mädchen, die erst im Tod die Aufmerksamkeit bekommen, die sie vorher dringend gebraucht hätten. Und die ihnen vermutlich das Leben gerettet hätte.
Aber: beide Mädchen starben, obwohl sie in staatlicher Obhut waren, vom Jugendamt betreut.
Chantal zu helfen wäre gar nicht so schwer gewesen: Halb Wilhelmsburg kannte das Mädchen, sagt der Pastor, der sie nächsten Dienstag beerdigen muss, und: Chantal war genauso fröhlich und genauso wild - wie andere Kinder in Wilhelmsburg.
Bis sie am 16. Januar an einer Überdosis Methadon starb. Hinweise auf die Drogensucht der Eltern gab es. Aber als der Tod der Elfjährigen eine Woche später bekannt wird, gilt er trotzdem tagelang als tragisches Unglück.

Inzwischen steht, zu Recht, die Frage nach Verantwortung und Schuld im Mittelpunkt. Und nach Konsequenzen.
Das Versagen des verantwortlichen Bezirksamtes ist überdeutlich, es wird fast täglich durch neue Fakten untermauert.
Eine unglaubliche Liste von Versäumnissen:
Das Jugendamt gibt Chantal zu drogenabhängigen Pflegeeltern. Hinweise von Nachbarn darauf werden als Mobbing abgetan. Jugendpfleger übersehen die chaotischen Zustände in der Wohnung, die der Sozialsenator "skandalös" nennt. Auch 10 Tage nach Chantals Tod weiß der Bezirksamtsleiter angeblich nichts über die aktenkundige Drogenabhängigkeit der Eltern. Erklärt: dem Mädchen ging es gut.
NDR 90,3 Recherchen ergeben, auch Hinweisen auf Verwahrlosung der jüngeren Pflegetochter Ashley wurde nicht nachgegangen, obwohl ihre Lehrerin sich an das Jugendamt gewandt hatte.

Bezirkschef im Zentrum der Kritik
Eigene Schuld erkennt Markus Schreiber, der Bezirksamtsleiter in Mitte, trotz all dieser Fakten auch fast drei Wochen nach Chantals Tod nicht. Bei "persönlicher Schuld" würde er zurücktreten, sagt er.

Immerhin: Mitte dieser Woche beurlaubt Schreiber die Leiterin seines Jugendamtes. Und erklärt: er habe sie schon vor zwei Jahren loswerden wollen, nach dem Tod des Babys Lara Mia, das ebenfalls in Wilhelmsburg starb. Ein Boomerang: Wenn er die Jugendamtsleiterin für unfähig hielt, hätte er sie aus dem Amt entfernen müssen. Schreiber hat seine Pflicht als Vorgesetzter missachtet.

Wagenburgmentalität im Bezirk Mitte
Markus Schreiber ist offenbar nicht in der Lage, aus persönlichem Versagen die Konsequenzen zu ziehen. Und er wird weiter gestützt. Von einer SPD in Mitte, die in falsch verstandener Solidarität zu ihm steht und nicht versteht: Politische Verantwortung gilt es unabhängig von persönlicher Schuld zu übernehmen.

Noch scheut der Bürgermeister die Einmischung, gibt Zeit für "gründliche und harte" Aufklärung. Scholz werde sich äußern, wenn er es für richtig hält, heißt es im Rathaus. Die Wagenburgmentalität der Genossen in Mitte ist zynisch angesichts des Todes von Chantal. Der Bürgermeister sollte ihr nicht länger zuschauen.

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/regional/hamburg/themaderwoche271.html