Verkehrsmeldungen aus Hamburg
Staus, Baustellen, Gefahrenhinweise - die aktuelle Verkehrslage mehr
Neun Monate waren sie unterwegs, neun Monate, in denen sie ihre Familien nicht gesehen haben. Doch jetzt steht die Heimreise an. Die Seeleute Mario (33) und Chrysler (34) fliegen zurück auf die Philippinen. Ihre letzte Nacht vor dem Flug verbringen die Overseas Filipino Workers - wie sie auch genannt werden - im Seemannshotel in Hamburg-Altona. In dem Haus an der Großen Elbstraße können sie zur Ruhe kommen und Kraft tanken für den anstrengenden Rückflug.
Im Keller der Mission können die Seeleute Billard spielen - wie Mario (l.) und Chrysler. Auch Tischtennis und Kicker sind im Angebot.
Wie die meisten Auslands-Filipinos sprechen Mario und Chrysler zwar gut Englisch, können aber deutsche Schilder und Tafeln an Bars und Restaurants nicht lesen und wären so im Hamburger Großstadtdschungel überfordert. Auch wenn traditionsreiche Kneipen wie Haifischbar und Schellfischposten direkt neben der Mission in Altona liegen, ist der Internationale Seemannsclub im Keller eine gute und praktische Alternative. Billard, Kicker, Tischtennis, Fernsehen und Musik sorgen für Abwechslung in den urigen Räumen. Ein kleiner Shop an der Bar hält Utensilien für den Alltag wie Duschgel und Zahnbürsten bereit. An Bord der Schiffe sind solche Produkte meist sehr teuer.
Mario ist seit vier Jahren Seemann - vorher war er Servicekraft auf den Philippinen. Chrysler fährt bereits seit elf Jahren zur See. Beide lockt das Geld. Ein einfacher Arbeiter bekommt monatlich rund 1.000 US-Dollar - also gut 700 Euro. In ihrer Heimat wäre das in so gut wie keinem Job für sie möglich, sagen sie.
Allerdings zahlen sie mit der monatelangen Trennung von Frau und Kindern einen hohen Preis. Chrysler erzählt, dass er seiner Frau vor der Hochzeit genau geschildert habe, was auf sie zukommen werde. Sie sei damit einverstanden gewesen. Für den Fall, dass ein Seemann über Sorgen und Probleme sprechen möchte, findet er in der Seemannsmission ein offenes Ohr. Das sei wichtig, finden Mario und Chrysler. Sie seien "very happy to be here". Scherzend ergänzen sie: "Friendly folks, fine food and fun". Stille findet man in der hauseigenen Seemannskirche St. Clemens. Unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit können die Seeleute hier beten oder an Gottesdiensten teilnehmen.
Diakon Moritz arbeitet seit 20 Jahren für die Seemannsmission - im dritten Jahr in Hamburg.
Für den Leiter der Seemannsmission in Altona, Diakon Jörg Moritz, ist es wichtig, den Menschen, die 15.000 Kilometer von zu Hause entfernt sind, "ein Stück Heimat auf Zeit" zu geben. Die Würde der Seeleute solle stets gewahrt werden. Dies gelte für alle Lebenslagen. "Wenn ein Seemann keine Socken mehr hat, aber keine Zeit, neue zu kaufen, dann fahren wir los und besorgen welche. Das gehört dazu", sagt Moritz - augenzwinkernd auch "Boss" genannt. An Bord sei ein Seemann in erster Linie Arbeitskraft, in der Mission sei er in erster Linie Mensch. Diakon Moritz - bereits seit 20 Jahren dabei - hat die Erfahrung gemacht, dass der Begriff Seemannsmission oft wie ein "Zauberwort" wirke, das Seeleuten "ein Leuchten ins Gesicht" bringe. Vertrauen, Ehrlichkeit und Rückhalt - solche Werte werden geschätzt.
Direkter Blick auf die Elbe: Besser kann man in Hamburg kaum wohnen.
Die Organisation finanziert sich aus Spenden sowie mithilfe von unterstützenden Unternehmen. Die Seemannsmission ist mit der Zeit gegangen und verfügt über moderne Standards: Demnächst soll es WLAN in allen Räumen geben. Überhaupt sind Internet und Telefon die wichtigsten Kommunikationsmittel für die Seeleute. In der Mission können sie in Ruhe mit den Verwandten in der Heimat sprechen, chatten oder mailen. Das ist an Bord der Schiffe nur eingeschränkt möglich.
Das 1930 gebaute Haus an der Großen Elbstraße wurde 2008 aufwendig renoviert und technisch auf den neuesten Stand gebracht. Alle 36 Hotelzimmer sind hell und freundlich eingerichtet und haben neue Bäder. Wer ein Zimmer zur Straßenseite bekommt, hat einen schönen Blick auf Elbe, Hafen, Containerterminal und Köhlbrandbrücke.
Ein gemeinsames Bierchen gönnen sich Mario und Chrysler noch im Clubraum. Kurze Zeit später werden sie zum Hamburger Flughafen gefahren. Ihr Ziel: die philippinische Hauptstadt Manila. Nach neun Monaten ohne Familie geht es endlich ich die echte Heimat.
Die Deutsche Seemannsmission e.V. ist eine christliche Sozialeinrichtung für Seeleute mit Hauptsitz in Bremen. Sie wurde am 29. September 1886 gegründet und betreibt heute Häuser in 17 deutschen und 20 weiteren Städten in Europa, Afrika, Amerika und Asien. Mehr als 700 Helfer arbeiten weltweit haupt- und ehrenamtlich für die Mission. Weltweit gibt es rund eine Million Seeleute. Den Herausforderungen und Veränderungen in der Schifffahrt in der heutigen Zeit will sich die Seemansmisstion mit einem "gemeinsamen diakonischen Geist" stellen. Sie ist mit der Evangelischen Kirche in Deutschland, den Landeskirchen und deren Diakonischen Werken verbunden. Ziel ist ein menschenwürdiges Leben der Seeleute, die oft monatelang von ihren Familien getrennt und häufig mit ihren Sorgen, Nöten und Problemen allein sind. Die Seemannsmission bietet Hilfen in unterschiedlichsten Bereichen - unabhängig von der sozialen, nationalen, kulturellen oder religiösen Herkunft der Seeleute.