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Der Tod von Chantal hat Trauer und Bestürzung in Hamburg ausgelöst. Jetzt müssen die richtigen Konsequenzen gezogen werden.
Der Methadon-Tod des elfjährigen Pflegekinds Chantal in Hamburg beschäftigt weiterhin Politik und Öffentlichkeit. Viel wird über Versäumnisse des Jugendamtes bei der Auswahl von Pflegeltern diskutiert. Doch wie steht es mit leiblichen Kindern, die in Hamburg bei Methadon-Patienten aufwachsen? Wer kümmert sich um ihr Wohl? Die CDU fordert bereits flächendeckende Haaruntersuchungen für Kinder von Methadon-Patienten.
Suchtberaterin Cornelia Mertens spricht von Einzelfallentscheidungen, wenn es darum geht, wie mit Kindern von Suchtkranken umgegangen wird.
Wie viele Kinder betroffen sind weiß niemand, auch nicht die Gesundheitsbehörde. Nur so viel: 6.500 Suchtkranke werden in Hamburg mit Methadon behandelt. Nach Erfahrungswerten von Suchtberatern dürften sie mehr als 2.000 Kinder haben. Was mit ihnen geschieht, dafür gebe es kein Patentrezept, sagt Cornelia Mertens, die stellvertretende Vorsitzende der Landesstelle für Suchtfragen und Geschäftsführerin des Therapiezentrums Brücke: "Das entscheidet man im Einzelfall. Das bedeutet, dass Fachleute gemeinsam mit dem Klienten auf die Situation der Kinder schauen und mit dem Klienten erarbeiten, was für das Kind das Beste ist."
Raus aus der Familie, das ist die letzte Möglichkeit, aber nicht die einzige, so Mertens und so auch die Hamburger Gesundheitsbehörde. Sie erklärt schriftlich:
"Wenn die Gefährdung eines Kindes vermutet wird, wird bei den betreffenden Klientinnen und Klienten auf die Inanspruchnahme von Erziehungs-Hilfen hingewirkt. Für den Fall, dass diese nicht angenommen werden, wird das Jugendamt informiert."
Der familienpolitische Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion in Hamburg, Christoph de Vries, will einen zweiten Fall Chantal unbedingt verhindert wissen.
Der Hamburger CDU geht das nicht weit genug - sie fordert jetzt Klarheit. Man müsse wissen, in welchen Haushalten und wie die Kinder von Methadon-Patienten lebten, fordert der familienpolitische Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion Christoph de Vries im Gespräch mit NDR Info: "Angesichts des Falls Chantal können wir es uns überhaupt nicht mehr leisten, sehenden Auges in einen weiteren Fall zu laufen. Wir brauchen einmal ein flächendeckendes Haarscreening aller dieser Kinder, um zu schauen: gibt es Drogensubstanzen im Körper dieser Kinder, die das Kindeswohl in irgendeiner Form gefährden."
In Bremen hatten solche Haarscreenings erschreckende Ergebnisse: Bei drei Vierteln der 72 untersuchten Minderjährigen fand man Drogenrückstände in teils bedenklicher Konzentration. In Hamburg gibt es keine regelmäßigen und schon gar keine flächendeckenden Kontrollen. "Wenn es einen Verdacht gibt, dass ein Kind illegal Drogen konsumiert oder verabreicht bekommt, dann muss das gegebenenfalls geprüft werden und dann ist das auch der richtige Weg. Aber dass man pauschal, auf bloßen Verdacht hin Hunderte von Kindern kriminalisiert und sie untersucht, das ist unrealistisch und auch unangemessen", so Suchtberaterin Mertens.
Die Gesundheitsbehörde betont, die Haartests seien umstritten. Und: Man wolle nicht alle Methadon-Patienten unter Generalverdacht stellen, das könnte das Vertrauensverhältnis zu Ärzten und Beratern stören. Doch CDU-Politiker de Vries sagt: "Es muss dort auch eine Form grundsätzlichen Misstrauens geben und zwar einfach zum Schutz der Kinder. Man kann sich nicht allein darauf verlassen, dass Eltern korrekte Aussagen treffen, die auch der Wahrheit entsprechen."
Dagegen verwahrt sich Suchtberaterin Mertens. Viele Suchtkranke könnten gut erkennen, was sie ihren Kindern gut tue: "Sie müssen davon ausgehen, dass Drogensüchtige ihre Kinder genauso lieben wie alle anderen Menschen und dass sie denen wünschen, dass sie drogenfrei und glücklich aufwachsen."